Wednesday, January 23, 2013

Knowledge is the Beginning – Wissen ist der Anfgang - Daniel Barenboims Ost-West Diwan

Knowledge is the Beginning – Wissen ist der Anfgang– Im Rahmen der New Yorker Auftritte des Ost-West Diwan-Orchesters unter Daniel Barenboim, wird der Dokumentarfilm gezeigt und diskutiert. (freier Eintritt im ‘Symphony Space’ am Sonntag, dem 27. Januar, mit anschließender Frage- und Antwort- Session).
Wissen ist der Anfang, der mitreißende, Emmy-preisgekrönte Dokumentarfilm von Paul Smaczny, der im Jahre 2005 für ‘Euro Arts Music’ herauskam, wirft einen genauen Blick auf die visionäre gemeinsame Unternehmung zweier kreativer Kräfte: die des Palästinensers Edward Said und des Israelis Daniel Barenboim, die es schafften, ein außerordentliches Beispiel zu geben und damit die Macht der Musik über die Politik sichtbar machten. Der Film dokumentiert die Gründung des Ost-West Diwan-Orchesters im Jahre 1999 in Weimar, deren Ziel es war, Musiker aus Israel, Palästina, Syrien, dem Libanon, Jordanien und Ägypten wie auch internationale Gastkünstler und Pädagogen angesichts und trotz politischer Zwietracht im Nahen Osten zusammenzubringen. Nach der deutschen Wiedervereinigung war die Stadt Weimar darauf aus, ihre einstige, glorreiche, musikalische Vergangenheit zurückzubringen und Barenboim versuchte, mit seinem an die Öffentlichkeit gerichteten Musikprojekt, einen wirklichen Unterschied auszumachen. Das Orchester erschien als eine Möglichkeit, die Ziele beider Seiten zu erreichen. Die alles überwindende Menschlichkeit in den Dialogen zwischen den jungen Musikern, die sich ergibt, wenn sie lernen und zusammen auftreten, beseitigt die bestehenden Bedenken und Vorurteile, denen sie gegenüberstehen und die sie als Individuen bewältigen müssen. Gesten, wie sich einen Notenständer zu teilen, das musikalische Können eines jeden zu würdigen und sich ganz einfach auf persönlicher Ebene kennenzulernen, sind kleine, aber dennoch wichtige Bausteine. Barenboim hat für dieses Ergebnis eine logische Erklärung bereit: Die Zeit, die man mit Musik verbringt, ist eine Zeit, die weniger für extremistische Ideen verwandt werden kann.” Sich gegenseitig kennenzulernen scheint in der Tat ein vielversprechender Beginn eines wirklichen Perspektivenwechsels. Der Film findet ein ausgewogenes Verhältnis, sich eingehend mit den inneren sozio-politischen Konflikten, um die es geht, zu beschäftigen und über Proben und Konzerte, die Smaczny behandelt hinweg, den Prozess des Musikmachens darzustellen. Musikprogramme, die sich auch an die in Israel lebende arabische Bevölkerung wenden, hat es seit Jahren gegeben, unterstützt von besonderen Konzerttouren in vorwiegend arabischen Gegenden und gesponsert vom Israelischen Philharmonischen Orchester. Keine dieser Bemühungen hat jedoch die Bedeutung und Resonanz gehabt, wie es das Ost-West Diwan-Orchester in der Öffentlichkeit hatte; das Orchester bietet seinen Musikern eine eigene Realität, der man schwerlich in seiner Gradlinigkeit widerstehen kann. Ohne irgendwelche besonderen politischen Ambitionen zu haben und dennoch mit dem Wagnis nicht ‘politisch korrekt’ zu sein, gelang es den führenden Persönlichkeiten auf beiden Seiten, mit dem Ost-West Diwan eine einzigartig sichere Umgebung zu schaffen, die Eintracht und gegenseitiges Verständnis innerhalb der Gruppe seiner Musiker fördert. Wie der Film wirksam vermittelt, ist Barenboims Aufmerksamkeit auf das Detail und seine außergewöhnliche Gabe, das Beste aus jedem Musiker herauszuholen, inspirierend und signalisiert sein Enagement, dieses Kooperationsprojekt auf die nächst höhere Ebene zu bringen. Der Film knüpft an Barenboims Bereitschaft an, jeglich mögliche Plattform zu einer Äußerung für seine Sache in Anspruch zu nehmen, selbst das Podium, das ihm aus Anlass seiner Dankesrede für den ‘Wolf Prize for the Arts’ zur Verfügung gestellt wurde, den er in der Knesset, dem israelischen Parlament erhielt. Barenboims kritische Betrachtung israelischer Politik ist kein Geheimnis und unter den Musikern und den Interviewten wird im Film der palästinensische Standpunkt gut vertreten. Was im Film fehlt – und was vielleicht auch in Barenboims eigener Wahrnehmung vielleicht etwas zu kurz kommt, ist ein entsprechendes Verständnis des israelischen Seelenzustandes. Im Film findet die israelische Sichtweise des Konfliktes explizit nur durch eine junge Musikerin Gehör und Erklärung, die ihre Frustration und Hilflosigkeit angesichts der palästinensischen Terrorattacken zum Ausdruck bringt, denen sie sich auf täglicher Basis ausgesetzt sieht. Wie der Film beschreibt, ist das Passieren israelischer Grenzen für Palästinenser beschwerlich geworden, aber bis heute haben palästinensische Führungsgruppen noch nicht einmal die Existenz Israels akzeptiert. Wegen dieser turbulenten Umstände mussten die Orchestermitglieder besondere Diplomatenpässe bekommen, um zu ihren Auftritten separat anzureisen und die Gruppe musste ihre Reiserouten aufteilen: Nicht-Araber reisen über Israel ein, während Araber über arabische Länder einreisen. Angesichts all dieser Hindernisse war das einzigartige erste Konzert des Orchesters, das im Jahre 2005 in Ramallah, einer palästinensischen Stadt im Westjordanland ungefähr 10 km außerhalb von Jerusalem stattfand, eine bemerkenswerte Errungenschaft, ein symbolischer Erfolg dessen, was alles unter den Regeln der Annährung dieses bravourösen Dirigenten möglich ist. Barenboim wurde für seine Arbeit mit dem Ost-West Diwan-Orchester, das weiterhin international auftritt, zum Friedensbotschafter der Vereinten Nationen ernannt. Im Andenken an Edward Said, der im Jahre 2003 verstarb, hat Barenboim in jüngster Zeit Pläne angekündigt, im Jahre 2015 die Barenboim-Said Akademie zu gründen, die im Rahmen einer über das ganze Jahr bestehenden Einrichtung für junge Musiker aus dem Nahen Osten den Geist des West-Östlichen Diwan-Orchesters weiterfortsetzen wird. Barenboim plant die nach ihm und Said benannte Einrichtung in Berlin direkt neben der Staatsoper zu bauen. Das Gebäude wird eine neue, von Frank Gehry entworfene Konzerthalle besitzen. Ilona Oltuski

Wednesday, January 16, 2013

Schlacht der Klaviere - Andreas Kern versus Paul Cibis - Piano Battle


Vor und während des Duells zeigt man was man drauf hat. Fotos: Matthias Bothor

Der Virtuose des 19. Jahrhunderts kannte die Idee, sein Können unter Beweis zu stellen.
Thalberg/Liszt sind vielleicht historisch gesehen, das bekannteste Beispiel dafür, so ein Duel Angesicht zu Angesicht auszutragen – von Keyboard zu Keyboard.
Die deutschen Pianisten Andreas Kern und Paul Cibis liefern sich ihre eigene Schlacht am Klavier und bringen beide dem Publikum einen erstaunlichen Unterhaltungswert entsprechend ihres gewaltigen Wettbewerbstalents, indem sie ihre haarspalterische Virtuosität demonstrieren.
Nun sind sie bereit, hier nicht auf Nummer Sicher zu gehen alles zu wagen; Kern und Cibis bringen ihr neuartiges Konzertkonzept zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten. Einer Einladung vom Goethe-Institut folgend, werden sie am 18. Januar in der Österreichischen Botschaft in Washington auftreten.

