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Thursday, June 7, 2012

Der italienische Pianist Francesco Libetta vermittelt Einblicke in die Musik

Francesco Libetta Foto: admaioramedia.it
Libetta ist ein Pianist, der Inbegriff eines Musikers, der Jahr für Jahr dazu eingeladen wird, auf Tournee zu gehen und Veranstaltungsorte jenseits seiner Heimat Italien zu besuchen, wo er sich einen Namen als der etablierte Keyboard Künstler gemacht hat, der er nun mal ist. Seine Fans weltweit sind ihm treu, ihm zugetan und ihre Zahl wächst an.
Einer seiner Wohnorte weg von zuhause (ein vertrauter, abgelegener Ort in der Nähe von Lecche) in den Vereinigten Staaten ist Giselle Brodskys Piano Festival in Miami, wo Libetta oft zur Gruppe von Giselles handverlesenen, ausgewählten Pianisten gehört, die nicht nur durch ihre überlegenen Fähigkeiten als Instrumentalisten hervorstechen, sondern auch wahre Künstler sind.
Giselle und Libetta trafen sich im Jahre 1994, nachdem Giselle eine kommerziell produzierte Aufnahme einer seiner Chopin Auftritte in Mailand gehört hatte, die, auch wenn sie bei ihr Interesse an diesem jungen italienischen Künstler erweckte, ihrer Meinung nach, nicht dem Pianisten gerecht wurde. Sie wollte ihn für einen Live-Auftritt bei ihrem Festival in Miami gewinnen.
“Es gibt in der Musikbranche ein unsichtbares Netz und seine Funktionsweisen sind geheimnisvoll. Es ist schwer zu erklären, warum einige Künstler erfolgreich sind und andere weniger so, meint Libetta in einem Interview in seinem Hotel abseits der 57. Straße, nur eine Minute von der Steinway Hall enfernt, wo er die Übungsräume für seine Auftritte in den großformatigen italienischen Produktionen von The Profile, The Life And The Faith Across The Notes von Mario Jazzetti am 12. Mai in der Avery Fisher Hall nutzt. “Maurizio, wie er sich selbst nennt, studierte nicht Komposition, “erklärt Libetta, “sondern wollte ein persönliches Tagebuch schreiben, eine Beschreibung des Lebens und der Liebe mit all ihren Herausforderungen. Es weist einen sehr schwierigen Klavierteil auf und die Orchestrierung musste neu gemacht werden. Die gesamte Produktion wurde zu einem sechsteiligen Konzert, sehr leidenschaftlich und melodisch. Sechzig Jahre nachdem es geschrieben worden war und die Orchestrierung erst nach seinem Tod vollendet, wollte seine Witwe das ganze Stück hören, nachdem sie mit dem Komponisten vierzig Jahre zusammengelebt hatte und wusste, dass er in seinem ganzem Leben nur an diesem Stück gearbeitet hatte. Ich fand die ganze Geschichte, die sich darum rankte, sehr rührend und als sein Sohn an mich herantrat, erklärte ich mich einverstanden es aufzuführen.“
Libetta setzte seine Gedankenkette fort “…es gibt Musiker, die viel gelobt werden, aber keine Eintrittskarten während der Spielzeit verkaufen und das Gegenteil trifft auf einige der sehr berühmten Namen zu, die Magneten an der Abendkasse sind. Ich glaube, es handelt sich um eine Kombination aus Neugierde und Mode. Besonders jetzt, wo Ruhm nicht notwendigerweise in der Konzerthalle, sondern im Internet geschaffen wird, wird es schwieriger, das Interesse eines Publikums allein nur durch einen guten Auftritt aufrechtzuerhalten und die Presse ist nicht so sehr scharf darauf, Konzertkritiken zu schreiben. Als ich aufwuchs, ließen sich in der Zeitung einer jeden kleinen Stadt Musikkritiken finden. Wenn man ein gutes Konzert hatte, gab es eine Kritik und man hatte so Belegmaterial zur Hand, auf das man heutzutage nicht mehr mit Sicherheit zählen kann. Man kann nur seine Spielprogramme als Hinweis darauf sammeln, dass man dort aufgetreten ist.” Der Pianist wird munter und spricht mit einem charmanten, starken italienischen Akzent, als er seine Erfahrungen in der Musikwelt und dessen geschäftlichen Aspekten aufeinander bezieht. “Irgendjemand sagt mir: ‘Die Welt ist großartig und es wird immer einen Platz geben, wo man einmal auftreten kann. Aber wenn man erstmal in einem Saisonprogramm aufgenommen ist, wird man auch in anderen sein.’”
