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Wednesday, December 8, 2010

Das Internationale Klavier Festival Miami







Musikfestspiele beruhen oft auf der Initiative eines energischen Gründungsmitgliedes oder einer Institution, deren Ziele sich im Charakter des Festivals offenbaren.
Seit seinem Start am Miami Beach Lincoln Theater, seinem ersten Veranstaltungsort im Jahre 1998, ist das Internationale Miami Klavier Festival zunehmend in Schwung gekommen, indem andere Veranstaltungsörtlickeiten und Gefolge sich hinzugesellten und das Goldene Klavierzeitalter beschwörten.
Die Mitbegründerin und künstlerische Leiterein Giselle Brodsky, ihrerseits eine ausgebildete Pianistin und Klavierlehrerin, rief die Stiftung “Förderer von außergewöhnlichen Künstlern” ins Leben, um außergewöhnlich begabte Künstler zu unterstützen. Als ich Brodsky im Sommer 2010 beim Internationalen Golandsky Klavierseminar und Festival [Golandsky International Piano Seminar and Festival] an der Princeton University traf, erklärte sie mir die recht spontane Geburt des Festivals so:Giselle Brodsky

“ Ich hatte ein Hauskonzert organisiert, wie ich es oft für meine Studenten mache und einige meiner guten Freunde eingeladen. Es gibt ja soviel Talent und mit der richtigen Unterstützung können sich junge Künstler wirklich entwickeln und wunderbare Sachen fertigbringen. Und so sprach ich meine Freunde an und sagte ihnen: “Es ist mein Traum, im jungen Leben dieser Künstler einen Unterschied machen zu können und an dieser Stelle möchte ich Ihnen und dem Publikum hier in Florida diesen Traum mitteilen.” Ich hatte ihre Unterstützung und schon bald hatte ich die finanzielle Grundlage, um Fördermittel beantragen und das Festival auf die Beine stellen zu können.
Die in Bolivien geborene Brodsky, ‘die treibende Kraft’ des Festivals, kann sich zweifellos auf ihre hochentwickelten Fähigkeiten verlassen, wenn es darauf ankommt, großartiges Talent unter angehenden Auftrittskünstlern zu entdecken. Viel hervorragende Künstler sind beim Miami Festival aufgetreten, bevor sie ihre erfolgreichen internationalen Karrieren starteten und auf diese Art und Weise Brodskys Auswahl bestätigten. Unter ihnen sind Piotr Anderszewski und Ingrid Fliter, zwei Pianisten, die wenig später den prestigeträchtigen Gilmore Preis gewannen.
Doch noch beindruckender als Brodkys Fähigkeit, von Anfang an Talent zu erkennen, ist die Tatsache, dass Künstler, die über Jahre hinweg eine erfolgreiche Karriere hatten, immer noch gerne und immer wieder am Miami Festival teilnehmen.

Angezogen von Brodskys anhaltenden Engagenment Musiker und Publikum auf die beste Art und Weise zusammenzubringen, ist ihre Liste von wiederkehrenden Auftrittskünstlern zu einem eindrucksvollen Verzeichnis von Musikern aus aller Welt angewachsen. Aufgrund ihrer persönlichen Interaktion, welche auf Kameradschaftsgeist, Respekt und Verständnis beruht, ist es keine Überraschung, dass viel Auftrittskünstler auch persönliche Freunde von Brodsky wurden, wie der russische Pianist Ilya Itin und der türkische Pianist Guelsin Onay. Ebenso wie Brodsky ist Onay der künstlerische Direktor eines Musikfestivals. Im letzten Sommer besuchte Brodsky in der Türkei als Dozentin Onays in Bodrum beheimatetes Festival.
Brodsky at Guelsin Onay's Bodrin Piano Festival