Obwohl keiner der beiden klassisch ausgebildeten Pianisten große Fans der traditionellen Klavier-Wettbewerbe sind, begann Kerns Suche nach unterschiedlichen Wegen, Klaviermusik auf die Bühne zu bringen, bereits lange Zeit vor der Klavierschlacht. Er hatte schon immer nach einem intensiven gemeinschaftlichen Erlebniss-Effekt zwischen dem Publikum und dem, was auf der Bühne passiert, Ausschau gehalten. Er genoß es, in seine frühen Konzerten verbale, erklärende Passagen einzufügen, da er zur Kenntnis nahm, dass sich das Publikum wohler fühlte, wenn es etwas lernte, wodurch es sich dem Auftrittskünstler und dem Gepielten verbundener fühlen konnte, statt sich formal allein auf das gedruckte Programm zu verlassen. “Selbst die Art wie diese Programme normalerweise aufgebaut sind, setzt eine gewisse Kenntnis der musikalischen Materie voraus – oder zumindestens mit den Namen, die in den Biografien fallen, was eine recht abschätzige Wirkung auf den Laien hervorrufen kann,“ bemerkt Kern, als wir drei uns in New York treffen.
Nachdem er mit einem Praktikum bei der Berliner Rundfunkanstalt RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) einen Abstecher in die Welt des Fernsehens gemacht hatte, folgte er seinen anfänglichen Instinkten und nahm einen weiteren Schritt aus den vorgefertigten Mustern auszubrechen und wurde der Mitbegründer und Co-Moderator von Berlins aufregender, genre-übergreifender Arte-Lounge, welche seitdem bisher dreißigmal ausgestrahlt wurde.
Sie hat inzwischen eine recht glänzende Auswahl klassischer Auftrittskünstler mit einem großem Spektrum an Darbietungen in verschiedenen Stilen vorgestellt. Das Ergebnis ist ein aufmerksamkeitserregender Mix eines Querschnitts der Musik, übertragen auf die nächtliche Club- und Bar-Szene, etwas, was traditionsgemäß nicht mit dem Klassikgenre in Verbindung gebracht wird. Live gefilmt, passen die jungen, unglaublich talentierten Auftrittskünstler, wie die Capuçon-Brüder, Daniel Hope, Sarah Chang, Avi Avital…recht gut zu der stilvollen Mischung von Auftrittskünstlern und Auftritten, die als Werbungsaushängeschild für das coole, klassische Programm der Arte-Lounge dienen, die auf dem deutsch- und französischsprachigen ARTE- Fernsehkanal gezeigt wird.
Das Talkshow Set Up bringt die Musikgäste in den Zusammenhang ihrer Auftritte und lässt das Publikum im gleichen Zug mit der Vertrautheit des TV-Formates eine Live-Aufnahme renommierter Stars miterleben.
Für Kern war Arte Lounge ein immenser Lernprozess, von dem er nun bei der Klavierschlacht profitiert, indem er sich dem speziellen Mix aus hoher Kunst und Unterhaltung bewusst ist.
Das erste Mal, dass Cibis und Kern zusammen auftraten, war beim Musik Festival in Hongkong im Jahre 2009. Ihre Interaktion erwuchs spontan aus der Tatache, dass beider Auftritt, für den gleichen Zeitraum geplant war, sie ihn sich also tatsächlich aufteilen mussten. Dies brachte die Notwendigkeit auf, sich über das Programm und wie es zu präsentieren war, Gedanken zu machen. Statt ein traditionelles vierhändiges Konzert zu geben, improvisierten sie auf der Bühne und wechselten ihr klassisches Repertoire mit Pop und Jazz aus und ihre Sponatnität erwies sich beim Publikum als erfolgreich. Die Idee einer Klavierschlacht entstand auf der Stelle und es hat bereits mehrere ausverkaufte Tourneen für die Klavierschlacht in China, Hongkong und Taiwan gegeben. Ihrer Premiere in Deutschland beim Berliner Stadt-Klavierstadtkonzert von 2010, folgten in diesem Jahr Einladungen zum Beethoven Festival in Bonn und nach Schloss Elmau und es werden gewiss weitere in der nahen Zukunft folgen.
Das Programm – obwohl es nun auf der Planungsebene strukturierter und fortgeschrittener ist, “wir wissen, was wir zu tun haben, wenn sich ein Szenarium auftut oder ein anderes…” behält ihre Show einen wichtigen Aspekt dieser ursprünglichen Frische und ein Überraschungselement. Das Publikum wählt nach jeder Runde einen Gewinner und einen Verlierer aus, indem es eine schwarze oder eine weiße Karte hochhält, die ihm an der Eintrittstür gegeben wurden und mit dem weißen und dem schwarzen Anzug des jeweiligen Auftrittskünstlers übereinstimmen. In letzter Zeit haben sie das Anzünden eines Feuerzeuges hinzugefügt, um ein bißchen Markenpolitik beizugeben. “Das Gefühl, wenn ich verliere – nun ja,” sagt Kern mit einem provokativen Lächeln, “Paul hat sich daran gewöhnt! Aber ja, es gibt immer einen, der bei einer Sache besser ist und dennoch gibt es eine Balance. Wir gewinnen beide das eine oder das andere Mal. Ich habe es aber neulich eines Abends bemerkt, als Paul viele Fans für ihn hatte und einige Frauen ihm laut zujubelten. Letzendlich personifizieren wir die Persönlichkeiten, die wir wirklich sind. Paul ist ein größerer Träumer, der klassisch romantische Gentleman, der er nuneinmal ist; ich hingegen bin vielmehr ein rebellierender Punk am Klavier, aber wir parodieren nicht per se, wir sind nicht reine Komiker, obwohl wir Humor zum Klavierspielen bringen. Was Spaß macht, ist, dass wir den engen Rahmen des gewöhnlichen Bühnenerlebnisses weiter öffnen und ein weit gefächertes Programm spielen können. Wir lieben es, klassische Musik zu spielen und haben kein Problem, diese entsprechend den Wünschen des Publikums mit anderen Genres zu vermischen. Wir möchten die Botschaft der Offenheit rüberbringen, solange die Qualität stimmt und dabei schließen wir sowohl das Programm als auch die Präsentation mit ein. Aber wir stellen Fragen und mögen es, nach Alternativen Ausschau zu halten, “ein Prinzip, an dem sowohl Kern als auch Cibis, auch beim Klavier unterrichten, festhalten. “Am Ende geht es nicht darum, wer gewinnt, er oder ich.”
Natürlich, der wirkliche Gewinner wird hoffentlich das Publikum sein: Nehmen Sie die Schlacht in Washington wahr oder sehen Sie sie auf YouTube

Monday, January 14, 2013

Hanna Arie-Gaifman – Kollaboratives vom ‘92 Street Y’

Hanna Arie-Gaifman vom 92 Y, © Joshua Bright Photography








Als Direktor des ‘Tisch Center for the Arts’ am ‘92nd Street Y, an dem sie die 92Y Konzertreihe und das ebenso von der Tisch Famile gestiftete ‘Unterberg Poetry Center’ betreut, gibt Hanna Arie-Gaifman ihrer tiefsitzenden Leidenschaft und Kenntnis von Literatur und Musik nach. “Ich kam im Jahre 2000 an das 92Y,“ teilt Gaifman an ihrem kleinen Schreibtisch sitzend mit, auf dem sich in ihrem Büro im 4. Stock des Y Akten, Mitteilungen und Kataloge stapeln. Das Gebäude, in dem sie arbeitet, nimmt einen Häuserblock an der Lexington Avenue zwischen der 92. und der 93. Strasse ein. “Indem es Vortrefflichkeit in Literatur und Musik präsentiert, handelt es sich um eine erstaunliche Kombination, von all dem, was ich liebe. Es verfügt über eine lange Geschichte und Tradition sich selbst treu zu sein und setzt die eigene Integrität mit einer ehrlichen Suche nach den sich ändernden Verantwortlichkeiten in der kommunalen Umgebung und Anhängerschaft fort und erfüllt damit ein echtes, gesellschaftliches Bedürfniss.”



