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Sunday, April 18, 2010

Simone Dinnerstein












Ich bewundere Simone Dinnerstein schon sehr lange und bereits vor unserem ersten Mal aufeinandertreffen.Bereits 2000 hatte ich sie beim Schumann-Konzertwettbewerb an der Juilliard School gehört, und obwohl Jeremy Denk, der gegen sie angetreten war, den Wettbewerb gewann und mit dem Juilliard-Orchester spielen durfte, war ich sehr von ihrem Spiel beeindruckt und so fing ich an, mich für die junge Pianistin zu interessieren. Ich war dann auch keineswegs überrascht, als ich Jahre später erfuhr, dass ihre Konzertaufnahmen, die nach ihren Auftritten mit Bachs Goldberg-Variationen im März 2005 und ihrem Debut in der Weill Recital Hall der Carnegie Hall im November 2005 entstanden waren, äußerst erfolgreich waren. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mich mit Simone Dinnerstein zu unterhalten. Wir trafen uns bei “Sweet Melissa”, einem kleinen Brooklyner Restaurant in der Nähe der Schule ihres Sohnes.Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mich mit Simone Dinnerstein zu unterhalten. Wir trafen uns bei “Sweet Melissa”, einem kleinen Brooklyner Restaurant in der Nähe der Schule ihres Sohnes.
“Meine Karriere war weniger geplant als dass sie einfach passierte”, erzählte sie mir. "Die Goldberg-Variationen waren ein grosses Project. Ich musste nicht nur mit Hilfe meiner Freunde das Geld für die Aufzeichnung beschaffen, sondern ich musste auch einen Produzenten finden, und dann ein Tonstudio. Motiviert hat mich die Tatsache, dass ich mit den Goldberg-Variationen bereits über mehrere Jahre hinweg öffentlich aufgetreten war. Ich fühlte, dass ich einen individuellen Beitrag leisten konnte, und wollte das auch dokumentieren. Ich hatte zu der Zeit keine Ahnung, wohin mich das alles führen würde.” Sie fährt fort: “Ich wusste nicht, ob sich ein Label finden liesse. Dann bearbeitete Adam Abeshouse die Goldberg-Arie und die ersten fünf Variationen, und stellte die Aufzeichnung ein paar Leuten in der Musikindustrie vor. Plötzlich wollte man mit mir reden. Wo immer es schwierig gewesen war, meinen Fuss in die Tür zu bekommen, wollte man mich nun ‘live’ hören.”Ein ihr bis dahin unbekannter Musikliebhaber aus Israel war bereit, ihr erstes Konzert zu sponsern, und dann lernte Dinnerstein Tanja Dorn von IMG Artists kennen, die später ihre Agentin werde sollte. Ihre Karriere nahm ihren eigenen unverhofften Verlauf. Trotzdem: Dinnerstein bleibt mit beiden Beinen fest auf der Erde. Auf die Frage, wie sie mit der Tatsache klarkommt, als Ehefrau und Mutter gleichzeitig den Anforderungen einer sich rapide entwickelnden Karrriere genügen zu müssen, sagt sie mir: “Ich werde immer nach meinem Sohn gefragt. Für meine männlichen Kollegen scheint diese Frage weit weniger Gewicht zu haben, obwohl es unter ihnen viele Väter gibt, die sich ganz bewusst dafür entschieden haben, in ihrer Karriere kürzer zu treten, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Diese Situation scheint für Frauen immer noch konfliktreicher zu sein.Und sie fügt hinzu: “Natürlich ist es sehr wichtig für mich, mit meiner Familie zusammen zu sein. Was meine Abwesenheit von zu Hause betrifft, versucht mein Manager, auf mich einzugehen. Ich bin nie länger als zwei Wochen unterwegs. Ich versuche ausserdem, meine Zeit genau einzuteilen, in Zeit für meine Privatsphäre mit meinem Mann und Sohn, und in Zeit für Proben und Konzerte. Das Schwierigste ist, immer da voll präsent und fokussiert zu sein, wo man gerade ist. Es ist leicht, sich ablenken zu lassen, und obwohl wir Frauen angeblich gut im ‘Multitasking’ sind, ist es eine ständige Herausforderung, die richtige Balance zu finden.”

