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Tuesday, March 11, 2014

Evgeny Kissin feiert das Erbe jüdischer Kultur in Musik und Dichtung


Als Charles Krauthammer, der langjährige Kolumnist der Washington Post und Mitbegründer von ‘Pro Musica Hebraica’, der Organisation, die an diesem Abend als Gastgeber fungierte, Evgeny Kissin bei dessen jüngsten Konzert in Washington vorstellte, war es von Anfang an klar, dass es sich bei diesem Abend um etwas Besonderes handeln würde.
Foto: Margot Schulman


“Dem heutigen Konzert kommt gerade deshalb ein besonderes Gewicht zu, da Mr. Kissin am 7. Dezember 2013 die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hat, als Zeichen unerschütterlicher Solidarität und aus Trotz angesichts der Versuche, israelische Künstler zu isolieren und auszuschließen. Heute Abend ist sein erstes Konzert als Israeli in den Vereinigten Staaten, sagte Krauthammer auf den aus Russland stammenden Pianisten mit britischem Reisepass, verweisend.

Aber über diese politische Haltung hinausgehend war es Kissins Programmauswahl, die das Publikum überzeugte, wie tief der Pianist sich den jüdischen Wurzeln verpflichtet fühlt. Sowohl was die Musik als auch das jiddische Wort anbelangt, bot Kissin eine faszinierende Einführung in ein Kulturerbe, dessen Reichtum keineswegs weit bekannt ist.  Foto: Marot Schulman

Natürlich ist es genau das, worum es bei ‘Pro Musica Hebraica’ geht. Von Krauthammer und seiner Frau Robyn ins Leben gerufen, ist es die Aufgabe der Organisation, die historische und geografische Verschiedenheit des jüdischen Kulturerbes durch eine Palette von Programmen zu erkunden, indem verlorengegangene und vernachlässigte Meisterstücke jüdischer klassischer Musik dargeboten werden.

Nun in ihrer siebten Spielsaison hat die Konzertreihe kantorale Musik, die Werke der vom Holocaust verfolgten Musiker, barocke jüdische Musik aus Amsterdam und Musik, die den Einfluss französischer romantischer Musik auf jüdische Komponisten in sich trägt, abgedeckt. Die Reihe hat so unterschiedliche Künstler wie den Kantor Netanel Hershtik, den Klarinettisten Alexander Fiterstein und den Pianisten Marc-André Hamelin vorgestellt.

“Die Serie versucht den Nachweis zu erbringen, dass es mehr an jüdischer Musik als die offensichtliche Auswahl von Hava Nagilah oder Klezmer gibt,” sagt Krauthammer. “Es gibt eine Fülle von Werken, die es verdient, einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Es ist unsere Hoffnung, diese Werke durch junge, charismatische Auftrittskünstler zu verbreiten, die sie bei ihren nächsten Auftritten mit einbeziehen und so ihre Sichtbarkeit und anhaltende Vitalität zu gewährleisten.”

Wer wäre dafür besser geeignet, als der Star-Pianist Evgeny Kissin, dessen persönliche Überzeugung und künstlerische Berufung mit dem übereinstimmt, was die Krauthammers zu erreichen suchen?
Foto:Margot Schulman

Kissin hat sichergestellt, dass der künstlerische Anspruch des musikalischen Teils des Abends auf keinerlei Weise kompromitiert wurde. Wie James Loeffler, der wissenschaftliche Direktor der Pro Hebraica Serie erklärt, wagte Kissin den Sprung ins kalte Wasser, in ein Repertoire, das ihm größtenteils ebenso unbekannt wie dem Publikum war.
         
“Mit Ausnahme von Bloch kannte Kisin nicht die russisch-jüdischen Komponisten aus dem 20. Jahrhundert. Erst nach einer eingehenden Prüfung von etwa fünfzig Partituren, die wir ihm zum durchsehen und Spielen schickten, hat er seine Konzertauswahl getroffen. Es handelte sich dabei um Stücke, bei denen er nicht das Gefühl hatte, einen Kompromiss hinsichtlich ihrer musikalischen Vitalität eingehen zu müssen; er wollte nie einfach Musik nur deshalb spielen, weil diese jüdisch war.”