Nachdem Gaifman an der Rubin Academy in Jerusalem studiert hatte, hätte sie selbst eine Karriere als Konzertmusikerin in Betracht ziehen können, tat es aber nicht, da sie glaubte, dass ihre Fähigkeiten ihr es erlaubten, in anderen Bereichen des musikalischen Feldes, Größeres leisten könne. Es ist genau diesesTalent, Ideen und Kulturen zusammenzubringen, die bei den vielen verschiedenen Rollen, die sie als Musikmoderatorin bekleidete, durchschimmerte - lange bevor sie ihren Einfluss am 92 Y bemerkbar machte.



Als Dekanin der Mozart Akademie in Prag, Direktor der künstlerischen Leitung und internationalen Beziehungen an der Tschechischen Philharmonie und Direktorin des jährlich stattfindenen Prager ‘Festival Musica Judaica’ von 1993-2000 zeigte Gaifman ihre Fähigkeit bezüglich internationaler Kooperation und Management wie auch ihr großes Talent, das kulturelle Leben der post-kommunistischen Tschechoslowakei zu bereichern.



“Es war mir möglich, einiges an Zusammenarbeit mit der westlichen Welt im Allgemeinen zu verändern und im Besonderen einige der Wahrnehmungen zu verändern, zum Beispiel was die Bedürfnisse von Auftrittskünstlern angeht– selbst heute ist die Tschechische Philharmonie eine der unterbezahltesten Orchester in der Welt,” erläutert sie. Als Direktorin war Gaifman in der Lage, einige Banken dafür zu gewinnen, zusätzliche Finanzmittel für die Philharmonie zu garantieren und es gelang ihr, auch den hervorragenden Dirigenten Vladimir Ashkenazy für das Orchester zu gewinnen.



“Meine Freunde haben die ‘Musica Judaica’ initiiert,” sagt Gaifman, deren Muttersprachen Tschechisch und Deutsch und dann Hebräisch waren, und es erschien mir sinnvoll, das Festival zu organisieren und zu leiten. Ich wurde sehr von dem neuen Geiste inspiriert, der durch alle kulturellen Institutionen rauschte, die zuvor bestanden hatten und nun neu organisiert wieder aufblühten.” Sie hatte schon immer einen Hang für die Synthese von der Allgemein- und der Musikkultur – aber auch einen großen Gefallen daran, jüdisches Kulturleben wiederzubeleben, von dem Prag solch eine besondere Hochburg war.



“Ich habe immer, seit ich in meinen Endzwanzigern war, Musik präsentiert, angefangen im Jahre 1975 mit dem Jerusalem Festival” erklärt Gaifman (was im Jahre 1978 das Israel Festival wurde). Am 92Y Gaifman sieht sich als Teil von etwas, was dessen Gründer, deutsch-jüdische Unternehmer, die die “Hebräische Vereinigung junger Männer und Frauen” ins Leben riefen, sich in ihrer Bemähung um Spitzenqualität und einer aufrichtigen Sorge um den Zustand der Welt zum Ziel gesetzt hatten: “Wir hoffen Konzerte mit besonderem Inhalt vorzustellen oder Künstler, an die wir glauben, die nicht unbedingt auf den New Yorker Bühnen oft genug vorgestellt werden. Wir schauen uns verschiedene jüdische kulturelle Aspekte an und stellen eine Vielzahl von Themen innerhalb einer reichhaltigen Tradition von an Inhalten orientierten Programmen vor, die oft durch interdisziplinäre Kunstformen repräsentiert werden. Aber wir haben auch einfach großartige Auftrittskünstler, Meister auf ihrem Instrument, und … wir haben einen der Konzertsäle mit der besten Akustik in der Stadt New York, der für 917 aufmerksame, oft begeisterte Zuhörer Platz bietet.”                                                            
                                                                Hanna Arie-Gaifman vom 92 Y © Joshua Bright Fotographie



Gaifmans Programme haben was sowohl die Auftritte als auch ihre Inhalte anbelangt, eine Reputation für Vortrefflichkeit. Eine ihrer Spezialitäten ist es, Programme zu entwerfen, die Genres in einen interdisziplinären Austausch verwandeln und zwar mit einer einzigartigen Neigung die Grenzen zwischen Literatur und Musik ineinander übergehen zu lassen – beides Gaifmans großen Leidenschaften.



Kombinierte Auftritte unter einem Dach in einer freundlichen und gemeinschaftsfördernden Umgebung wie dem Y helfen dabei, den Künsten wieder Bedeutung als Bausteine von Kultur und Gemeinschaft zu geben. Erfahrung, Weitblick und die Art von praktischer Begeisterung sind erforderlich, wenn sie eng mit ihren Künstlern zusammenarbeitet, um das außergewöhnliche Programm zu schaffen, das in ihrer klassischen Konzertreihe offenkundlich ist.



Gaifmans Expertise in beiden Bereichen, sowohl der in Literatur als auch in der Musik, ist eindrucksvoll. Sie erwarb in Russischer und Englischer Literatur Bachelor Abschlüsse von der Hebräischen Universität, einen Magister Abschluss in Slawischen Sprachen und Literatur von der Stanford Universität und einen Doktor in Vergleichender Literaturwissenschaft von der Hebräischen Universität. Sie hat an der ‘University of California’ in Berkeley und an der ‘New York University’ unterrichtet.



Gaifman benutzt oft ihre sprachliche – und soziale Kompetenz, indem sie mit dem Publikum in einen Dialog tritt, aber sie merkt an, dass ihre Fähigkeit, sich fließend auf Englisch, Deutsch, Französisch, Hebräisch, Tschechisch und Russisch zu unterhalten, eine unerlässliche Hilfe dabei gewesen ist, auf bedeutungsvolle Weise die verschiedenen internationalen Künstler zu verstehen, die sie einführt.



“Ich genieße es ganz außerordentlich, diese Programme mit einem wundervollen Team zu schaffen. Ich halte immer nach Künstlern Ausschau, die zusammenarbeiten und Ideen austauschen können. Die interessanteren Künstler haben vielleicht eine große Vision von dem, was sie schaffen wollen, aber es ist immer jede Menge Teamarbeit notwendig, wenn man am 92Y ein Programm präsentieren will. Wir haben unseren eigenen Eingaben und Vorstellungen und müssen gut miteinander kommunizieren können.” Sie fährt weiter fort, indem sie die Intimität des Planungs- und Auftritts- Prozesses beschreibt, die sie mit dem renommierten Tokio Streichquartett durchlief, das sich bald auflösen wird und am 92Y einen seiner letzten Auftritte am 26. Januar mit einem Programm geben wird, dass Lera Auerbachs Premiere von ‘Farewell’ beinhalten wird, das vom 92 Y in Auftrag worden war. Das Quartett war für den Zeitraum von zehn Jahren am 92Y beheimatet. “Sie nannten mich ihr fünftes Mitglied, da ich immer soviel Input hatte, das Programm zu diskutieren,” lacht sie.






Foto: Hanna Arie-Gaifman und die Mitglieder des Tokio Streichquartetts, mit freundlicher Genehmigung des 92Y                                                                                                      
Lera Auerbach -F.Reinhold



Nun in ihrem 13. Jahr hat sich Gaifmans Programmarbeit für die klassische Musikreihe weg von der Potpourri-Behandlung der Musik hin zu zielgerichteteren Programmen fortbewegt, die individuelle Bedürfnisse befriedigen, wie die Konzentration auf bestimmte Auftragsvergaben der Premieren neuer Werke, wie beim zuvor genannte Stück von Lea Auerbach. Ihre Voraussicht weitet sich mit expandierenden Möglichkeiten aus. Momentan empfindet Gaifman, dass mit der Genehmigung der Künstler die Aufnahmen, die zu Dokumentationszwecken von allen Auftritten am Y gemacht wurden, gut genutzt werden könnten, würden sie der Öffentlichkeit freigegeben und zugänglich gemacht. Die letzte Aufnahme, an der der Y bei einer Koproduktion und Veröffentlichung tatsächlich teilhatte, war Claudio Abados letzter Live-Auftritt am 92Y im Jahre 1976.. “Einige Veranstaltungen werden bereits von Sendern wie NPR (National Public Radio) und WWFM (Classical Network) übertragen. Aber ich fände es prima, einen ‘Live” Konzertsaal mit live-Streaming aller Veranstaltungen zu haben,”sagt sie. Gaifman gelingt es, ihre umfassende und aufgeschlossene Sichtweise zu bewahren während sie sich gleichzeitig auf die kleinsten Details zu konzentriert. Sie sucht unermüdlich nach neuen Wegen, den Erkundungs-Willen ihres Publikums zu vergrößern und neue Hörer anzuziehen. Gaifmans Wunsch nach Expansion wird mit größter Wahrscheinlichkeit die Ausweitung auf weitere Standorte umfassen und so Downtown-Auftritte in ihre Programme der nicht zu fernen Zukunft mit aufnehmen.