Abgesehen von den Pianisten, bezieht Brodsky auch andere Instrumentalisten mit ein, von denen sie inspiriert wurde. Da gibt es zum Beispiel die nun 81-jährige Violine -Virtuosin Ida Haendel, die von Zubin Mehta “Violinistin für Violinisten” genannt wurde. Als britische Staatsbürgerin und Einwohnerin Floridas ist Haendel eine lebende Legende, die mit den größten Orchester und Dirigenten zusammen aufgetreten ist. Ihre Autobiografie “Frau mit Violine” [“Woman with Violin”] (1970) beschreibt das außergewöhnliche Leben einer Musikerin, die von Brodsky wahrhaftigt bewundert wird und zwar so sehr, dass sie ihre Bewunderung von Haendel auf YouTube mitteilt.
Ida Haendel and Giselle Brodsky

Brodsky unterstützt diese bemerkenswerte Künstlerin auch indem sie als Produzentin der in Kürze von Haendel erscheinenden DVD fungiert. Die DVD wird Haendel, begleitet von dem jungen Pianisten Misha Dacic, seinerseits selber einer von Brodskys Stammsauftrittskünstlern beim Festival, vorstellen.
Es scheint, als ob Brodsky und Haendel die Hingabe für einen vollblütigen Auftritt gemein haben oder das, was Haendel jüngst in einem Interview mit der Associated Press als ein Befallensein beschrieb,
als sie feststellte, … “Leidenschaft ist etwas, womit man geboren wird.”



Die Höhepunkte des Festivals

Die Einzelkomponistenreihe: im Jahre 2008 begonnen bietet diese Reihe Marathon Auftritte und Aufnahmen von Pianisten, die sehr für ihre Interpretation eines bestimmten Komponisten geschätzt werden.
Beispiele umfassen ‘Aufnahmen, die neue Maßstäbe gesetzt haben,’ wie Konstantin Lifshitz’ wohltemperiertes Klavier [Well-Tempered Clavier] (auf DVD), wie auch aufgezeichnete Auftritte von Kemal Gecic, Misha Dacic und Ilya Itin.
Vorlesungen konzentrieren sich auf eine Vielzahl von Disziplinen, einschließlich Film- und Musikdokumentationen.

Meisterklassen unterstützen das Ziel des Festivals innovativ zu sein und untermauern den Bildungscharakter der Auftritte dem Publikum gegenüber.

Aufnahmeprojekte: CDs und DVDs gibt es auf dem Festival - eigenem VAI Label, und auf dem neuen ‘Miami International Piano Festival’ Label. Siehe ebenfalls den YouTube Kanal des Festivals.

Filmprojekte, die mit dem Festival zusammenhängen:
Brodsky und Haendel stehen im Mittelpunkt eines dreiteilgen Dokumentarfilms mit dem Titel ”Die herausragendsten musikalischen Wunderkinder der Welt” [”The World’s Greatest Musical Prodigies”], der von Großbritanniens ‘Channel 4’ produziert und teilweise in Südflorida gefilmt wurde. Die Reihe wird im Februar 2011 in den USA gesendet werden.
Der italienische Pianist Francesco Libetta, der beim Festival von dem bekannten Musikdokumentarfilmer Bruno Monsaingeon ‘entdeckt’ wurde, wird im preisgekrönten Film “Der Klavierspieler des Unmöglichen” [“The pianist of the Impossible”] gezeigt.
Francesco Libetta

Libetta wird mit einem Konzertauftritt am 28. November (diesen Sonntag) im Aventura Arts & Cultural Center die 2010/2011 Saison eröffnen.
Er wird ebenfalls beim Festival Sagra Musicale Malaestiana, einem der vorangigen Kulturereignisse Italiens mit Ida Haendel am 5. Dezember auftreten.
Weitere Informationen über das Internationale Miami Piano Festival und Giselle Brodsky finden sie hier: http://miamipianofest.com/index3.html
Dieser Artikel, geschrieben von Ilona Oltuski wurde zuerst in seiner englischen Version bei BlogCritics veröffentlicht.http://blogcritics.org/music/article/the-miami-international-piano-festival/