Die endgültige Auswahl von Werken von Komponisten wie Moshe Milner, Ernest Bloch, Alexander Veprik und Alexander Krein ließ keinen Zweifel am hohen Niveau von Kissins Auswahl. Indem er den Konzertsaal zu einem von Lebendigkeit erfüllten Raum machte, in der jüdische Kultur zelebriert wurde, nahm der Pianist das Publikum mit auf eine musikalische und dichterische Reise, die von Werken gekennzeichnet wurde, die seine eigene, persönliche Art der Kennzeichnung jüdischer Identität beleuchten.

Moshe Milners dramatisches Farn Opsheyd (Vor dem Sich-Trennen) eröffnete das Abendprogramm. Vom Schöpfer der ersten jiddischen Oper im postrevolutionären Russland mit dem Titel Die Himlen brenen (Der Himmel brennt, 1923) komponiert, hat dieses Werk einen unwiderstehlichen modernistischen, seelenvollen Reiz. Milner war sehr von Scriabin angeregt worden und Farn Opsheyd beschwört eine ähnliche Klangwelt. Im letzten Jahr wählte Kissin Farn Opsheyd als musikalisches Segment einer Veranstaltung am New Yorker Zentrum für jiddische Geschichte, welches sein Engagemenet für jüdische Kultur und Dichtung, ehrte. “Bei jiddischer Kultur handelt es sich um einen wahren Schatz, nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die ganze Menschheit” kommentierte er damals.   Foto:Margot Schulman

Die Sonate Nr. 40 des schweizerisch-amerikanischen Komponisten Ernest Bloch stand als nächstes auf dem Programm. Im Jahre 1935 geschrieben, hatte Bloch die Sonate dem italienischen Pianisten Guido Agosti gewidmet, der dieses Werk 1936 in Genf uraufführte.
Blochs Werk zeugt von eher thematisch- intellektuellen und indirekt fühlbarer Beziehung zu seinem Judentum. Den ersten Satz seiner Sonata, beschreibt der Komponist als einen von obskurem und metallischem Charkater, ohne eine Spur von Sentimentalität zu hinterlassen.” Der mittlere Satz  “Pastorale” basiert auf einer volksliedartigen Melodie, welche verschiedene Metamorphosen durchläuft, hindurch durch Arpeggio Verse und konventionelle Triller, die die idyllische Stimmung des Satzes zu begründen helfen; das Finale”…wie die große Hinterfragung des Lebens und der Zukunft, die sich im Unbekannten verliert.”

Blochs lebenslanges Bestreben, seine ästhetische Ideen und seinen spirituellen-kulturellen jüdischen Hintergrund in Verbindung zu bringen, werden in solchen Werken wie seinem Baal Shem Suite aus dem Jahre 1923 offensichtlich, viele tragen hebräische Namen und beinhalten den historischen Begriff vom Judentum und des jüdischen Altertums.

Kissin eröffnete die zweite Hälfte des Konzerts mit Alexander Vepriks Sonate Nr.2, Op.5, die 1924 komponiert worden war. Als einer der größten Komponisten der “jüdischen Schule” betrachtet, gehörte der in der Ukraine geborene Veprik einer Gruppe von Komponisten an, die im Jahre 1923 die Moskauer Gesellschaft für jüdische Musik gründeten. Diese erwuchs aus der Gesellschaft für jüdische Volksmusik, die im Jahre 1908 von einer Gruppe junger Musiker am Konservatorium in St. Petersburg gegründet worden war und von dem prominenten russischen Komponisten Nikolai Rimsky-Korsakov gefördert wurde. Das erneute Interesse an jüdischer Kultur führte durch die Zwanziger Jahre hindurch zu einem nie zuvor dargewesenen Aufblühen der Künste. Zu dieser Zeit erfreute sich Vepriks Oeuvre auch in Europa und den Vereinigten Staaten großer Beliebtheit. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielte fast das gesamte Oeuvre in der Zeit zwischen 1928-1929; in New York dirigierte Arturo Toscanini Vepriks Dances and Songs of the Ghetto im Jahre 1933 in der Carnegie Hall.
         