Gaifman plant weit im Voraus, indem sie ungefähr vierzig klassische beliebte Konzerte pro Jahr kuratiert und die Mehrheit der Veranstaltungen eineinhalb Jahre in voraus ausarbeitet. Sie verhandelt die Zeiten und koordiniert eine breite Palette von Bildungs- und anderen Programmen, die sich an die Öffentlichkeit wenden und am selben Ort untergebracht sind. Ihre persönliche Teilnahme ist bemerkenswert, da sie fast all die Veranstaltungen, die sie plant, auch besucht. Über ihre begeisterte Schirmherrschaft sagt sie: “Wenn ich es nicht selbst genieße, warum sollte es das Publikum?”







Jeremy Denk – Bildnachweis Michael Wilson



Am 11. Februar wird der 92 Y eine von Gaifmans liebsten - sich gegenseitig erhellenden literarischen und musikalischen Veranstaltungen vorstellen, die sie geplant hat. Der Pianist Jeremy Denk, der ein leidenschaftlicher Darbieter der Werke von Charles Ives und ein passionierter veröffentlichter Autor mit dem interessanten ‘ThinkDenk’ Blog ist, wird Sektionen aus Ives’ transzendentalen Satzes seiner ’Concord Sonata’ darbieten, in der berühmterweise historische, literarische Pesönlichkeiten wie Emerson, Thoreau, die Alcotts und Hawthorne beschrieben werden; sein Auftritt wird durch die Lesung aus den Werken dieser Autoren begleitet.



“Für mich geht es darum, neugierigen Leuten zu dienen, [es geht] um die Qualität, die sie überzeugen wird, aktiv Kultur und die Erfahrung zu genießen. Bereits als ich Literatur unterrichtete, dachte ich mir im Stillen, dass es einen Unterschied ausmachen würde, wenn ich nur das Interesse eines einzigen Studenten gewinnen und eine Leidenschaft für Literatur, die ich so liebe, entfachen würde. Hier am 92Y ist der eine Platz in der Welt, der sich auf beide Welten, die ich liebe und verstehe, konzentriert – Musik und Literatur – und da wo ich einen Unterscheid ausmachen kann, da wirke ich gerne mit.”

Sunday, January 13, 2013

YCA Junge Konzertkünstler - Die Einführung und die Förderung neuen Talentes für die Zukunft des Musikmachens


Wirkliche Begeisterung und Weitblick sind erforderlich, um etwa angestrebten Wandel zu erzielen, von dem Politiker immerzu sprechen. Im wirklichem Leben sind es nur die energetischsten Macher, wie Susan Wadsworth von YCA, die, in diesem Falle im Bereich klassischer Musik in der Lage sind, neue Strategien und Veränderungen umzusetzen, die anhaltende Bedeutung für die Zukunft haben.
Es begann alles im Paterre-Loft eines Restaurants am Waverly Place im New Yorker ‘Greenwich Village’. Dem Eigentümer, einem jungen armenischen Architekten, gefiel die Idee von Susan, an seinem Veranstaltungsort Konzerte zu kuratieren. So räumte er an seinen freien Tagen die Tische weg und fügte seiner eigenen Hinweistafel, eine der ‘Jungen Konzertkünstler’ hinzu und hängte sie einfach vor Harout auf, um für die neu eingerichtete Konzertreihe zu werben. (Foto: Alfred Statler)

“Steinway stellte mir für jeden Weg jeweils 100 Dollar Transportkosten in Rechnung und gab mir ein großartiges Geschenk … einen wunderschönen Konzertflügel, der während der gesamten Spielzeit am Veranstaltungsort bleiben konnnte,” sagt Susan Wadsworth, ein Energiebündel von kleiner physischer Statur mit außerordentlich großen Zielen.
Selbst eine klassisch ausgebildete Pianistin, hatte sie bei den Klavierpädagogen Mieczyslaw Munz, Jean Casadeus und Nadia Boulanger studiert und wurde immer von Musiker-Freunden umgeben, von denen sie einige während ihrer Jahre am ‘Mannes College of Music’ kennengelernt hatte, als sie bei Frank Sheridan studierte.
Aber während sie einiges an dem erstaunlichen Talent ihrer Freunde bewunderte und sich eng mit Musik und ihrer Welt verbunden fühlte, lehnte sie für sich selbst eine Karriere als Konzertpianistin ab. Der entscheidende Moment kam, erklärte sie, “als ich gefragt wurde, Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 in A Dur mit dem Mannes Orchester zu spielen. Es wurde mir schnell klar,” gibt sie mit Erleichterung in ihrer Stimme vertraulich zu, “dass ich einfach nicht spielen wollte.”
Zunächst hatte die Absolventin des ‘Vassar College’, mit einem Abschluss in Englisch, keine wirklich klare Vorstellung, wo es hingehen sollte und versuchte sich in verschiedenen Dingen, darunter auch bei den Vereinten Nationen und in der Kinderbuchabteilung des ‘Rand McNally’ Verlages. Immer war jedoch verblieb sie mit einigen ihrer Musiker-Freunden in engem Kontakt, was schließlich zur Entdeckung ihrer eindeutigen Berufung führte: “Ein Freund beobachtete meinen Enthusiasmus, als ich meine Freunde spielen hörte und sagte mir, dass ich wahrhaftig an diese Musiker glaubte. So entschloss ich mich, etwas diesbezüglich zu tun.”
Foto von Alfred Statler: Wadsworth begann die Reihe ‘Junge Konzertkünstler’ im Jahre 1961 “mit der Unterstützung von einigen unternehmungslustigen Personen.” Die bestehende finanzielle Unterstützung für Kunst wurde hauptsächlich unter den großen Einrichtungen aufgeteilt und vornehmlich von privater Seite zur Verfügung gestellt. Schließlich diente Wadsworth als Beraterin beim ‘New York State Council on the Arts’ und dem ‘National Endowment for the Arts’ und wurde Mitglied der nationalen Beratungsausschüsse des ‘Avery Fisher’ - Preis Programms, des ‘Van Cliburn’ Wettbewerbs und der ‘Young Audiences, Inc.’