Dinnerstein spricht über die verschiedenen Methoden, die sie ausprobiert hat, um für die Bewältigung ihrer täglichen Anforderungen Hilfe zu finden – Yoga und Meditation zum Beispiel. Aber sie räumt ein, dass es “letztendlich immer darauf ankommt, wie man mit dem psychologischen Druck umgeht, und dass man notwendigerweise effektiv delegiert.”
Es sei sehr hilfreich, dass ihr Mann Lehrer an der Schule ihres Sohnes ist, meint sie, und dass sie sich so wenigstens keine Sorgen darum machen muss, wie ihr Sohn in die Schule kommt, wenn sie auf Reisen ist. “Trotzdem muss ich erst einmal loslassen, und das ist nicht immer einfach. Es ist immer ein Kompromiss.”
Ihre ausgeprägte Persönlichkeit und ihr Realitätssinn machen Simone Dinnersteins ausgesprochen bodenständigen Charakter aus. Und genau so möchte sie auch gesehen werden. Ihre eher zurückhaltende Art zeigt sich auch bei ihren Auftritten. “Ich kleide mich gern leger für meine Konzerte”, meint sie. “Dramatische Abendkleider finde ich etwas antiquiert.”
Bei ihrem Debut in der Avery Fisher Hall am 7. Juli diesen Jahres trug sie eine schwarze Hose und eine ärmellose violette Bluse. Ihre bescheidene Gardarobe und ihr freundliches Auftreten taten jedoch der Intensität ihrer Darbietung, die sie sämtliche musikalische Gesten auskosten liess ohne je überdramatisch zu wirken, keinerlei Abbruch.

Meine Londoner Lehrerin, die Schnabel-Schülerin Maria Curcio, mit der ich eine kurze Zeit arbeitete, war sehr ‘körperbetont’, und hat auch Aspekte der Alexander-Technik in ihren Unterricht integriert”, erklärt mir Dinnerstein. “Ich bin sehr entspannt am Klavier; ich fühle meinen Körper, wenn ich spiele.”“Es muss eine totale Verbindung zwischen Technik und Musik geben”, sagt sie. Im heutigen Konservatorium liegt der Schwerpunkt auf Technik als Fazilität. Manche Studenten entwickeln sich erfolgreich mit dieser Methode; meine Stärke war das nie. Für mich muss der musikalische Ausdruck die treibende Kraft hinter der technischen Finesse der Aufführung sein.” Vielleicht ist es das, was den Guardian dazu bewegte, Dinnerstein als ‘wirkliche Musikerin’ zu bezeichnen, und nicht nur als Pianistin.Gibt es Dinge, die sie bezüglich ihrer Karriere bedauert? “Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich etwas länger bei Maria Curcio geblieben oder früher zu ihr gegangen wäre. Aber was immer geschieht, geschieht aus gutem Grund. In vielerlei Hinsicht bin ich eher eine Spätentwicklerin. Ich habe mich langsam zu mir selbst hin entwickelt.” Und genau das vermittelt Dinnerstein bei ihren Auftritten.Als eine ihrer wichtigsten Erfahrungen an der Juilliard School nennt sie die Begeisterung, mit der sie bei Peter Serkin studiert hat, und auch ihre Auftritte mit dem ‘New Juilliard Ensemble’ und ‘Focus’, was wiederum zu einer wunderbaren Zusammenarbeit mit dem Cellisten Zuill Bailey führte. Die gemeinsame Aufnahme von “Beethoven: Complete Works for Piano and Cello” ist 2009 bei Telarc erschienen.
Ihre unvergesslichsten Aufführungen? “Wenn das Publikum anerkennend, und nicht übersättigt reagiert”, sagt sie. “Manchmal ist es überraschend, wo das passiert. Ich komme gerade von einer Aufführung im Wiener Konzerthaus, und hatte erwartet, dass das Publikum dort sehr viel steifer ist. Zu meinem Erstaunen waren die Zuhörer auf sehr persönliche Weise engagiert. Während ich spielte, herrschte konzentrierteste Stille, und dann gab es enthusiastischen Beifall.Sie erwähnt auch ein Konzert, das sie kürzlich in einem Frauengefängnis in Baltimore gegeben hatte, und spricht darüber, wie dankbar das Publikum war, und wie dessen Aufmerksamkeit ihren Auftritt so viel bedeutsamer für sie gemacht hatte. “Es beruht eben alles auf Gegenseitigkeit”, sagt sie.Wenn sie nicht auf Konzerttournee ist, kann es sein, dass man Simone Dinnerstein und ihre Musikerfreunde an der Schule ihrer Nachbarschaft antrifft. Sie möchte dem Problem schwindender Zuhörer, vor allem unter jungen Leuten, etwas entgegensetzen, und sie möchte Menschen zusammen bringen. Zur Zeit arbeitet sie daran, ihr Konzept auf weitere städtische Schulen auszuweiten. “Ich geniesse es, wenn Musiker auf Augenhöhe mit ihrem Publikum sind. Das macht Auftritte viel natürlicher”, sagt sie. “In meiner Nachbarschaft gibt es viele Leute, die nie zu einem Konzert gehen, sei es, weil sie keinen Babysitter haben, oder weil die Anfahrt zu lang ist - was immer das Problem sein mag. Hier können sie ihre Kinder mitbringen, und die wachsen dann mit klassischer Musik auf.”Und abschliessend meint sie: “Musik sollte fester Bestandteil einer jeden Gemeinschaft werden.”Man kann ihr da nur zustimmen. Wohltemperiert aus New York verbleibe ich herzlichst : Ilona
Ich bewundere Simone Dinnerstein schon sehr lange und bereits vor unserem ersten Mal aufeinandertreffen.Bereits 2000 hatte ich sie beim Schumann-Konzertwettbewerb an der Juilliard School gehört, und obwohl Jeremy Denk, der gegen sie angetreten war, den Wettbewerb gewann und mit dem Juilliard-Orchester spielen durfte, war ich sehr von ihrem Spiel beeindruckt und so fing ich an, mich für die junge Pianistin zu interessieren. Ich war dann auch keineswegs überrascht, als ich Jahre später erfuhr, dass ihre Konzertaufnahmen, die nach ihren Auftritten mit Bachs Goldberg-Variationen im März 2005 und ihrem Debut in der Weill Recital Hall der Carnegie Hall im November 2005 entstanden waren, äußerst erfolgreich waren. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mich mit Simone Dinnerstein zu unterhalten. Wir trafen uns bei “Sweet Melissa”, einem kleinen Brooklyner Restaurant in der Nähe der Schule ihres Sohnes.Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mich mit Simone Dinnerstein zu unterhalten. Wir trafen uns bei “Sweet Melissa”, einem kleinen Brooklyner Restaurant in der Nähe der Schule ihres Sohnes.
“Meine Karriere war weniger geplant als dass sie einfach passierte”, erzählte sie mir. "Die Goldberg-Variationen waren ein grosses Project. Ich musste nicht nur mit Hilfe meiner Freunde das Geld für die Aufzeichnung beschaffen, sondern ich musste auch einen Produzenten finden, und dann ein Tonstudio. Motiviert hat mich die Tatsache, dass ich mit den Goldberg-Variationen bereits über mehrere Jahre hinweg öffentlich aufgetreten war. Ich fühlte, dass ich einen individuellen Beitrag leisten konnte, und wollte das auch dokumentieren. Ich hatte zu der Zeit keine Ahnung, wohin mich das alles führen würde.” Sie fährt fort: “Ich wusste nicht, ob sich ein Label finden liesse. Dann bearbeitete Adam Abeshouse die Goldberg-Arie und die ersten fünf Variationen, und stellte die Aufzeichnung ein paar Leuten in der Musikindustrie vor. Plötzlich wollte man mit mir reden. Wo immer es schwierig gewesen war, meinen Fuss in die Tür zu bekommen, wollte man mich nun ‘live’ hören.”Ein ihr bis dahin unbekannter Musikliebhaber aus Israel war bereit, ihr erstes Konzert zu sponsern, und dann lernte Dinnerstein Tanja Dorn von IMG Artists kennen, die später ihre Agentin werde sollte. Ihre Karriere nahm ihren eigenen unverhofften Verlauf. Trotzdem: Dinnerstein bleibt mit beiden Beinen fest auf der Erde. Auf die Frage, wie sie mit der Tatsache klarkommt, als Ehefrau und Mutter gleichzeitig den Anforderungen einer sich rapide entwickelnden Karrriere genügen zu müssen, sagt sie mir: “Ich werde immer nach meinem Sohn gefragt. Für meine männlichen Kollegen scheint diese Frage weit weniger Gewicht zu haben, obwohl es unter ihnen viele Väter gibt, die sich ganz bewusst dafür entschieden haben, in ihrer Karriere kürzer zu treten, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Diese Situation scheint für Frauen immer noch konfliktreicher zu sein.Und sie fügt hinzu: “Natürlich ist es sehr wichtig für mich, mit meiner Familie zusammen zu sein. Was meine Abwesenheit von zu Hause betrifft, versucht mein Manager, auf mich einzugehen. Ich bin nie länger als zwei Wochen unterwegs. Ich versuche ausserdem, meine Zeit genau einzuteilen, in Zeit für meine Privatsphäre mit meinem Mann und Sohn, und in Zeit für Proben und Konzerte. Das Schwierigste ist, immer da voll präsent und fokussiert zu sein, wo man gerade ist. Es ist leicht, sich ablenken zu lassen, und obwohl wir Frauen angeblich gut im ‘Multitasking’ sind, ist es eine ständige Herausforderung, die richtige Balance zu finden.”