Misha Dacic

Wednesday, September 1, 2010

Musikfestivals - Meistens Klassisch


Die langen Sommermonate sind für klassische Musikaufführungen und deren Veranstaltungsorte Nebensaison. Dennoch häufen sich die musikalischen Höhepunkte, die im Rahmen spezialisierter Festivals an anderen Orten stattfinden.
Die entspannte und romantische Anziehungskraft eines ländlichen Settings einiger Festivals, zusammen mit der Möglichkeit, Musiker in einer anderen Umgebung zu hören, hat seine eigene Anziehungskraft. Auch sind viele Festivals für die positiven Auswirkungen auf die oft entlegenen Ausrichtungsorte gelobt worden, die sie mit ihren Konzertplänen und mit vielen Gästen von außerhalb beleben.
Zusätzlich zu den Abendkonzerten bieten einige Festivals ebenfalls während des Tages die Möglichkeit zur Fortbildung.
Diese Reihe von Artikeln wird die interessantesten Festivals in den USA und in Übersee sondieren.
Das Sommer Symposium des Golandsky Instituts und das Internationale Piano Festival, Princeton / New Jersey, vom 10. bis 18. Juli 2010.

Das einwöchige Festival, das bereits im siebten Jahr stattfindet, präsentiert eine Vielzahl von abendlichen Konzerten im Taplin Auditorium der Princeton Universität.
Edna Golandsky, die künstlerische Leiterin und treibende Kraft hinter dem Golandsky Institut, das sich im Bereich Klavier Pädagogik auf den Taubman Ansatz spezialisiert, war wieder einmal für ein Programm in einer Vorreiterrolle verantwortlich, das sicherlich die Horizonte der Teilnehmer wie auch der Besucher erweiterte.
Unter der Führung des 'Golandsky Institut Symposiums' kamen die abendlichen Konzerte nicht nur der Bevölkerung von Princeton zu Gute, sondern dienten auch als Ergänzung zu den täglichen Workshops, den Vorträgen und Seminaren, welche in jüngster Zeit erweitert wurden, indem andere Instrumentalisten als nur Pianisten hinzugenommen wurden.
Die Teilnehmer am Symposium, die sich aus allen Altersgruppen zusammensetzten und überall aus den USA wie auch aus Übersee kamen, sorgten dafür, dass die Restaurants in Princeton vor und nach den Konzerten mit dem begeistertem Publikum auch im sonst ruhigem Sommer voll blieben.