Mit Gusto fährt er fort: “Leuten gefälllt es, auf Namen zurückzugreifen, die sie bereits kennen. Es ist genauso wie im Supermarkt. Man kauft die Marke, die man kennt. Man wird nach einem Produkt Ausschau halten, das einem bereits bekannt ist. Also, wenn die Zeitungen nicht über einen Auftrittskünstler schreiben und der Produzent einer Veranstaltungssaison nicht mutig genug ist, einen Künstler in das Veranstaltungsprogramm aufzunehmen, wird der Manager keinen Vertrauensvorschuss gewähren …aber, was ist am Ende der wirkliche Maßstab über den Ruhm? Einige Aufnahmen auf YouTube werden tausende Male angeklickt; andere von wahrhaft großartigen Künstlern erhalten nur wenige gleich bleibende Klicks.”
“Als Yuja Wang jüngst Bartoks Zweites Piano Konzert aufführte,” fährt er leidenschaftlich fort, “war es eine Rundfunkübertragung im Radio. Der Direktor, ein Freund von mir, fragte mich, wie sehr ich daran Gefallen finden würde und ich sagte ihm, dass, obwohl ich an ihr Gefallen fand – sie war sehr gut –, für den Live-Auftritt der Sound nicht ausreichte. Das ist eines der Probleme bei Live-Konzerten. Man muss in der Lage sein, seine Dynamik anzupassen. In einer großen Halle heißt das, dass diese viel Sound erfordert, aber mit den komprimierten Sound Bites auf YouTube ist das nicht notwendig. Daher klingt man auf YouTube gut, wenn man nur schnell genug spielt, aber auf der Bühne ist eine andere Art von Musiker gefragt. Das Publikum wird auch auf eine besondere Weise einbezogen. Es scheint, als spiele ein Musiker für tausende von Leuten, aber in Wirklichkeit sind es ebenso tausende von Leuten, die gewillt sind, einem Musiker zuzuhören. “
Auf die Frage hin, ob er oft auf die Konzerte anderer Musiker geht, sagt er mir ehrlich: ”Ich lebe an einem recht abgeschiedenen Ort und ich lebe allein. Der Pianist ist sowieso die meiste Zeit allein und daher bin ich immer an irgendeinem Austausch mit anderen Musikern interessiert, aber nicht notwendigerweise daran, auf die Konzerte anderer zu gehen. Rachmaninow sagte einst bekanntermaßen, es wäre ärgerlich, wenn ein anderer Pianist schlecht ist und wenn er gut ist, wäre es ihm ein noch größeres Ärgernis.” Wir lachen.
“Es hängt davon ab, wonach man Ausschau hält. Ich bin nicht besonders an technischer Fähigkeit interessiert – ein neues Stück kann ich selbst lesen. Manchmal ist es interessant, neue Trends oder Programme aufzunehmen – alles was so passiert. Man kann spüren, ob Dinge in die eine Richtung oder in die andere verlaufen. Ich mag es, in Miami zu sein, wo ich viele wunderbare Musiker und Freunde getroffen habe und wo es enormes Talent gibt, wie Ilya Itin oder Louis Prat. Und ich habe es genossen, junge Studenten am staatlichen Konservatorium in Kammermussik zu unterrichten. Es gibt heutzutage eine gewaltige Diskrepanz zwischen der Partitur und der Musik. Fast wie im Mittelalter, als die Leute Analphabeten waren, wussten sie wie man spricht, aber nicht wie man liest. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich für Blinde spiele, denn so wenige sind musikalisch gebildet und ich finde es ist wichtig, diese Distanz zu überbrücken. Als in den Fünfziger und Sechziger Jahren Richter spielte, gab es ein Repertoire, an das die Leute glaubten und sie wussten, was sie zu erwarten hatten. ”Und mit Sicherheit bin ich der Meinung, dass das heutige Publikum vielleicht offener für Dinge ist, aber nur wenige musikalisch gebildet sind.
Francesco Libetta, der gut aussieht und sportlich ist, glaubt stark daran, dass die Arbeitsethik bestimmend für den Künstler ist, sowohl am Klavier, als auch woanders. Er mag körperliche Aktivitäten zusammen mit der disziplinierten Arbeit am Piano. “Der Klang gibt einem Satz die Form. Wenn man Kontrolle über den Satz hat, kommt die Musik auf natürliche Weise,” erläutert er. “Callas gab einmal ein Interview und auf die Frage, was sie für wichtiger halte, Technik oder Musikalität, sagte sie: ’Was meinen Sie - ohne Technik kann Musik nicht zum Klingen gebracht werden?’ Technik, das Know-How, gibt einem nur die Kraft das zu sagen, was man sagen will. Kunst ist ein Handwerk. Virtuosität ist die Kontrolle des Körpers und der Seele. Es ist nicht ein Geschenk.”