Von Anfang an begriff sie, dass selbst die talentiertesten, jedoch jungen und noch unbekannten Musiker sich einem enormen Mangel an Auftritts-Gelegenheiten, gegenübersahen. Sich dabei abzukämpfen, mit etablierten Künstlern zu konkurrieren und ihre Karrieren voranzutreiben , hinter denen eine ganze Maschinerie von Managern, Werbe- und PR- Leuten stand, stellte eine enorme Herausforderung für einen jungen, am Anfang seiner Karriere stehenden Künstler dar. Das galt besonders, wenn man sich der schwerwiegendsten Herausforderung stellen musste: ständig seine Fähigkeiten zu vervollkommenen und sich der Kunst des Musikmachens zu verschreiben. Sie liebte und bewunderte die jungen Künstler und sie wollte einen Unterschied in ihrem Leben ausmachen. Und da viele von ihnen, anfangs zudem auch ihre engen Freunde waren, wurde Wadsworth so einfallsreich wie sie ambitioniert war und YCA erwuchs aus einer anfänglichen Reihe mit 13 Konzerten zu einer international hochgeachteten und bedeutenden Institution. Ihre anwachsenden Dimensionen und ihr logistischer Ablauf ebenso wie auch die finanziellen Grenzen machten ständige räumliche Veränderungen erforderlich. Und so zog die ‘Junge Konzertkünstler’ Reihe von Harout, in das ehemalige ‘Brownstone’ Haus der ‘Mannes School of Music’ an der 74. Strasse, dann weiter zum kleineren Carnegie Konzertsaal (nun ‘Weill Hall’ genannt), zum Hunter College, in das ‘92nd Street Y’, zur ‘Zankel Hall’ und seit 2011 ist sie in der ‘Merkin Hall’ beheimatet. Wadsworth war damit beschäftigt, einem ständig immer größer werdenden Zustrom von Künstlern und Publikum die Türen zu öffnen.
Indem sie ihre Hörproben in Leipzig und New York abhalten, wählen YCM ein Sortiment an Auftrittskünstlern (und neuerdings auch Komponisten) aus, für die sie Konzerte an verschiedenen Auftrittsorten in New York, am Kennedy Center in Washington, D.C. und quer über die USA verstreut wie auch im Ausland bieten. Es gibt Festivals der ‘Jungen Konzertkünstler’ in Tokio und Peking. Aber was vielleicht ebenso sehr heraussticht, ist YCAs fachmännische Anleitung, die persönliche Betreuung und Werbematerial für jeden Künstler enthält.
Das wird alles Teil davon, ein YCA Künstler zu sein. Und die Presse schenkt dem Aufmerksamkeit. ”Mit den Jungen Konzertkünstlern können Musikliebhaber ohne Zweifel sich im Wissen glauben, dass sie die Crème de la Crème aus der ganzen Welt hören,” schrieb die Huffington Post. In der Washington Post wurde bemerkt, dass “YCAs Erfolgsgeschichte, die Stars von Morgen wirklich treffsicher herauszufinden, einfach unglaublich ist.”
Foto von Steve Sherman: Mit freundlicher Genehmigung von YCA - Künstler des Konzertes zum 35. Jubiläum. Erste Reihe: Nokuthula Ngwenyama, Yesun Kim, Richard Goode, Susan Wadsworth, Alban Gerhardt, Beverly Hoch, Toby Appel, Benny Kim. Zweite Reihe: Carter Brey, Chee-Yun, Anne-Marie McDermott, Scott St. John, Marya Martin, Jospeh Kalichstein, Ruggero Allifranchini, Hsin-Yun Huang, Geoff Nuttall, Ilana Vered, Nicolas Kitchen, Ida Kavafian, Makoto Nakura, Chris Pedro Trakas, Fred Sherry.

Es gibt etwas Einzigartiges an YCA, was ihr Herzstück von anderen Organisationen abgrenzt. “Anders als bei Wettbewerben, bei denen es für Auftrittskünstler darum geht, gegen andere zu konkurrieren, um zu gewinnen, werden die YCA Künstler auf der Basis ihrer individuellen künstlerischen Verdienste ausgesucht,” meint Wadsworth. “Jede Anzahl an Instrumentalisten kann gewinnen, das ändert sich von Jahr zu Jahr. Wir entscheiden über die Einzelpersonen statt über Instrumentenkategorien. Dieses Jahr waren unsere fünf Gewinner die Sopranistin Julia Bullock, das Hermes Quartett, der Pianist Ji-Yong, die Cellistin Cicely Parnas und der Geiger Aleksey Semenenko. Die ‘Jungen Konzertkünstler‘ präsentieren die auserwählten Künstler bei Konzertdebüts und als Konzert-Solisten: ‘Wir selbst stellen keine finanzielle Unterstützung zur Verfügung, wir buchen sie für Konzerte, so dass sie professionelle Konzerthonorare verdienen, von denen wir eine symbolische Provision nehmen, die zwei Prozent unserer jährlichen Kosten deckt. Aber all die Dienstleistungen und Gelegenheiten, die wir den Künstlern bieten, werden von unseren musikliebhabenden Spendern und interessierten Stiftungen durch unsere Fundraising-Bemühungen möglich gemacht. Ohne diese Unterstützung könnten wir nicht überleben!” verlautbart Wadsworth.

Foto: mit freundlicher Genehmigung von YCA. Im Weißen Haus 1993: Geoff Nuttall, Lesley Robertson, Chee-Yun, Barry Shiffman, Marina Hoover vom St.Lawrence String Quartett, Hillary und President Clinton, Camellia Johnson, Neal Goren, Akira Eguchi, Isaac Stern, Susan Wadsworth.
Im Jahre 1993 gaben die ‘Jungen Konzerkünstler’ auf die Bitte des inzwischen verstorbenen großartigen Geigers Issac Stern nach einem Abendessen zu Ehren der Empfänger der ‘National Medal of Arts’ ein Konzert für Präsident Clinton und Frau Clinton im Weißen Haus. Wadsworth hat für ihre unermüdlichen Bemühungen und ihren Erfolg viel Anerkennung erfahren. Im Jahre 2005 nahm Frau Wadsworth den ‘Angel Award’ entgegen, der den ‘Jungen Konzertkünstlern’ von der ‘International Society of Performing Arts Administrators’ verliehen wurde. Sie erhielt ebenfalls die Ehren-Doktorwürde vom ‘Mannes College of Music’ und der ‘Manhattan School of Music’.
Sitzt man in Wadworths Büro, das voll von Fotos der großartigen Erfolge ihrer Künstler ist, täuscht ihre jugendliche Energie nicht über die Tatsache hinweg, dass sie nicht einen Moment Pause macht, wenn sie dem nachgeht, was sie am Liebsten macht: zugunsten Ihrer Künstler tätig zu sein.
Obwohl sie allein begann, wurde ihr klar, als YCS am Wachsen war, dass sie Hilfe benötigte. “Ungefähr im fünften Jahre stellte ich eine Assistentin ein, die sich als eine treibende Kraft herausstellen sollte. Wenn es um die Buchung von Konzerten ging, war Ann Dunbar unschlagbar,” erinnert sich Wadsworth. Ihr Team wuchs an und umfasste außergewöhnliche Leute wie Edna Landau, Judith Kurz und Nancy Wellman, alle große Damen, die damit fortfuhren, in der Musikindustrie wichtige Rollen zu spielen. ‘Associate Director’ Mark Hayman, Monica Felkel, ‘Director of Management’ und Rong-Hong Ma, für die Finanzen zuständig, sind einige der Mitarbeiter, die sie mit voller Anerkennung erwähnt, arbeiten mit ihr seit mehr als 25 Jahre zusammen. Sie schätzt auch YCAs ‘Artist Managers’ Monica Felkel und Vicki Margulies für ihr großes persönliches Interesse und deren sachkundige Anleitung, die sie jedem Künstler auf ihrer Liste bieten.
Es gibt jede Menge kleinste Details zu bedenken, wenn man junge Künstler berät – wie ein spannendes Programm aus dem Repertoire zu schmieden, dass ein Künstler mitbringt.“ Als ich anfing, war ich im Grunde im gleichen Alter wie die Musiker und das beinhaltete auf ganz natürliche Art und Weise großartige Freundschaften. Nun habe ich bereits eine neue Generation von Künstlern, die Schützlinge großartiger Alumni wie Pinchas Zukerman, Emanuel Ax und Ida Kavafian sind. YCA Alumni sind ebenfall äußerst großzügig darin, Benefizkonzerte zu spielen, die für uns so unerlässlich sind.”
Foto: Stanley Jesudovich: mit freundlicher Genehmigung von YCA – Die ersten drei Vorsitzenden des YCA Alumni-Verbandes:Ruth Laredo, Emanuel Ax, Eugenia Zukerman.
Susan ist seit 1966 mit Charles Wadsworth verheiratet, dem charismatischen Gründer und ehemaligen Direktoren der Kammermusik Reihe des Spoleto Festivals in Italien und in Charlston, South Carolina, der im Jahre 1969 die Kammermusik Gesellschaft am Lincoln Center gründete und das brachte den ‘Jungen Konzertkünstlern’ damals sicherlich auch viel Öffentlichkeit. „Er hörte all meinen Konzerten zu und natürlich, wenn er jemanden wirklich mochte – wie Richard Goode oder Paula Robison – würde er es in Betracht ziehen, sie vorzustellen. Immerhin konnte er Künstler eines jeden Managements in der Welt aussuchen.”
Die große Erfolgsrate von YCA Künstlern hat sicherlich im Kern damit zu tun, von einer Jury mit großer Einfühlsamkeit in New York und seit 1994 in jedem zweiten Jahr in Leipzig unter der Aufsicht von Professor von Hand aus ausgesucht zu werden. Shapiro, ein Pianist, war einer von Wadsworth ersten Künstlern und spielte in der ersten Reihe von YCA.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von YCA. Das erste europäische Probevorspielen in Leipzig” von links nach rechts: Stefan Schönknecht, (Mendelssohn Hochschule Koordinator), Mark Hayman; Gewinner Diana Doherty (Oboist) und Fazil Say (Pianist); Juroren: Joel Shapiro, Susan Wadsworth, Kurt Masur, Lorraine Nubar, Marya Martin und Christiane Edinger.