Dinnerstein spricht über die verschiedenen Methoden, die sie ausprobiert hat, um für die Bewältigung ihrer täglichen Anforderungen Hilfe zu finden – Yoga und Meditation zum Beispiel. Aber sie räumt ein, dass es “letztendlich immer darauf ankommt, wie man mit dem psychologischen Druck umgeht, und dass man notwendigerweise effektiv delegiert.”
Es sei sehr hilfreich, dass ihr Mann Lehrer an der Schule ihres Sohnes ist, meint sie, und dass sie sich so wenigstens keine Sorgen darum machen muss, wie ihr Sohn in die Schule kommt, wenn sie auf Reisen ist. “Trotzdem muss ich erst einmal loslassen, und das ist nicht immer einfach. Es ist immer ein Kompromiss.”
Ihre ausgeprägte Persönlichkeit und ihr Realitätssinn machen Simone Dinnersteins ausgesprochen bodenständigen Charakter aus. Und genau so möchte sie auch gesehen werden. Ihre eher zurückhaltende Art zeigt sich auch bei ihren Auftritten. “Ich kleide mich gern leger für meine Konzerte”, meint sie. “Dramatische Abendkleider finde ich etwas antiquiert.”
Bei ihrem Debut in der Avery Fisher Hall am 7. Juli diesen Jahres trug sie eine schwarze Hose und eine ärmellose violette Bluse. Ihre bescheidene Gardarobe und ihr freundliches Auftreten taten jedoch der Intensität ihrer Darbietung, die sie sämtliche musikalische Gesten auskosten liess ohne je überdramatisch zu wirken, keinerlei Abbruch.