Während sowohl Vepriks als auch Milners Werke nur subtil nuancierte Intonationen, die an jüdische Volksmelodien erinnern, aufzeigen, ist Alexander Kreins Suite Dansee voll von jüdischen Elementen und bietet so einen sehr persönlich zugeschnittenen Einblick in ein Mileu, das Gefahr läuft, aus der Erinnerung zu verschwinden.

Zu einer Zeit, als zunehmender politischer Druck viele Künstler dazu brachte, Kompromisse hinsichtlich ihres persönlichen Stils einzugehen, holt Suite Dansee seine Anregung aus der modernen, harmonischen Sprache von Komponisten wie Debussy, Ravel und Scriabin. Einige von Kreins wichtigsten Werken basieren auf jüdischen und liturgischen Melodien, wie seine symphonische Kantate Kaddish, beziehen sich auf die frühen Zwanziger Jahre; er setzte bis hin in die Mitte der Vierziger Jahre seine Neudefinition der Melodien fort, die jüdischen Ursprung hatten.

Zwischen seiner Musikauswahl stellte Kissin eine Auswahl von Gedichten von Hayim Nahman Bialik und Yithak Leibush Peretz vor und bot so dem Publikum die einzigartige Gelegenheit, etwas über seine tiefgreifende Zuneigung an dem kulturellen Erbe, dem er sich verpflichtet fühlt, zu erfahren. Indem er die ergreifenden und oft psychologisch tiefgehenden, poetischen Verse rezitierte, verwöhnte Kissin sein Publikum mit dem rythmischen Trubel der tadellos ausgesprochenen jiddischen Verse und sein engelhafter Ausdruck hinterließ das Publikum mit einem fast jenseitigen Gefühl. Man musste nicht seine Phantasie zu sehr bemühen, um sich Kissin als kleinen Jungen vorzustellen, der Zeit in der Datshka seiner jiddisch sprechenden Großeltern väterlicherseits am Rande Moskaus verbrachte. Hier war es, wo er die Liebe zur jiddischen Sprache übernahm, und hinsichtlich derer er sich viele Jahre später entschloss, diese zu lernen, wie er mir einst beim Abendessen auf New Yorks ‘Upper West Side’ erzählte.
Und es war die Gewissheit der Gründer von Pro Musica Hebraica, dass “…jiddische Dichtung, die von der Bühne des Kennedy Centers rezitiert wurde, ein extrem einzigartiges und lohnendes Ereignis sein würde, die diesen speziellen Abend hat Wirklichkeit werden lassen.

Kissins erste öffentliche Rezitationen jiddischer Dichtung gehen auf das Jahr 2002 zurück, als Martin Engstroem vom Verbier Festival Kissin ersuchte, das Rezitieren von Dichtung in sein musikalisches Angebot einzubauen.  “Ich akzeptierte das unter der Bedingung, dass auch andere Musiker das tun. Zubin Mehta, Kiri Te Kanawa und Itamar Golan stimmten der Teilnahme an diesem Projekt zu. Unglücklicherweise wurde unmittelbar vor Beginn des Festivals Zubins Vater sehr krank und starb bald darauf, so dass es Mehta es unmöglich war, das Projekt weiterzuverfolgen. Und in der letzten Minute, nur wenige Tage vor ihrem Konzert, sagte Kiri Te Kanawa ab. Nur Itamar und ich blieben übrig. Ich war der erste, der ins Wasser sprang, “ erinnert sich Kissin. Aus seiner Liebe für jüdische Musik entsprang eine Aufnahme, die im Jahre 2010 veröffentlich wurde: ”On the Keys of Yiddish poetry”.
 
Wenn es also bei der Reihe hinsichtlich ihres Ziel darum geht, zu fragen, worin das Wesen jüdischer Musik besteht, und dann die Einzigartigkeit dieses Erbes über die Grenzen einfacher Etikettierung hinaus zu vermitteln, dann haben Kissins Darbietungen großartiger Werke jüdischer Musik und das Hinzufügen der vertraulichen Empfindung für die Welt jiddischer Dichtung dazu beigetragen, diesen Auftag weiter voranzubringen.
Foto:Margot Schulman