Künstler, die beim Wettberwerb gewinnen, werden für ein Minimum von drei Jahren in die Riege aufgenommen, aber oft werden es fünf oder sechs Jahre. Der zeitliche Rahmen ist flexibel. Wenn wir jemanden auf die Liste setzen, fühlen wir uns ihnen voll und ganz verpflichtet und unterstützen sie best möglich, solange wir denken, dass wir ihnen helfen können. Es ist immer unterschiedlich: Einige werden schnell von einem kommerziellen Management unter Vertrag genommen, die Karrieren anderer entwickeln sich langsamer. Es ist immer sinnvoll ihnen Auftrittsmöglichkeiten zu gewähren, und das persönliche „unter die Arme greifen“ ist meist auch sehr hilfreich, da die jungen Talente an einem aufregenden Wendepunkten in ihrem Leben zu uns kommen, wenn sie auch noch sehr verletzbar sind."
Wadsworth erfreut sich aufgrund ihrer Expertise großer Nachfrage und ist über die Jahre hinweg unter den Juroren verschiedener Wettbewerbe gewesen, darunter der ‘Vendôme Prize Piano Competition’ und Konzertwettbewerben am ‘Peabody Conservatory of Music’, der ‘Manhattan School of Music’, dem ‘Bard College Conservatory of Music’ und der ‘Yale School of Music’.
Es muss Wadsworth mit grosser Befriedigung erfüllen, besonders angesichts der Liste der anerkennden Bekundungen, wie die der des Geigers Pinchas Zukerman, zurück zu blicken : "Wie unglaublich es ist, dass 50 Jahre vergangen sind! Man könnte meinen, dass es gestern gewesen wäre, als ich herumreiste, um Konzerte zu geben, die durch YCA arrangiert worden waren. Es war so eine fantastische Zeit, der Auftakt zu einer der unglaublichsten Reisen.”
Der junge Pianist Louis Schwizgebel, YCA Gewinner im Jahre 2007, erzählte mir vor Kurzem persönlich davon, wie freundlich und personenbezogen für ihn von den YCA gesorgt wurde, als er aus Genf nach New York kam, um sein Studium an der Julliard School fortzusetzen.

Foto von Christian Steiner: Pianist Louis Schwizgebel
Er kommentierte die fortwährenden Bemühungen von YCA, ihm Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen und seine Karriere zu fördern. Er war begeistert, dass er am 16. Mai, am Abend der YCA Benifiz-Gala, in der ‘Alice Tully Hall’ sein New York Debüt mit dem ‘Orchestra of St. Luke’s’ haben wird, wenn er Beethovens erstes Klavierkonzert in C-Dur spielen wird. Zwei weitere YCA Solisten stehen ebenfalls auf dem Programm.
Wadsworth erklärt es genau in aller Kürze: “Großes Talent zu haben ist wesentlich, aber das allein reicht oft nicht aus, dass etwas passiert und daraus wird. Wir machen alles möglich, was in unserer Macht steht, um unsere YCA Künstler in die Lage zu versetzen, die berufliche Anerkennung im Leben zu erreichen, die sie verdient haben und dem Publikum überall die Freude zu geben, ihre Talente bei deren Auftritten selbst zu entdecken!”

Sunday, December 23, 2012

Bruce Brubaker – Nico Muhlys gemeinschaftsstiftender Aspekt von Musik



In diesem Monat präsentierten der Pianist Bruce Brubaker und die Viola-Spielerin Nadia Sirota im Poisson Rouge Musik von Philip Glass und Nico Muhly. Beide Musiker sind äußerst vielseitig und talentiert, was das traditonelle klassische Genre ihrer Instrumente betrifft. Außerdem machen sich beide für einige der faszinierendsten Beispiele heutiger Musik stark: die Art von Musik, die auf der klassischen Idee von Komposition und Notensätzen beruht, aber hinsichtlich einer positive Wirkung weniger von der perfekten Planung abhängig ist. Beide Musiker kommunizieren großartig und in bester Ausführung. “Die Freiheit, die mit dieser Musik einhergeht,” staunt Brubaker, “wo der Prozess des Spielens ein solch integraler Bestandteil deren Formulierung ist, ist auch sehr inspirierend und unterstützt eine andere Art von Anerkennung. Sie ist nah am Puls der Zeit – eine Momentaufnahme, die sehr aussagekräftig, eine Art Ausdruck des Zeitgeistes ist.” Er führt fort: “Teil dessen, was Nico vielleicht eine noch nie da gewesene breite musikalische Reichweite gibt, verleiht ihm in der Musikwelt eine einzigartiges Ansehen.” Durch seine Reichweite und Vielseitigkeit, haben Muhlys Arrangements für die Pop Szene und Filmmusik seine Partituren von Pop Ikonen wie Björk und Grizzly Bear bis zur ‘Metropolitan Opera’, zur ‘Alice Tully Hall’ und darüber hinaus gebracht.
Brubaker hat soeben mit Nico ‘Drones’ in Island auf dem ‘Bedroom-Community’ Label aufgenommen: eine Auftragsarbeit vom “S. Gilmore International Keyboard Festival’ aus dem Jahre 2010. Das Album beinhaltet ‘Drones’ & Piano, ‘Drones’ & Viola und ‘Drones’ & Violine, dargeboten von Brubaker, Sirota und Pekka Kuusisto Seite an Seite mit Nico Muhly und gemischt von Valgeir Sigurðsson & Paul Evans, der ebenfalls der Produzent ist. Im Begleitinfo zu ‘Drones’, beschreibt Muhly “die Erstellung harmonischer Ideen zu einer statischen Struktur,” und weisst darauf hin, dass, “die Idee nicht viel anders ist, als beim Staubsaugen mitzusingen.”
Sirota, eine langjährige Mitarbeiterin und enge persönliche Freundin von Muhly meint: “’Drones’ erwuchs aus einer Reihe von Stücken für Viola und Elektronik und dadurch, dass ich immer wieder meine Telefonnummer herleierte, woraus die Etüde Nr. 2 entstand, das erste der ‘Drone’ Stücke. Viele ‘Drone’ Stücke wurden in vorab-aufgenommenem Sound zusammengefasst, der tiefgreifend strukturiert ist und (das ist jetzt Brubaker zufolge) sehr klar den großen Einfluss von Valgeir auf Nicos Werk aufzeigt. Es zerbarst an Struktur und wurde wirklich drei-dimensional.”
Foto: Copyright Stern Weber Studio / Bruce Brubaker und Nadia Sirota im lePoisson Rouge