Tägliche Vorträge, Meisterklassen, Beratungsgruppen sowie Privatklassen untersuchten den Taubman Ansatz, der viele Probleme von Pianisten durch seine Technik löst und eine Vielzahl von ihnen dazu antreibt, ihr Potential zu erreichen.
Ich fand es sehr aufschlussreich etwas darüber zu erfahren, ein solches Festival auf die Beine zu stellen, zum Beispiel über die Wahl der Örtlichkeiten oder über die Bestandteile, die zu seinem Erfolg beitragen.
Die Pianistin und Pädagogin Adrienne Sirken, die geschäftsführende Direktorin des Festivals, meint: “von Beginn an war das Festival als integraler Bestandteil des ‘Golandsky Institut Symposiums’ gedacht. Es bietet eine wundervolle Gelegenheit Künstler zu präsentieren, die bereits mit dieser Arbeit in Verbindung gebracht werden und natürlich auch die Gelegenheit andere dazu anzuregen, sich mit dieser Arbeit vertraut zu machen.”
Sirken, die mit ihren zwei Söhnen und ihrem Ehemann Dr. Aaron Friedberg, einem Mitglied an der Fakultät für Politische Wissenschaften der Princeton University, in Princeton lebt, was dafür ausschlaggebend war, das 'Golandsky Institut’ nach Princeton zu bringen.
“Anfangs war die Musikfakultät von Princeton nicht gerade erpicht darauf, dass das 'Golandsky Institut’ ihre Üungsräume während dieser Woche übernimmt,” gibt sie in einem ruhigen Moment während des Festivals zu. “Aber Dank der Unterstützung von Eric Hamlin, dem Direktor für Sommerkonferenzen, wurde das Ganze erreicht und im Jahre 2003 konnte die erste Spielzeit beginnen.”
In diesem Jahr erst, 2010, wurde Frau Sirken, die vollamtlich geschäftsführende Direktorin des Festivals.
Es war ihr Enthusiasmus der entscheidend war, viele ihrer Freunde vor Ort als Freiwillige und Gastgeber für die besuchenden Künstler einzuspannen, was zu einem vielgeschätztem Element des Festivals wurde.
Selber eine Pianistin, konnte Sirken dank eines erneuten Trainings mit der Taubman Methode eine Verletzung überstehen – eine Tatsache, die sicherlich ihr eifriges Engagement für das Festival erklärt sowie ihre herzliche Beziehung zu den Fakultätsmitgliedern des Golandsky Instituts und der künstlerischen Leiterin Edna Golandsky.
Ihr Zugehörigkeitsgefühl wird von vielen der beim Festival auftretenden Künstler geteilt, von denen viele durch die Lehren des Instituts beeinflusst worden sind und aus Loyalität Jahr für Jahr wiederkehren.
In diesem Jahr eröffnete Guelsin Onay das Festival. Sie ist eine erfolgreiche und leidenschaftliche Pianistin und gab bereits im Alter von sechs Jahren ihren ersten öffentlichen Auftritt im türkischem Radio. Onay ist eine elegante und anmutige Künstlerin mit einer beeindruckenden Auftrittsgeschichte. Ein Teil des Jahres verbringt sie mit ihrem Ehemann, einem Mathematikprofessor, in Cambridge in England; der Rest des Jahres
gilt ausgedehnten Reisen, die aus den Anforderungen ihre Konzertkarriere erwachsen.
Obwohl die Bandbreite ihres Repertoires weit ist, spezialisiert sie sich auf die Musik des türkischen Komponisten A. Adnan Saygun; er hat ihr sein zweites Klavierkonzert gewidmet, das in der Türkei wie auch international von Guelsin uraufgeführt wurde.
In ihrer Heimat Türkei besitzt sie den Titel “Staatskünstlerin” und den der “Botschafterin des guten Willens” für das türkische nationale Komitte der UNICEF, aber seit 2003 dient sie ebenfalls in der Türkei als künstlerische Leiterin des Guemuesluek klassischen Musik Festivals. Dort schuf sie für Edna Golandsky die Möglichkeit einer Ausweitung ihrer Lehrtätigkeit.