Wednesday, December 8, 2010

Das Internationale Klavier Festival Miami







Musikfestspiele beruhen oft auf der Initiative eines energischen Gründungsmitgliedes oder einer Institution, deren Ziele sich im Charakter des Festivals offenbaren.
Seit seinem Start am Miami Beach Lincoln Theater, seinem ersten Veranstaltungsort im Jahre 1998, ist das Internationale Miami Klavier Festival zunehmend in Schwung gekommen, indem andere Veranstaltungsörtlickeiten und Gefolge sich hinzugesellten und das Goldene Klavierzeitalter beschwörten.
Die Mitbegründerin und künstlerische Leiterein Giselle Brodsky, ihrerseits eine ausgebildete Pianistin und Klavierlehrerin, rief die Stiftung “Förderer von außergewöhnlichen Künstlern” ins Leben, um außergewöhnlich begabte Künstler zu unterstützen. Als ich Brodsky im Sommer 2010 beim Internationalen Golandsky Klavierseminar und Festival [Golandsky International Piano Seminar and Festival] an der Princeton University traf, erklärte sie mir die recht spontane Geburt des Festivals so:Giselle Brodsky

“ Ich hatte ein Hauskonzert organisiert, wie ich es oft für meine Studenten mache und einige meiner guten Freunde eingeladen. Es gibt ja soviel Talent und mit der richtigen Unterstützung können sich junge Künstler wirklich entwickeln und wunderbare Sachen fertigbringen. Und so sprach ich meine Freunde an und sagte ihnen: “Es ist mein Traum, im jungen Leben dieser Künstler einen Unterschied machen zu können und an dieser Stelle möchte ich Ihnen und dem Publikum hier in Florida diesen Traum mitteilen.” Ich hatte ihre Unterstützung und schon bald hatte ich die finanzielle Grundlage, um Fördermittel beantragen und das Festival auf die Beine stellen zu können.
Die in Bolivien geborene Brodsky, ‘die treibende Kraft’ des Festivals, kann sich zweifellos auf ihre hochentwickelten Fähigkeiten verlassen, wenn es darauf ankommt, großartiges Talent unter angehenden Auftrittskünstlern zu entdecken. Viel hervorragende Künstler sind beim Miami Festival aufgetreten, bevor sie ihre erfolgreichen internationalen Karrieren starteten und auf diese Art und Weise Brodskys Auswahl bestätigten. Unter ihnen sind Piotr Anderszewski und Ingrid Fliter, zwei Pianisten, die wenig später den prestigeträchtigen Gilmore Preis gewannen.
Doch noch beindruckender als Brodkys Fähigkeit, von Anfang an Talent zu erkennen, ist die Tatsache, dass Künstler, die über Jahre hinweg eine erfolgreiche Karriere hatten, immer noch gerne und immer wieder am Miami Festival teilnehmen.

Angezogen von Brodskys anhaltenden Engagenment Musiker und Publikum auf die beste Art und Weise zusammenzubringen, ist ihre Liste von wiederkehrenden Auftrittskünstlern zu einem eindrucksvollen Verzeichnis von Musikern aus aller Welt angewachsen. Aufgrund ihrer persönlichen Interaktion, welche auf Kameradschaftsgeist, Respekt und Verständnis beruht, ist es keine Überraschung, dass viel Auftrittskünstler auch persönliche Freunde von Brodsky wurden, wie der russische Pianist Ilya Itin und der türkische Pianist Guelsin Onay. Ebenso wie Brodsky ist Onay der künstlerische Direktor eines Musikfestivals. Im letzten Sommer besuchte Brodsky in der Türkei als Dozentin Onays in Bodrum beheimatetes Festival.
Brodsky at Guelsin Onay's Bodrin Piano Festival