Brubaker erläutert: “Nico machte den ursprünglichen elektronischen ‘Backtrack’, aber was man auf der Aufnahme hört, ist ganz anders. Es klang sogar zum Teil noch mehrschichtiger. Aber darin besteht der aufregende Prozess mit einem lebenden Komponisten wie Nico zusammen zu arbeiten – die Aufnahme ist nicht mehr die endgültige Fassung, aber ebensowenig der Auftritt. Musik wird im Moment viel lebendiger. Vielleicht vergleicht man es am besten mit den Zeiten von Komponisten wie Mozart, Bach, Monteverdi …, die ein Stück für ein Orchester schrieben, aber im Laufe der Zeit von verschiedenen Instrumenten gespielt wurden, so dass das Stück jedesmal ein anderes wurde.”
Im Geiste der Spontanität ist Nico der Typ von Musiker, der nicht exakte Anweisungen gibt. Dies könnte daher kommen, dass er seine Auftrittskünstler sehr gut kennt; Nico ist mit Brubaker seit seinen Jahren bei Julliard vertraut, als Brubaker, der gegenwärtig bei NEC unterrichtet, ebenfalls Fakultätsmitglied bei Julliard war und eines seiner Werke in Auftrag gab. Sirota ist ja sowieso eine langährige Freundin und begeisterte Promoterin von Nicos Werk. Es könnte jedoch ebenso die Folge eines fehlenden Perfektionismus sein, der das begeitet, was bei diesem kreativen Material herauskommt, das manchmal von Muhly selbst wie auch von seinen Kritikern als auffällig umfangreich betrachtet wird. Auf seinem Blog klagt Muhly: “Ich habe sehr viel an Musik geschrieben, viel davon besteht aus langen Stücken für große Ensembles. Es verschaffte mir eine Pause, denn ich hatte in den vielleicht letzten achtzehn Monaten nicht wirklich einen Moment mich umzuschauen, was passiert und diese Liste war eine Art vergrößerter, zehnfacher Ruck für mein System. Mein erstes Gefühl war eines totaler Erschöpfung, der nächstliegendste Vergleich, den ich ziehen kann, ist es, einfach eine lange Zeit zu laufen – die wirkliche Müdigkeit setzt ein bisschen später ein, mit Verspätung und wird manchmal von einem entstellten Zehnagel oder einem schmierigen Schweißflecken auf dem Unterarm ausgelöst. Die zweite Gedankenrunde, die sich auf dieses Dokument bezog, war alamierender: taugt irgendwas von dieser Musik?”

Foto: Copyright Stern Weber Studio - Bruce Brubaker und Nadia Sirota im lePoisson Rouge

Aber Brubaker ist eher einer unbeschwerteren, großzügigeren und weniger kritischen Haltung zuzuordnen: “Nico sagt immer selbst: man muss jeden Tag essen und nicht jede Mahlzeit wird die großartigste sein,” was Nicos Weigerung hinsichtlich des Spielens seines Werkes sowohl von Brubaker als auch Sirota erhellt, zu kritisch oder eigen zu werden.
“Er ist der ungewöhnlichste, großartige Mitarbeiter, der herausfindet, was an den Leuten um einen herum faszinierend ist und das kann ein großartiges gemeinschaftliches Ergebnis hervorbringen,“ meint Sirota. “Ich mag das wirklich sehr und das ist der Grund, warum ich es sehr gut kann. Und er weiß das und gibt mir einen Freibrief. Er erstellt nur Gesten, keine harte Partitur für mich, keine Angabe- es ist nur Kurzschrift und lässt viel Raum für Interpretation.”
Im Februar nahm Muhly mit Philip Glass an einem Komponisten Panel in der ‘Armory’ an New Yorks Park Avenue teil. Glass, für den Muhly über sechs Jahre hinweg arbeitete und den Muhly als einen großartigen Mentoren beschreibt, sagte etwas bemerkenswertes über den kreativen Prozess, den er und Muhly weiter durchlaufen: “Musik ist ein Raum.”

Foto: New York Times - Nico Muhly
Stellt Musik für Glass einen Raum dar, so ist es mein Eindruck, dass Muhly mit seinem einzigartigen Ansatz bezüglich von Komposition und Auftritt danach Ausschau hält, diesen Raum mit Gemeinsamkeit auszufüllen. Die Überlagerung des Komponierten mit dem Improvisierten schafft eine freistehende, unabhängige Struktur und die Bandbreite deren Möglichkeiten verleiht der Musik ihr Eigenleben.
Gemäß Brubaker: “…fügt sich alles zusammen und man gelangt dahin, verschiedene Perspektiven zu sehen.” In den ‘Drone’ Stücken hört man nicht eine einzige Improvisation, aber die Schichten an Fantasie schaffen eine eingestellte Aufnahme, die eine ‘live’ Perspektive verkörpert. Als ich Brubaker fragte, ob der Auftritt schwer ist, führt er an: ”Einiges ist eine Herausforderung, was die pianistischen Fähigkeiten betrifft, wie die wiederholten Akkorde und Arpeggio Figuren über längere Zeit, die es erforderlich machen, die Hände zu überkreuzen und längere Distanzen zu überspringen. Und dann tut er es mit einem Lachen ab und wirft er ein: “es ist wie Rock ‘n Roll.”
Einiges von Muhlys Musik scheint wirklich beim Spielen Spaß zu machen und es macht Spass anzuhören; bestimmte Strukturen und hohe Tonlagen in seinen Stücken erscheinen fast leichtfertig unbeschwert, aber beinhalten auch viele ernste Elemente. Brubaker ist überzeugt, dass Muhlys Musik “sorgfältig durchdachte Strukturen” vermittelt “und mit den darin gegebenen Querverweisen anerkennt, dass Musik uns allen gehört – es ist ein gemeinschaftliches Produkt.”
In seinem Buch Far From the Tree [Weit vom Baum] widmet Andrew Solomon Wunderkindern und ihrem Aufwachsen ein Kapitel und stellt heraus, dass ihre Kindheit bemerkenswert anders verläuft, als es die Norm ist. In diesem Kapitel wird Muhly als “Fabeldichter” zitiert, “für den die Wahrheit nicht in Glanze erstrahlt”, aber das selbstzerstörerische Verhalten, das in Muhlys Leben in Form “der Ausbildung einer Zwangneurose mit einem starken depressiven Unterton trat,” wie sowohl Solomon als auch Muhly selbst beschrieben, stand im Dienste seiner musikalischen Komposition. Darüberhinaus hatte er seine Kunst immer besonders im Kopf und das zog ihn oft sehr schnell in sehr unterschiedliche Richtungen. Er reichte “eine manischen Fuge” ein, als er sich für ein Doppelstudium an der ‘Julliard School’ und der ‘Columbia University’ einschrieb. Wie er darstellt: An einem Tag war es Messaiën und am Nächsten war es – als ob ich alles über Marimba in Erfahrung bringen wollte … Diese Musik machte mich so wahnsinnig und glücklich, als ob sie ein Betäubungsmittel wäre.” Muhlys Neugierde das zu entziffern, was sich hinter der Musik verbirgt – das Verstehen und das Wiedererschaffen musikalischer Bedeutung – stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Begabung dar. Er sagt über seine Auseinandersetzung mit seinem Talent: “Ich habe keine Ambition, ich habe nur eine Bessessenheit.”
Ich erwähnte gegenüber von Sirota, dass, nachdem ich Muhly bei der Premiere seiner Far Away Songs in der Alice Tully Hall persönlich kennen gelernt hatte, ich das Gefühl gehabt hätte, dass seine Musik seiner Persönlichkeit total entsprechen würde. Sie umarmte mich fast und sagte: Das genau ist es, wenn man das fühlt und das versteht, mag man es.”
Ilona Oltuski

Wednesday, December 12, 2012

Julian Rachlin auf der Violine/Viola – Itamar Golan auf dem Klavier - Brahms’ vollständiger Sonaten Zyklus für Violine/Viola in fantastischer Teamarbeit dargebracht