In diesem Jahr war in Princeton Frau Onays Auftritt mit der Chopin Ballade in As-Dur, Op. 47, die sie wundervoll mit ihrer zarten und aufmerksamen Spielweise aufwertete, der absolute Höhepunkt. Man bekommt wirklich den Eindruck, dass sie, wenn sie auftritt, durch den Auftritt Antrieb bekommt und ihr gewinnendes Lächeln führt über ihre Klavierfertigkeiten weit hinaus und verschlägt dem Publikum den Atem.
Ein weiterer Auftrittskünstler des Festivals war Thomas Bagwell, ein recht bekannter begleitender Pianist, der die Auftrittsabende von Sängerinnen wie Marilyn Horne, Renee Fleming und Susan Graham an Veranstaltungsorten wie der New Yorker Carnegie Hall, dem Musikverein und dem Concertgebouw in Amsterdam begleitet hat.
Als Kammermusiker nahm er am Marlboro Music Festival teil und spielte mit den Violinisten Midori, Miranda Cuckson und Scott St. John; mit St. John produzierte er ebenfalls auf dem Marquis Label eine viel gelobte CD mit Werken von Antonin Dvorak. Neun Jahre lang diente er als Assistenzdirigent an der Metropolitan Oper – eine Position, die er auch für viele Spielzeiten an der Washington Oper, der Santa Fe Oper, und der Oper von St. Louis bekleidete.
Bagwell erhielt seine Studienabschlüsse vom Mannes College of Music sowie der Manhattan School of Music und studierte mit Warren Jones, Graham Johnson und Edna Golandsky.
Während des Festival spielte er ein Solo Repertoire von Bach, Chopin und Barber sowie eine Auswahl mit Gesang in Zusammenarbeit mit Christopher Dylan Herbert, einem Solokünstler der aus einer Vielzahl von Zeitperioden und Ländern Kunstlieder interpretierte, die von mittelalterlichen bis zu Stücken aus dem 21. Jahrhundert reichen.
Das Publikum in Princetons Taplin Hall erlebte einen sehr bewegten Moment als Bagwell mit Tränen in seinen Augen Edna Golandsky für all das dankte, was sie für ihn getan hatte.
Es sind Momente wie diese, die das Festival wirklich besonders machen. In Princeton sind es die persönlichen Beziehungen, die ein Bindeglied darstellen und es den Festivalteilnehmern erlauben, miteinander in Verbindung zu treten; dennoch lassen diese tiefen und persönlichen Bindungen immer Raum für neue Teilnehmer. Auch würde man eine mehr vom Wettbewerb gekennzeichnete Atmosphäre unter den Künstlern erwarten. Aber erstaunlicherweise gab es davon sehr wenig. Ganz im Gegenteil: die Künstler traten weit aus ihrem Schatten, um sich echt gegenseitig zu beglückwünschen, wie im Falle eines der jüngeren Künstler, dem sehr talentierten Josu De Solaun, der sich Guelsin Onay zuwandte, um ihr seine Wertschätzung und seinen Respekt zu zollen.
Eine mehrtägige oder längere Teilnahme am Festival bietet Gelegenheiten, mit den Künstlern während der täglichen Meisterklassen und den Vorträgen in Kontakt zu treten. Für mich bot sich eine solche Gelegenheit, als ich während eines Besuchs eines Diners an Princetons ‘Main Street’ etwas Zeit mit Josu De Solaun verbringen konnte.
Während des Mittagessens erzählte mir der in Spanien geborene Pianist, wie es war, als jüngster Sohn in einer grossen eng miteinander verflochtenen Familie in Valencia aufzuwachsen. In jungem Alter wurde er zu einem Avantgarde Musik- und bewegungsorientierten Ausbildungsprogramm geschickt, das ein vom ungarischen Komponisten und Erziehungreformer Zoltan Kodaly entwickeltes Konzept zum Vorbild hatte.
Kodalys experimenteller Ansatz, der darauf aus ist, eine natürliche Beziehung zwischen Musik und Bewegung durch Aktivitäten wie Gesang, Hula-Hoop Tanz und Ballspiele zu erzielen, bewog De Solaun dazu, sein Interesse an der Gitarre und später am Klavier weiter zu vertiefen.