Abgesehen von den Pianisten, bezieht Brodsky auch andere Instrumentalisten mit ein, von denen sie inspiriert wurde. Da gibt es zum Beispiel die nun 81-jährige Violine -Virtuosin Ida Haendel, die von Zubin Mehta “Violinistin für Violinisten” genannt wurde. Als britische Staatsbürgerin und Einwohnerin Floridas ist Haendel eine lebende Legende, die mit den größten Orchester und Dirigenten zusammen aufgetreten ist. Ihre Autobiografie “Frau mit Violine” [“Woman with Violin”] (1970) beschreibt das außergewöhnliche Leben einer Musikerin, die von Brodsky wahrhaftigt bewundert wird und zwar so sehr, dass sie ihre Bewunderung von Haendel auf YouTube mitteilt.
Ida Haendel and Giselle Brodsky

Brodsky unterstützt diese bemerkenswerte Künstlerin auch indem sie als Produzentin der in Kürze von Haendel erscheinenden DVD fungiert. Die DVD wird Haendel, begleitet von dem jungen Pianisten Misha Dacic, seinerseits selber einer von Brodskys Stammsauftrittskünstlern beim Festival, vorstellen.
Es scheint, als ob Brodsky und Haendel die Hingabe für einen vollblütigen Auftritt gemein haben oder das, was Haendel jüngst in einem Interview mit der Associated Press als ein Befallensein beschrieb,
als sie feststellte, … “Leidenschaft ist etwas, womit man geboren wird.”



Die Höhepunkte des Festivals

Die Einzelkomponistenreihe: im Jahre 2008 begonnen bietet diese Reihe Marathon Auftritte und Aufnahmen von Pianisten, die sehr für ihre Interpretation eines bestimmten Komponisten geschätzt werden.
Beispiele umfassen ‘Aufnahmen, die neue Maßstäbe gesetzt haben,’ wie Konstantin Lifshitz’ wohltemperiertes Klavier [Well-Tempered Clavier] (auf DVD), wie auch aufgezeichnete Auftritte von Kemal Gecic, Misha Dacic und Ilya Itin.
Vorlesungen konzentrieren sich auf eine Vielzahl von Disziplinen, einschließlich Film- und Musikdokumentationen.

Meisterklassen unterstützen das Ziel des Festivals innovativ zu sein und untermauern den Bildungscharakter der Auftritte dem Publikum gegenüber.

Aufnahmeprojekte: CDs und DVDs gibt es auf dem Festival - eigenem VAI Label, und auf dem neuen ‘Miami International Piano Festival’ Label. Siehe ebenfalls den YouTube Kanal des Festivals.

Filmprojekte, die mit dem Festival zusammenhängen:
Brodsky und Haendel stehen im Mittelpunkt eines dreiteilgen Dokumentarfilms mit dem Titel ”Die herausragendsten musikalischen Wunderkinder der Welt” [”The World’s Greatest Musical Prodigies”], der von Großbritanniens ‘Channel 4’ produziert und teilweise in Südflorida gefilmt wurde. Die Reihe wird im Februar 2011 in den USA gesendet werden.
Der italienische Pianist Francesco Libetta, der beim Festival von dem bekannten Musikdokumentarfilmer Bruno Monsaingeon ‘entdeckt’ wurde, wird im preisgekrönten Film “Der Klavierspieler des Unmöglichen” [“The pianist of the Impossible”] gezeigt.
Francesco Libetta

Libetta wird mit einem Konzertauftritt am 28. November (diesen Sonntag) im Aventura Arts & Cultural Center die 2010/2011 Saison eröffnen.
Er wird ebenfalls beim Festival Sagra Musicale Malaestiana, einem der vorangigen Kulturereignisse Italiens mit Ida Haendel am 5. Dezember auftreten.
Weitere Informationen über das Internationale Miami Piano Festival und Giselle Brodsky finden sie hier: http://miamipianofest.com/index3.html
Dieser Artikel, geschrieben von Ilona Oltuski wurde zuerst in seiner englischen Version bei BlogCritics veröffentlicht.http://blogcritics.org/music/article/the-miami-international-piano-festival/






Misha Dacic