Meine Londoner Lehrerin, die Schnabel-Schülerin Maria Curcio, mit der ich eine kurze Zeit arbeitete, war sehr ‘körperbetont’, und hat auch Aspekte der Alexander-Technik in ihren Unterricht integriert”, erklärt mir Dinnerstein. “Ich bin sehr entspannt am Klavier; ich fühle meinen Körper, wenn ich spiele.”“Es muss eine totale Verbindung zwischen Technik und Musik geben”, sagt sie. Im heutigen Konservatorium liegt der Schwerpunkt auf Technik als Fazilität. Manche Studenten entwickeln sich erfolgreich mit dieser Methode; meine Stärke war das nie. Für mich muss der musikalische Ausdruck die treibende Kraft hinter der technischen Finesse der Aufführung sein.” Vielleicht ist es das, was den Guardian dazu bewegte, Dinnerstein als ‘wirkliche Musikerin’ zu bezeichnen, und nicht nur als Pianistin.Gibt es Dinge, die sie bezüglich ihrer Karriere bedauert? “Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich etwas länger bei Maria Curcio geblieben oder früher zu ihr gegangen wäre. Aber was immer geschieht, geschieht aus gutem Grund. In vielerlei Hinsicht bin ich eher eine Spätentwicklerin. Ich habe mich langsam zu mir selbst hin entwickelt.” Und genau das vermittelt Dinnerstein bei ihren Auftritten.Als eine ihrer wichtigsten Erfahrungen an der Juilliard School nennt sie die Begeisterung, mit der sie bei Peter Serkin studiert hat, und auch ihre Auftritte mit dem ‘New Juilliard Ensemble’ und ‘Focus’, was wiederum zu einer wunderbaren Zusammenarbeit mit dem Cellisten Zuill Bailey führte. Die gemeinsame Aufnahme von “Beethoven: Complete Works for Piano and Cello” ist 2009 bei Telarc erschienen.
Ihre unvergesslichsten Aufführungen? “Wenn das Publikum anerkennend, und nicht übersättigt reagiert”, sagt sie. “Manchmal ist es überraschend, wo das passiert. Ich komme gerade von einer Aufführung im Wiener Konzerthaus, und hatte erwartet, dass das Publikum dort sehr viel steifer ist. Zu meinem Erstaunen waren die Zuhörer auf sehr persönliche Weise engagiert. Während ich spielte, herrschte konzentrierteste Stille, und dann gab es enthusiastischen Beifall.Sie erwähnt auch ein Konzert, das sie kürzlich in einem Frauengefängnis in Baltimore gegeben hatte, und spricht darüber, wie dankbar das Publikum war, und wie dessen Aufmerksamkeit ihren Auftritt so viel bedeutsamer für sie gemacht hatte. “Es beruht eben alles auf Gegenseitigkeit”, sagt sie.Wenn sie nicht auf Konzerttournee ist, kann es sein, dass man Simone Dinnerstein und ihre Musikerfreunde an der Schule ihrer Nachbarschaft antrifft. Sie möchte dem Problem schwindender Zuhörer, vor allem unter jungen Leuten, etwas entgegensetzen, und sie möchte Menschen zusammen bringen. Zur Zeit arbeitet sie daran, ihr Konzept auf weitere städtische Schulen auszuweiten. “Ich geniesse es, wenn Musiker auf Augenhöhe mit ihrem Publikum sind. Das macht Auftritte viel natürlicher”, sagt sie. “In meiner Nachbarschaft gibt es viele Leute, die nie zu einem Konzert gehen, sei es, weil sie keinen Babysitter haben, oder weil die Anfahrt zu lang ist - was immer das Problem sein mag. Hier können sie ihre Kinder mitbringen, und die wachsen dann mit klassischer Musik auf.”Und abschliessend meint sie: “Musik sollte fester Bestandteil einer jeden Gemeinschaft werden.”Man kann ihr da nur zustimmen. Wohltemperiert aus New York verbleibe ich herzlichst : Ilona
Ich bewundere Simone Dinnerstein schon sehr lange und bereits vor unserem ersten Mal aufeinandertreffen.Bereits 2000 hatte ich sie beim Schumann-Konzertwettbewerb an der Juilliard School gehört, und obwohl Jeremy Denk, der gegen sie angetreten war, den Wettbewerb gewann und mit dem Juilliard-Orchester spielen durfte, war ich sehr von ihrem Spiel beeindruckt und so fing ich an, mich für die junge Pianistin zu interessieren. Ich war dann auch keineswegs überrascht, als ich Jahre später erfuhr, dass ihre Konzertaufnahmen, die nach ihren Auftritten mit Bachs Goldberg-Variationen im März 2005 und ihrem Debut in der Weill Recital Hall der Carnegie Hall im November 2005 entstanden waren, äußerst erfolgreich waren. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mich mit Simone Dinnerstein zu unterhalten. Wir trafen uns bei “Sweet Melissa”, einem kleinen Brooklyner Restaurant in der Nähe der Schule ihres Sohnes.Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mich mit Simone Dinnerstein zu unterhalten. Wir trafen uns bei “Sweet Melissa”, einem kleinen Brooklyner Restaurant in der Nähe der Schule ihres Sohnes.
“Meine Karriere war weniger geplant als dass sie einfach passierte”, erzählte sie mir. "Die Goldberg-Variationen waren ein grosses Project. Ich musste nicht nur mit Hilfe meiner Freunde das Geld für die Aufzeichnung beschaffen, sondern ich musste auch einen Produzenten finden, und dann ein Tonstudio. Motiviert hat mich die Tatsache, dass ich mit den Goldberg-Variationen bereits über mehrere Jahre hinweg öffentlich aufgetreten war. Ich fühlte, dass ich einen individuellen Beitrag leisten konnte, und wollte das auch dokumentieren. Ich hatte zu der Zeit keine Ahnung, wohin mich das alles führen würde.” Sie fährt fort: “Ich wusste nicht, ob sich ein Label finden liesse. Dann bearbeitete Adam Abeshouse die Goldberg-Arie und die ersten fünf Variationen, und stellte die Aufzeichnung ein paar Leuten in der Musikindustrie vor. Plötzlich wollte man mit mir reden. Wo immer es schwierig gewesen war, meinen Fuss in die Tür zu bekommen, wollte man mich nun ‘live’ hören.”Ein ihr bis dahin unbekannter Musikliebhaber aus Israel war bereit, ihr erstes Konzert zu sponsern, und dann lernte Dinnerstein Tanja Dorn von IMG Artists kennen, die später ihre Agentin werde sollte. Ihre Karriere nahm ihren eigenen unverhofften Verlauf. Trotzdem: Dinnerstein bleibt mit beiden Beinen fest auf der Erde. Auf die Frage, wie sie mit der Tatsache klarkommt, als Ehefrau und Mutter gleichzeitig den Anforderungen einer sich rapide entwickelnden Karrriere genügen zu müssen, sagt sie mir: “Ich werde immer nach meinem Sohn gefragt. Für meine männlichen Kollegen scheint diese Frage weit weniger Gewicht zu haben, obwohl es unter ihnen viele Väter gibt, die sich ganz bewusst dafür entschieden haben, in ihrer Karriere kürzer zu treten, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Diese Situation scheint für Frauen immer noch konfliktreicher zu sein.Und sie fügt hinzu: “Natürlich ist es sehr wichtig für mich, mit meiner Familie zusammen zu sein. Was meine Abwesenheit von zu Hause betrifft, versucht mein Manager, auf mich einzugehen. Ich bin nie länger als zwei Wochen unterwegs. Ich versuche ausserdem, meine Zeit genau einzuteilen, in Zeit für meine Privatsphäre mit meinem Mann und Sohn, und in Zeit für Proben und Konzerte. Das Schwierigste ist, immer da voll präsent und fokussiert zu sein, wo man gerade ist. Es ist leicht, sich ablenken zu lassen, und obwohl wir Frauen angeblich gut im ‘Multitasking’ sind, ist es eine ständige Herausforderung, die richtige Balance zu finden.”