Photo:Josu de Solaun









Anschließend besuchte er das Jose Iturbi Konservatorium, aber studierte ebenfalls mit der in Madrid ansässigen Pianistin und Klavierlehrerin Theresa Naranjo.
Theresa Naranjo, selbst eine Studentin der berühmten Cortot Anhängerin Magda Tagliaferro, suchte nach neuen Wegen Klaviertechnik zu entwickeln. De Solaun zufolge kam Naranjo zu ähnlichen Folgerungen, wie sie von Dorothy Taubman entwickelt worden waren, obwohl diese nicht den gleichen Grad an Systematisierung erreichten.
Als ich ihn fragte, wie und warum sein Interesse an Edna Golandskys Arbeit enstanden war, erklärte er:
“Nachdem ich das Konservatorium in Spanien beendet hatte, kam ich endlich in mein geliebtes New York. Ich hatte immer schon eine Leidenschaft für diese Stadt. Es war mir möglich die Manhattan School of Music zu besuchen und meine beiden Lehrer Nina Svetlanova und Horacio Gutierrez hatten einen wundervollen Einfluss auf meine musikalische Entwicklung während ich für meine Bachelor und Masters Abschüsse studierte. Aber als ich einen YouTube Clip über die Taubman Methode sah, so wie sie von Edna gelehrt wurde, war ich sofort davon angetan. Dieser Ansatz hatte bei mir spontan Resonanz, ich vertraute ihm völlig und wollte diesen weiter erkunden. Im Jahr 2009 wurde Edna Golandsky meine Lehrerin.”
Die Arbeit mit Edna gab De Solaun die vollständige Klangkontrolle über das Klavier, er meint: “Im Grunde machte Edna mir das klar, was mir bereits bewusst war, das ich aber noch nicht selbst ausdrücken und daher selbst erfolgreich reproduzieren konnte. Einige Dinge machte ich falsch, wie mit dem Handgelenk inne zu halten oder meine Ellbogen zu weit ausgefahren zu halten, was bedeutete, das ich nicht das Gewicht eines jeden Fingers immerzu voll unterstützte, während ich spielte. Wenn das passierte, konnte ich das sofort am Klang hören. Die Art und Weise wie die Taste gespielt wird, ist für die Kommunikationsfähigkeiten eines Pianisten ganz entscheidend.
Für mich war es äußerst wichtig, einen Ansatz zu finden, der mir neue Wege sowie eine problemlösende Sprache liefert, auf die ich mich verlassen kann. Nun bin ich mir vielmehr all der Ausdrucksmöglichkeiten bewusst und auch wie ich diese erreichen kann.”
Momentan arbeitet er an einer ‘Semiotischen Analyse von Schumanns Novelettes‘ für seine Doktorarbeit, die 2011 fertiggestellt sein soll. Er gab gerade einen Schumann Klavierabend in Deutschland im Leipziger Schumann-Haus, welcher die ‘Davidsbündler-Tänze’ und die ‘Humoresken’ seines Lieblingskomponisten beinhaltete – Stücke bei denen er sich fühlt, als seien sie für ihn geschrieben worden.
Und das ist auch genau das, was ich während seines Princeton Auftrittes wahrnahm. Wenn er spielt, wird die Musik wirklich Teil von ihm und wendet sich so mit einer so überzeugenden Stimme an das Publikum, als wäre es seine eigene Version von der Wahrheit.
Ob auf der Bühne oder nicht auf der Bühne De Solauns großzügige und warmherzige Persönlichkeit beeindruckt. Ich bemerkte seine Bescheidenheit einige Abende später nach einem Auftritt von Ilya Itin. Jemand hatte sich wegen einem Autogramm an De Solaun gewandt; er lehnte dies ab und sagte, er würde es vorziehen, dies am nächsten Tag zu tun, um nicht die Aufmerksamkeit von Ilyas Auftritt abzulenken. Itin hatte gerade seine großartige Darbietung von Schuberts Sonate in G Dur, Op.78 (D.894) wie auch ein intensives Rachmaninoff Auftakt-Programm beendet, was ihn zum Musikheld des Abends machte.
Ich empfand Ilya Itins Darbietung der Schubert Sonate als entzückend schön und voller Hoffnung.
Als langjähriger Student von Edna Golandsky und als wohl geachteter Lehrer am Golandsky Institut hat der in Russland geborene Pianist und Gewinner des Leeds Wettbewerbs vollständig den Taubman Ansatz in seinem lyrischen Klavierspiel verinnerlicht und so ein hohes Maß an pianistischer Freiheit erreicht.