Monday, June 3, 2013

Alexander Fiterstein: Der Rundum-Klarinettist

Klarinettist Alexander Fiterstein
 
An einem beliebten New Yorker Treffpunkt, im Gespräch versunken mit dem sehr sympathischen Fiterstein, habe ich mehr über das KlarinettenRepertoire erfahren, als ich je wusste.
“Die Klarinette ist das letzte der Holzblas-Instrumente, die im Orchester aufgenommen wurden, erläutert der renommierte Klarinettist und Empfänger des ‘Avery Fisher Career Grant’ im Jahre 2009, der seitdem von der Presse in einzigartiger Einstimmigkeit hoch gelobt wird.
"Mozarts Klarinetten-Konzert K 622, das aus seiner späteren Schaffenszeit stammt, öffnet den Blick auf dieses Instrument innerhalb des klassischen Repertoires; vor diesem Stück kam die Klarinette in Mozarts intimeren Kammermusikwerken vor, wie dem Kegelstatt Trio K498 statt in seinen größeren Werken, wie einem Konzert. Mozart benutzt die Klarinette ebenfalls an prominenter Stelle in seinen Bläserserenaden, erklärt Fiterstein.
Ich wurde darauf hin neugierig, mehr über den historischen Hintergrund der Klarinette zu erfahren und begann es nachzulesen. Nach Angaben der Herausgeber von ‘Floricor Editions’, einem Verlagshaus, das sich auf Rohrblatt-Blasinstrument Repertoire spezialisiert, wurde die ungewöhnliche Kombination von Instrumenten des Trios, das üblicherweise für Violine, Cello und Klavier komponiert wurde, vielleicht von Mozarts Fable für das Instrument angeregt durch seinen Wiener Freund, den Klarinettisten Anton Stadler. Er war ein geübter und begabter Spieler von ‘Harmoniemusik’, einem Genre, das aus Arrangements für ein paar Oboen (oder Klarinetten), einem Fagott oder zweien und zwei Hörnerns bestand, die dafür geeignet waren, während stattlicher Abendessen und Jagdgesellschaften und ähnlichem zu unterhalten. Die modischste wurde die Partita, eine Suite bestehend aus drei bis acht
kurzen Sätzen, die von sehr bescheidenen Kompositionen bis zu den sechs Symphonien von J.C. Bach oder den Serenaden K.251-253 von Mozart reichen.”
Fiterstein spielt natürlich jegliche Klarinettenmusik. Carl Maria von Webers Klarinetten Konzert Nr.1, geschrieben im Jahre 1811, sticht innerhalb des Repertoire des Instruments als Juwel heraus. Es wurde von Heinrich Baermann, einem deutschen Virtuosen-Klarinettisten inspiriert, der großen Einfluss auf das romantische Klarinetten Repertoire hatte und dem dieses Stück gewidmet ist. Viele Komponisten, die zu dieser Zeit für die Klarinette schrieben, hatten ihn dabei im Sinn; zahlreiche Werke von Webern, Felix Mendelsohn und Giacomo Meyerbeer ragen unter den Stücken dieser Zeit hervor. Mendelssohns Konzertstücke (Concert Pieces), Opus. 113 und 114 wurden für Baermann und seinen Sohn, Carl geschrieben, um sie zusammenzuspielen.
“Es scheint, sobald ein Komponist die Klarinette verstanden hatte, konnten sie nicht mehr die Finger davon lassen” sagt Fiterstein begeistert; wie so oft scheint Musikgeschichte plötzlich sehr persönlich!
“Innerhalb der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts waren besonders Debussy, aber auch Messaien und Copland für die Klarinette besonders massgeblich und Jazz Einflüsse werden zunehmend sichtbar und es ist hier, wo unabhängig von der Klassischen Literatur die Jazz Improvisationen ihren Anfang nehmen,” erklärt Fiterstein.