Dinnerstein spricht über die verschiedenen Methoden, die sie ausprobiert hat, um für die Bewältigung ihrer täglichen Anforderungen Hilfe zu finden – Yoga und Meditation zum Beispiel. Aber sie räumt ein, dass es “letztendlich immer darauf ankommt, wie man mit dem psychologischen Druck umgeht, und dass man notwendigerweise effektiv delegiert.”
Es sei sehr hilfreich, dass ihr Mann Lehrer an der Schule ihres Sohnes ist, meint sie, und dass sie sich so wenigstens keine Sorgen darum machen muss, wie ihr Sohn in die Schule kommt, wenn sie auf Reisen ist. “Trotzdem muss ich erst einmal loslassen, und das ist nicht immer einfach. Es ist immer ein Kompromiss.”
Ihre ausgeprägte Persönlichkeit und ihr Realitätssinn machen Simone Dinnersteins ausgesprochen bodenständigen Charakter aus. Und genau so möchte sie auch gesehen werden. Ihre eher zurückhaltende Art zeigt sich auch bei ihren Auftritten. “Ich kleide mich gern leger für meine Konzerte”, meint sie. “Dramatische Abendkleider finde ich etwas antiquiert.”
Bei ihrem Debut in der Avery Fisher Hall am 7. Juli diesen Jahres trug sie eine schwarze Hose und eine ärmellose violette Bluse. Ihre bescheidene Gardarobe und ihr freundliches Auftreten taten jedoch der Intensität ihrer Darbietung, die sie sämtliche musikalische Gesten auskosten liess ohne je überdramatisch zu wirken, keinerlei Abbruch.