In Princeton gab es in Fülle seine meisterhaften Darbietungen des russischen Repertoires, das seine internationale Reputation etablierte, zu hören. Dennoch schienen seine Schubert Interpretationen am besten dem musikalischem Temperament des Musikers und Mannes zu entsprechen. Itin drückte seine gewaltige Bandbreite und Vorstellungskraft durch eine Technik aus, die nicht nur aus seinem Willen geschnitzt war, die richtigen Nuancen zu finden, sondern auch aus seinem unbelasteten Verständnis, wie seine künstlerischen Ziele zu erreichen seien.
Ein anderer Aufrtittskünstler während des Festivals war Golandsky Fakultätsmitglied, Pater Sean Brett Duggan. O.S.B. Duggan erhielt seinen ‘Bachelor of Music’-Abschluss im Studienfach Klavier von der Loyola University in New Orleans und seinen ‘Master of Fine Arts’-Abschluss von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Vor seiner Ordination zum Priester graduierte er mit einem ‘Master of Arts’-Abschluss im Studienfach Theologie vom Notre Dame Seminar in New Orleans.
Besonders heiter und humorvoll teilt Pater Duggan seine Zeit gleichermaßen unter all seinen sprituellen Berufungen auf: Religion, Musik und Lehre. Er hat sich mit Ausnahme der Orgel auf Bachs gesamtes Werk spezialisiert, das auf einer Tastatur gespielt wird und arbeitet daran, dieses aufzunehmen.
Bei weitem nicht nur an diesem Repertoire interessiert, bietet ihm seine Spezialisierung eine Nische, das Priestersein mit dem Klavierspiel zu verbinden. Seine Darbietung von Bachs vollständigem “wohl-temperierten Klavier” gewann im Jahr 1983 den ersten Preis bei dem Internationalen Johann Wolfgang Sebastian Bach Pianisten-Wettbewerb in Washington und etablierte so seine Karriere als Pianist.
Er ist ein langjähriges Golandsky Fakultätsmitglied und ist als Lehrer beliebt für Freizügigkeit, seinen Humor und seinen tiefen Einblick, wenn es um die Klavierspielkunst geht. In der diesjährigen Plenumsdiskussion zum Thema auftrittsvorbereitende Übungen, die von einigen Auftrittskünstlern, die die Taubman Methode studiert hatten, besucht wurde, kommentierte er seine eigene Entwicklung als Auftrittskünstler: ”Ich fühle mehr als je zuvor, dass sich neue Möglichkeiten auftun und ich sollte mich diesen Herausforderungen stellen. Nachdem ich mit Edna gearbeitet habe, werden die wunderbarsten Erkundschaftungen eines neuen Repertoires für mich Realität, ich hätte dies niemals zuvor erreichen können.”
Beim Princeton Festival ist Mittwoch der einzige auftrittsfreie Tag. Dies ist die Zeit, wenn Fakultät und Studenten zu einem gemeinsamen Abendessen zusammenkommen und gemeinsame Erfahrungen, die oft viele Jahre zurückreichen und die miteinander getauscht werden, eine warme vertrauliche Atmosphäre hervorbringen.
Es gibt viel gegenseitige Anerkennung und Bewunderung des Talents, der Fähigkeiten und der Erfolge der Musikerkollegen. Aber es gibt auch viel Zuwendung, Zuneigung und Wertschätzung für die Bescheidenheit und den guten Willen der Künstler.
Der abschließende Abend des Princeton Festivals ist als Jazz Abend bekannt geworden.
Der bekannte Jazz Pianist, Danilo Perez, ein Fakultätsmitglied des New England Konservatoriums und des Berklee Global Jazz Instituts in Boston, schickte in diesem Jahr seine Studenten, um auf dem Festival aufzutreten. Als Taubman Anhänger und als bewundernder Student von Edna Golandsky hatte er Golandsky, die – nur nebenbei bemerkt – Jazz sehr gern mag, dazu eingeladen, bei seinem eigenen Festival in Panama zu spielen. Für den Taubman Ansatz schwärmend verbreitet er das Wort bei seinen Studenten in den USA und in Übersee.
Dann war es schon wieder Zeit Aufwiedersehen zu sagen – und bei Sekt und Kuchen Pläne für das nächste Jahr zu machen. Mit einer Atmosphäre, die irgendwo zwischen hoher Kunst und einem Sommercamptreffen liegt, und mit seinem sehr eigenen Mix aus neuem Talent und wiederkehrenden Künstlern bietet das Festival die bestmögliche Art des Musikmachens an. Fügt man die Freude über alte Freundschaften hinzu wie auch die Gelegenheit neue Freundschaften zu schließen, dann hat man das Golandsky Institut Sommer Symposium und das Internationale Piano Festival in Princeton / New Jersey auf den Punkt gebracht.
Ich freue mich schon auf das nächste im kommenden Juli.