Technisch gesehen, im Laufe des 19. Jahrhunderts, spaltete sich die Welt der Klarinette in einen deutschen /österreichischen und den französischen Sektor. Jede entwickelte sich mit einem unterschiedlichen Fingersatzsystem und einer unterschiedlichen Kombination von Verschluss und Ringpositionen. Der Körper des deutschen Instruments ist ein bißchen schlanker. Offenbar sind die Instrumente und die Spielmethoden so unterschiedlich, dass ein französischer Klarinettenspieler (was besagt ein jeglicher Klarinettenspieler außer den Deutschen und Österreichischen) nicht einfach eine deutsche/österreichische Klarinette nehmen und spielen kann.
Schon im Alter von acht Jahren war Fiterstein von diesem Instrument fasziniert, das nach seiner Auffassung das Vielseitigste und das dem Spieler auf Engste vebundenste ist: “Es gibt wie bei anderen Blasinstrumenten durch die eigene Atmung eine starke physische Beziehung zu dem Instrument. Alles passiert auf sehr direkte Weise. Die Klangvorstellung and dann die Übertragung durch das Atmen; man kann ein recht großes Klangvolumen erreichen, aber dieses kann auch super weich sein. Man muss jede Note verstehen und sehen, wie sie zu allem anderem in einem bestimmten Stück passt, um wirklich gut zu spielen,” erklärt Fiterstein.
Seine Expertise innerhalb der Breite des Klarinettenrepertoires ist unermesslich: Das Repertoire ist eigentlich viel größer als man denkt, ich kannte nicht die Hälfte dessen, was es gibt und die Stile und Stimmungen sind endlos variiert.”
Seine neue Aufnahme von Sean Hickeys Clarinet Concerto dem amerikanischen Komponisten zusammen mit dem Hickey Cello Konzert,
gespielt von Dmitry Kouzov, wurde gerade am 28. Mai vom Delos Label herausgegeben. In St. Petersburg mit der ‘St.Petersburger Staatssymphonie’ unter der Leitung von Vladimir Lande aufgenommen, markiert dieses Stück Fitersteins letzten Besuch ins zeitgenössische Gebiet, in dem er sich ebenso zuhause fühlt wie im Vergleich zum klassischen Repertoire:
"Es ist ein schönes und geistreiches Stück, das die lyrischen Qualitäten der Klarinette im Dialog mit der Violine herausstellt,” sagt Fiterstein über Hickeys Werk, als er dessen Erstaufnahme für ein ganzes Orchester beschreibt.
Die Veranstaltung war für Fiterstein das erste Konzert und die erste Aufnahme in Russland. Hickey und Fiterstein verbrachten recht viel freie Zeit zusammen, durchliefen als Touristen die Eremitage, waren beim Abendessen miteinander beisammen im eleganten Hotel Europa, das gegenüber der Strasse lag, an der ihr Konzert stattfand. Beide, Komponist und Solist, beschreiben ihre Erfahrung als extrem angenehm, trotz des Mangels ausreichender Beheizung im Melodyia Aufnahme Studio, dass sich in einer kleinen Kirche befindet; Fiterstein erinnert sich daran, dass einige der Musiker ihre Mäntel während des Spielens anbehielten.
Im Jahre 2001 gewann Fiterstein in Dänemark den Carl Nielsen Wettbewerb mit einer Aufführung von Carl Nielsens “Konzert für Klarinette und Orchester,” Opus. 57 und er spielte das Konzert erneut in der letzten Saison mit dem ‘St.Paul Chamber Orchestra’ unter der Leitung von von Thomas Dausgaard. Nächstes Jahr wird Fiterstein das Konzert mit Isaac Sterns Sohn, dem Dirigenten Michael Stern, zurückbringen, der mit dem ‘Iris Orchestra’ in Memphis, Tennessee spielen wird.
Diesen Sommer wird Fiterstein, der auch an der Universität Minnesota unterrichtet, einige Zeit mit dem Mozart Klarinetten-Quartetten beim Toronto Sommer Musik Festival verbringen und mit dem ‘Pacifica Quartet’ auftreten.