Meine Londoner Lehrerin, die Schnabel-Schülerin Maria Curcio, mit der ich eine kurze Zeit arbeitete, war sehr ‘körperbetont’, und hat auch Aspekte der Alexander-Technik in ihren Unterricht integriert”, erklärt mir Dinnerstein. “Ich bin sehr entspannt am Klavier; ich fühle meinen Körper, wenn ich spiele.”“Es muss eine totale Verbindung zwischen Technik und Musik geben”, sagt sie. Im heutigen Konservatorium liegt der Schwerpunkt auf Technik als Fazilität. Manche Studenten entwickeln sich erfolgreich mit dieser Methode; meine Stärke war das nie. Für mich muss der musikalische Ausdruck die treibende Kraft hinter der technischen Finesse der Aufführung sein.” Vielleicht ist es das, was den Guardian dazu bewegte, Dinnerstein als ‘wirkliche Musikerin’ zu bezeichnen, und nicht nur als Pianistin.Gibt es Dinge, die sie bezüglich ihrer Karriere bedauert? “Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich etwas länger bei Maria Curcio geblieben oder früher zu ihr gegangen wäre. Aber was immer geschieht, geschieht aus gutem Grund. In vielerlei Hinsicht bin ich eher eine Spätentwicklerin. Ich habe mich langsam zu mir selbst hin entwickelt.” Und genau das vermittelt Dinnerstein bei ihren Auftritten.Als eine ihrer wichtigsten Erfahrungen an der Juilliard School nennt sie die Begeisterung, mit der sie bei Peter Serkin studiert hat, und auch ihre Auftritte mit dem ‘New Juilliard Ensemble’ und ‘Focus’, was wiederum zu einer wunderbaren Zusammenarbeit mit dem Cellisten Zuill Bailey führte. Die gemeinsame Aufnahme von “Beethoven: Complete Works for Piano and Cello” ist 2009 bei Telarc erschienen.
Ihre unvergesslichsten Aufführungen? “Wenn das Publikum anerkennend, und nicht übersättigt reagiert”, sagt sie. “Manchmal ist es überraschend, wo das passiert. Ich komme gerade von einer Aufführung im Wiener Konzerthaus, und hatte erwartet, dass das Publikum dort sehr viel steifer ist. Zu meinem Erstaunen waren die Zuhörer auf sehr persönliche Weise engagiert. Während ich spielte, herrschte konzentrierteste Stille, und dann gab es enthusiastischen Beifall.Sie erwähnt auch ein Konzert, das sie kürzlich in einem Frauengefängnis in Baltimore gegeben hatte, und spricht darüber, wie dankbar das Publikum war, und wie dessen Aufmerksamkeit ihren Auftritt so viel bedeutsamer für sie gemacht hatte. “Es beruht eben alles auf Gegenseitigkeit”, sagt sie.Wenn sie nicht auf Konzerttournee ist, kann es sein, dass man Simone Dinnerstein und ihre Musikerfreunde an der Schule ihrer Nachbarschaft antrifft. Sie möchte dem Problem schwindender Zuhörer, vor allem unter jungen Leuten, etwas entgegensetzen, und sie möchte Menschen zusammen bringen. Zur Zeit arbeitet sie daran, ihr Konzept auf weitere städtische Schulen auszuweiten. “Ich geniesse es, wenn Musiker auf Augenhöhe mit ihrem Publikum sind. Das macht Auftritte viel natürlicher”, sagt sie. “In meiner Nachbarschaft gibt es viele Leute, die nie zu einem Konzert gehen, sei es, weil sie keinen Babysitter haben, oder weil die Anfahrt zu lang ist - was immer das Problem sein mag. Hier können sie ihre Kinder mitbringen, und die wachsen dann mit klassischer Musik auf.”Und abschliessend meint sie: “Musik sollte fester Bestandteil einer jeden Gemeinschaft werden.”Man kann ihr da nur zustimmen. Wohltemperiert aus New York verbleibe ich herzlichst : Ilona

Saturday, November 14, 2009

Downtown New York und die neue klassische Musikszene



(le)Poisson Rouge




Neue Veranstaltungsorte öffnen ihre Türen für die klassische Musik. In letzter Zeit kann man starke Veränderungen in der Wahl der Aufführungsorte für klassische Musik beobachten. Mag sein, dass die Wirtschaftslage den New Yorker Immobilienmarkt negativ beeinflusst, für die klassische Musikszene gilt nach wie vor dessen goldene Regel: Lage, Lage und nochmals Lage.
Um dieser Tage Beachtung zu finden, muss ein Konzert in einem Nachtclub stattfinden, mit Vorliebe in ‘Downtown Manhattan’ unterhalb der 14. Straße. Geadelt durch die Auftritte berühmter Künstler haben sich bereits die ersten Favoriten herauskristallisiert. Manager und Werbefirmen ergreifen die Gelegenheit, das Image ihrer Künstler neu zu definieren und machen daher von den neuen Möglichkeiten für CD - Veröffentlichungen und spezielle Aufführungen Gebrauch.
Wenn Künstler klassischer Musik nach ‘downtown’ kommen, führt das zu einer aufregenden gegenseitigen Bereicherung, und die ‘downtown’- Nachtclubszene erweitert ihren Horizont in Richtung Klassik. Gab es zuvor eine klare Trennung zwischen ‘uptown’ - Klassik und ‘downtown’ - Musikszene, so haben Musiker und Fans klassischer Musik nun auch die Möglichkeit, ‘cool’ zu sein.
Zwei Clubs, die sich diesem Trend ganz und gar verschrieben haben, sind Le Poisson Rouge und der Highline Ballroom, beide in Lower Manhattan.
Bekannt als Veranstaltungsorte für Rock- und Popmusik, wurden deren Programme erweitert und bieten jetzt auch klassische Musik an. Das Besitzer - Team des Le Poisson Rouge, ein klassisch ausgebildeter Cellist, ein Violinist und Komponist - haben Le Poisson Rouge von Grund auf renoviert. Dort, wo einst das historische ‘Village Gate’ stand, ist unter der Leitung von John Storyk, ein hochmoderner Aufführungsort mit flexibler Bestuhlung und einer anspruchsvollen Tonanlage entstanden.
Ronen Givony, der künstlerische Direktor desLe Poisson Rouge, den der New Yorker-Essayist Alex Ross einen geborenen Impresario nennt, ist ein Erneuerer von Format, wenn es darum geht, unterschiedliche Teile der Musikwelt zusammen zu bringen und dabei etwas Neues zu schaffen. Vor seiner Tätigkeit für den Club verfasste Givony Subventionsanträge für die Chamber Society des Lincoln Centers. Dort zeichnete er auch für die ‘Wordless Music Series’ verantwortlich, die vom Radiosender Minnesota National Public Radio als gemeinsames Territorium für klassische Musik und Rockmusik gepriesen wurde.

“ Ich wollte die Struktur des traditionellen Rockkonzertes und des klassischen Konzertes neu überdenken”, sagt Givony, der zwar selbst kein Musiker ist, dafür aber ein Freund jeglicher Musik. Voller Enthusiasmus konzipierte er eine Veranstaltungsreihe einstündiger Aufführungen, in der er Künstler klassischer Musik mit Künstlern aus den Bereichen Rock, elektronische Musik und später auch Pop paarte, und die zur Hälfte Klassik, und zur anderen Hälfte Rockmusik boten. Über die ganze Stadt verteilte Kirchen, Hallen und Museen dienten als informelle Aufführungsorte für diese Veranstaltungen. “Im Stil der Internet-erfahrenen Personengruppe, die wir erreichen wollten, verzichtete die Veranstaltungsreihe auf jegliche Druckwerbung, sondern verließ sich auf Emails und auf unsere Website”, sagte Givony in einem Interview mit Musical America.Die Erfahrungen aus dieser Veranstaltungsreihe waren es denn auch, die die Grundlage für das Konzept von Le Poisson Rouge bildeten.