Fiterstein wuchs auf mit Musik, die von Beethoven bis zu Jazz und Klezmer reichte und wichtig war vorallem immer viel Freude beim Music machen. Als er die Klarinette zu spielen begann, wurde er oft von seinem Vater auf dem Akkordeon im Wohnzimmer der Familie zuhause in Israel begleitet. Später erlaubte ihm sein klassisches Training bei Juilliard und dem ‘Marlboro Chamber Music Festival’, das anfänglich durch eine AICF Sponsorship gefördert wurde, seine außerordentlich erfolgreiche Karriere in den USA und in Übersee zu verfolgen.
Im Jahre 2002 wurde Fiterstein mit der Musik von Iswaldo Goligov, dem jüdisch argentinischen Gastkomponisten beim ‘Marlboro Chamber Music Festival’, das Fiterstein besuchte, vertraut. Viele Jahre später griff Fiterstein sein “die Träume und Gebete von Isaak dem Blinden” auf, das unter einem starken Klezmer Einfluss geschrieben worden war und Fiterstein begann sich anderer jüdischer ethnischer Musik zu nähern, wo sich unterschiedliche Stile, wie in den zeitgenössichen ethnischen Kompositionen von Ronn Yedidia, zusammenfanden. Im Jahre 2011 nahm Fiterstein Werke von Yedidia mit dem Komponisten für das Naxos Label auf, was im März 2012 veröffentlicht wurde.
Die Musikszene der Neunziger Jahre, besonders in New York, hob die Klarinette innerhalb verschiedener parallel laufender Trends jüdischer künstlerischer Musik hervor. Komponisten, wie André Hajdu (gen. 1932), Osvaldo Golijov (geb. 1960), Robert Starer (1924–2002) und Ofer Ben-Amots (geb. 1955) experimentierten mit neuen Improvisationen, die vom Klezmer Stil inspiriert wurden.
Die Wurzeln dieser Werke gehen auf die sogenannte “St.Petersburger Schule” der Wende zum 20. Jahrhundert zurück, die zu einer Form jüdischen nationalen Hervortretens wurde, was vom Zionismus hervorgebracht wurde. Durch diese Bewegung zielten etliche Schüler des Komponisten Rimsky-Korsakov darauf ab, basierend auf traditioneller Klezmer-, Volks- und kantoraler Musik Materialien neue Ausdrucksmöglichkeiten ihrer jüdischen Identität zu finden.
Das Zimro Ensemble, ein im Jahr 1919 gegründetes Sextett, das aus Klarinette, Klavier und einem Streichquartett bestand, konzentrierte sich unter der Leitung seines Klarinettisten Simeon Bellison (1881–1953) auf diese Werke. Das Ziel von Zimro war es während einer europäischen Konzerttournee Gelder aufzutreiben, um ein Zentrum für jüdische Musik in Palästina zu etablieren. Eines der bekanntesten Werke, die für das Zimro Ensemble geschrieben wurden, ist Prokofjews Overtüre zu jüdischen Themen, Opus 34, die im Jahre 1919 vom Ensemble in Auftrag gegeben worden war.
Bellison, der später der erste Klarinettist des ‘New York Philharmonic’ wurde, schaffte es nie nach Palästina, stattdessen wurde er einer der einflußreichsten Klarinetten Größen in den Vereinigten Staaten. “Die meisten Klarinettisten seiner Zeit hatten irgendwas mit ihm zu tun” sagt Fiterstein und erzählt mir dennoch: “[Bellison] vergaß nie seinen Traum: er hinterliess seine gesamte Musiksammlung der Rubin Academie in Israel.” In Verbindung mit der Forschung, die dieses Material untersucht, wird Fiterstein an einem Konzert von Pro Musica Hebraica, teilnehmen: “Die Idee ist es, jüdische Erfahrung, jüdisches Gefühl und jüdische Geschichte, die jüdische Seele, wenn man so will hervorzubringen, ausgedrückt durch klassische Musik,” sagt Charles Krauthammer, Mitbegründer von Pro Musica Hebraica, einer Organisation, die im Jahre 2004 gegründet wurde. In Verbindung mit dem Kennedy Center in Washington wird Pro Musica Hebraica vernachlässigte Werke jüdischer Komponisten in die Konzerthalle bringen.
Im Dezember diesen Jahres wird Fiterstein zusammen mit dem The Zimro Project aufreten, einer Kammermusikgruppe, die er am Kennedy Center in Washington gründete. Das Konzert wird russisch-jüdische Kammermusik vorstellen, von der einige Werke seit mehr als 100 Jahren nicht in der Öffentlichkeit gespielt worden sind.
Auch zum mitbeteiligten künstlerischen Direktor des neuen Sedona Winter Musikfestes ernannt, das im Januar in Carefree, Arizona stattfindet, werden New Yorker die Gelegenheit haben, Fiterstein im April nach seiner Rückkehr nach New York, mit der Chamber Music Society of Lincoln Center zu hören.
Ilona Oltuski-getclassical.org