Um mit der jüngeren Generation klassischer Musiker Kontakt aufzunehmen und potentielle Künstler für den Club zu gewinnen, setzte Givony unter anderem auch Facebook ein. Trotz seines Erfolgs bleibt er bescheiden. “Klassische Musik hat sich schon immer in Richtung ‘downtown’ bewegt”, erklärte er mir. “Wahrscheinlich schon seit John Cage in intimen Clubs wie Stan's Kitchen and Joe's Pub auftrat. Was wir hier machen, ist alles schon mal dagewesen." Givony hat ohne Zweifel eine gute Nase in Sachen Auswahl der Künstler.
„ Ich hatte die Gelegenheit, einige meiner Lieblingskünstler bei inspirierenden Auftritten im Le Poisson Rouge zu erleben, so zum Beispiel die Pianistin Lucille Chung, die mit Alessio Bax die gesamten Ligety- Klavierwerke zu vier Händen, sowie Petroushka, die Stravinsky-Partitur für vier Hände vortrug.“
Den viel beschäftigten Alessio Bax, der erst kürzlich den begehrten Avery Fisher-Preis gewann, und der als Pianist sehr ernst genommen wird, ist einer der Künstler seiner Generation, dessen Name Schlagzeilen macht. Gerade erst letzte Woche veröffentlichte er eine bemerkenswerte Sammlung an Bach-Transkriptionen verschiedener Komponisten, ihn selbst eingeschlossen. Vor dem Konzert sprach er über die Wirkung der Petroushka auf ihn, und auch darüber, was es für ihn bedeutete, dieses Werk gemeinsam mit seiner Frau Lucille, die ebenfalls eine grossartige Pianistin ist, aufzuführen.
Und Lucille Chung bemerkte in unserem Gespräch über Aufführungen dieser Art: “Es war auf jeden Fall auch aus wirtschaftlicher Perspektive ein cleverer Zug, ein etwas heterogeneres Publikum für klassische Musik zu gewinnen; viele Leute ziehen einen informellen Ort wie Le Poisson Rouge einem formaleren Rahmen wie einer Konzerthalle vor. Auch ich selbst hatte weniger Probleme, Leute meiner Altersgruppe einzuladen, die ja sowieso ‘downtown’ ausgehen. Die kürzeren Werke, die modernen Komponisten und die etwas ausgefalleneren Stücke wie die zu vier Händen, all das passt so viel besser in diese Gegend - wie alles, was die doch etwas intimere Atmosphäre, die man hier erwartet, unterstützt.Trotz alledem – die Intimität muss - wie auf jeder anderen Bühne auch – nach wie vor vom Künstler geschaffen werden. Die kürzeren Stücke stehen im Einklang mit der kürzeren Aufmerksamkeitsspannne, und auch mit der Erwartungshaltung des Publikums, das sich hier auch sozial auszutauschen möchte.”
Auf die Frage, wie sie das Servieren von Speisen und den Lärm beim Abräumen der Tische während der musikalischen Darbietungen empfand – beides Dinge, die mich des Öfteren zusammenzucken liessen und es mir schwer machten, auch nur an meinem Wein zu nippen - antwortete Lucille: “Das stört mich eigentlich nicht. Wenn ich erst einmal spiele, bin ich total konzentriert. Viel wichtiger ist die Qualität des Klaviers oder des Flügels – damit steht und fällt alles.”

Man spürt den Geist der Veränderung und den Nervenkitzel des Aufbruchs und der Überwindung traditioneller Barrieren. Und die Musikindustrie ist sensibel genug, um den subtiblen, und gleichzeitig rasanten Veränderungen Rechnung zu tragen.
Der Highline Ballroom ist an einer Ausweitung seines Appeals als Club interessiert, und der Erfolg der klassischen Veranstaltungsreihe des vorigen Jahres im Le Poisson Rouge diente der Highline Ballroom-Musikserie diesen Sommer als Inspiration. Und vielleicht wird ja auch Jeremy Denk das für den Highline Ballroom tun können, was Andy Warhol einst für den Club 54 tat. Dank Denks guten Rufs als klassischer Pianist kommentierte Allan Kozinn von der New York Times dessen brilliante Aufführung. Aber nicht nur das: er gab auch seinen Kommentar zur interessanten Wahl und zum legeren Stil des Veranstaltungssortes ab. Kozinn verschwieg weder die akustischen Probleme noch die Qualität der Verstärker oder die Geräuschkulisse durch das klappernde Geschirr. Trotzdem schrieb er der Veranstaltung ‘das gewisse Etwas’ zu.
Jeremy Denks Aufführung war Teil einer Musikreihe, die Steinway and Sons mit der Leihgabe eines fantastischen Klaviers unterstützt hatten. Wie er mir bei unserem Gespräch kurz nach dem Konzert in einem Café an der Upper Westside erklärte, war er begeistert davon, im Highline Ballroom aufzutreten:
“Mein Manager hat mir den Veranstaltungsort angeboten und der interssierte mich sofort. Das Publikum war jung und offen …."
Und weiter: “ Es gibt immer mehr Ungeduld mit der stickigen Atmosphäre der Konzerthallen. Klassische Musik muss nicht als einengend erfahren werden. Ich habe den direkten Kontakt und die Nähe des Publikums im Highline Ballroom genossen. Ich fand das entspannend. Der Geräuschpegel, der zweifelsohne existiert, hat mich nicht wirklich gestört. Ich bin selten so entspannt wie ich es an diesem Abend war, und ich würde die Erfahrung jederzeit wiederholen.”

Es wird sich natürlich zeigen müssen, ob es sich hier um eine Modeerscheinung oder ein brilliantes Konzept handelt, das das Publikum mit seinem schlichten Ansatz zu mehr Flexibilität überreden kann, und dazu, Musik für sich selbst sprechen zu lassen, egal ob Radiohead oder Schubert.
In der Zwischenzeit gilt, was Ronen Givony vom Le Poisson Rouge sagt: "Die Qualität der Angebots an klassischer Musik auf unserem Veranstaltungskalender wächst beständig.”
Der Diskurs zum Thema klassische Musik innerhalb unserer Pop-orientierten Gesellschaft lädt weiterhin zum Nachdenken ein. So stellt James R. Oestreich in seinem New York Times - Artikel die Frage “Wer braucht Carnegie Hall”, und kommentiert somit diese Entwicklung. Das Interesse an diesem Themenbereich zeigt sich in der starken Reaktion zu den Alternativen, die zur Auswahl stehen.
Das Publikum gewinnt dabei. Jetzt kann man sein Glass Wein bei klassischer Musik geniessen.