Man höre die zweite Hälfte diesen Samstag, dem 8.Dezember, als Violinist/Violaspieler Julian Rachlin und Pianist Itamar Golan am 92Y ihre Suche fortsetzen, die Kunstfertigkeit von Johannes Brahms’ vollständigem Zyklus für Violine und Viola zu erkunden (das Konzert beginnt hier um 19 Uhr 30). Das temperamentvolle Team begann mit großem Gusto während ihrem ersten von zwei Auftritten gestern Abend (dem 5. Dezember) ihr ambitiöses Unternehmen, das den vollständigen Sonaten Zyklus für Violine /Viola von Brahms umschließt. “Julian ist ein Künstler, der wirklich spontan und in diesem Sinne fabelhaft abenteuerlich, jedoch zur gleichen Zeit für den Partner ein bisschen unberechenbar ist. So muss man immer auf Überraschungen gefasst sein. Das hält einen auf Trab, aber es ist sehr spannend!” meint Itamar Golan, der mich mit seinem unglaublich sensiblen Anschlag gestern abend beeindruckte. Es war oft so, als ob er den hinreißenden Klang von Rachlins Violine (oder abwechselnd von seiner Viola) mit hervorragender Zurückhaltung aufrecht erhielt, dennoch war Golans Entschluss, die Violine /Viola scheinen zu lassen, ein Zeichen der Stärke und Beherschung, nicht der Schwäche. “Besonders als Partner gibt es Momente, wenn die Musik mit all ihrer Stärke aus dir hervorbrechen muss und es gibt solche Momente, wenn man die Musik in einem selbst aufrecht erhalten, bestimmte Farben hervorholen, das volle majestätische Gewicht zurückhalten muss und nicht den (die) Partner. Man muss auf natürliche Weise fähig sein, sich einander dem Klang des anderen anzupassen. Das ist das Schöne daran, was ich tue; als Partner bringen wir in uns gegenseitig unterschiedliche Sachen hervor. Das ist ein wichtiger Bestandteil der Magie des Zusammenspielens, es geht nicht nur darum, sich gegenseitig zu unterstützen, oder auf der gleichen Seite oder vielmehr gleichen Wellenlänge zu sein, es gibt eine größere, geistige Verbindung; etwas, was weniger sichtbar, aber sehr beständig ist: man entlockt der anderen Person, der man sich gegenübersieht, andere Kräfte; und auch umgekehrt, die Person, mit der man zusammenarbeitet, bringt in dir andere Qualitäten hervor.” Wie Golan andeutete, seine gemeinsamen Auftritte mit Julian sind immer etwas besonderes, da viele Aspekte ihrer Arbeit ungeplant bleiben und spontan aus der Dynamik auf der Bühne erwachsen, was ihre gemeinsamen Shows einzigartig und unglaublich aufregend macht. Diese Spontanität kam besonders in ihren bezirzenden virtuos aufgeführten Zugaben zum Ausdruck: Kreislers Liebesleid und Liebesfreud. Golan beschreibt sich selbst in seiner bescheidenen und dennoch direkten Ehrlichkeit als ein bisschen komplizierter Charakter und erläutert mir, dass er sehr emotional auf die Umstände des persönlichen Lebens reagiert und auch jede Menge Fluktuationen in seinen persönlichen Beziehungen erfahren hat. Ungeachtet dessen weist er darauf hin, dass er und Rachlin es geschafft haben, eine bemerkenswert enge Freundschaft und professionelle Beziehung über vierzehn Jahre aufrechtzuerhalten: “Wir hatten uns zum ersten Mal bei den Konzertauftritten des jeweils anderen in Wien und Paris getroffen und entschlossen uns schon kurz darauf zusammen aufzutreten und aufzinehmen und wir planten fortwährend viele Projekte in ganz unterschiedlichen Umgebungen zusammen.” Das Duo tritt oft mit Misha Maisky auf und mit Rachlins ehemaliger Freundin, der Violinistin/Violaspielerin Janine Jansen, um nur wenige von ihrer berühmten Liste zu nennen. Heute konzertiert Golan um die Welt und schätzt, dass es sich um ca. neunzig Auftritte jährlich handelt. Golan war zuvor mit Brahms Sonaten Zyklus für Viola/Violine mit dem hervorragenden Künstler Shlomo Mintz aufgetreten und nahm den Set im Jahre 2003 auf dem Avie Label auf. Beide schlossen sich auch mit dem Cellisten Matt Heimovit zu einem Trio zusammen. Weitere eindrucksvolle Duo-Partnerschaften umfassten die Violinisten Vadim Repin und Maxim Vengerov. Golan hat für solche renommierten Labels Deutsche Gramophone, Decca, Teldec, Sony Classical, EMI und Warner Classics Aufnahmen gemacht. Zu einem früheren Zeitpunkt seiner Berufslaufbahn, als er in Israel aufwuchs, verfolgte Golan zuerst eine Karriere als Konzertpianist und trat im Alter von sieben Jahren auf den Bühnen für Klavier in Israel auf. Er wurde mit einem Stipendium am NEC von dem berühmten Pädagogen Robert Shure akzeptiert, der ihn bei einem Besuch in Israel hörte, aber Golan entschloss sich dazu, seinen Platz am Konservatorium freizugeben, da er sich ungenügend ausgerüstet fühlte, sich daran zu gewöhnen, Teil einer großen Institution zu sein. Golan durchlief eine rebellische Phase.Er verbrachte seine angsterfüllten Teenager Jahre indem er unterschiedliche Identitäten auskundschafte, verschiedene Länder und Religionen erkundete und “sich selbst suchte.” Golan fand schließlich einen Weg, um zurück zur Musik zu finden: “Ich dachte, ich würde nie wieder spielen, aber es schien mein Schicksal zu sein, ein Partner am Klavier zu werden. Meine Teenager Angst war notwendig, um für eine gewisse Zeit mein Leben völlig von der Musik zu trennen und das ermöglichte es mir, meine Liebe für sie erneut zu entdecken. Als ich mit einer Gruppe von Freunden spielte, erkannte ich, dass es das war, was ich am liebsten machen wollte.” Im Jahre 1991 wurde Golan der jüngste Lehrer an der ‘Manhattan School of Music’ und seit 1994 hat er eine Stelle als Professor für Kammermusik am Pariser Konzervatorium inne, wo er mit seiner Ehefrau Natsuko und ihrem gemeinsamen Sohn wohnt.
Ilona Oltuski

Sunday, December 2, 2012

Pianist Roman Rabinovichs kreative Huldigung des künstlerischen Ausdrucks

(Selbst-Porträt des Künstlers)
Am Samstag, dem 15. Dezember 2012, um 19 Uhr, wird die Arthur Rubinstein International Music Foundation ihr Zankel Hall at Carnegie Hall Konzert zu Ehren eines der größten aller Pianisten des goldenen Zeitalters päsentieren – Arthur Rubinstein. Der Pianist Roman Rabinovich ist einer der zwei ausgewählten Pianisten /Pianistinnen, die bei dieser Veranstaltung spielen werden, die andere ist Anna Fedorova. Jeder dieser beiden talentierten Musiker besitzt innerhalb seines Handwerks besondere Eigenschaften und zusammen werden sie sicherlich dem Gedächtnis des großen Meisterpianisten Arthur Rubinstein gerecht werden. An diesem Abend wird ebenfalls ein kurzer Dokumentarfilm über Rubinsteins historischen Konzert-Auftritt im Jahre 1945 in San Francisco präsentiert, wie auch eine Ausstellung von Porträtaufnahmen und Fotografien, auf denen Rubinstein zu sehen ist und die teilweise aus der Sammlung seiner Tochter Eva stammen. Das Musikfestival der Stiftung begann im Jahre 2008 in Lodz, dem Geburtsort von Rubinstein. Rabinovich, der als Preisträger des ‘Arthur Rubinstein International Piano’ Wettbewerbs (nicht mit der zuvor genannten Gastgeberorganisation in Beziehung stehend) in Israel, aber auch mit großem Beifall in Europa und Amerika aufgetreten ist, wurde die Gelegenheit gegeben, ein Programm auszuwählen, das ihm besonders am Herzen liegt. Er teilte mir mit Enthusiamus mit, dass Prokowjews Romeo und Julia (drei Stücke), seine Arrangement von Ravels ‘Daphnis und Chloé’ wie auch Strawinskis ‘Petruschka’, welche sich seiner im Programm stehenden Haydn-Sonate in As-Dur Hob.XVI/46 anschliessen, schon seit einiger Zeit seine volle Aufmerksamkeit erfahren.
“Petruschka und Ballerina” Zeichnung von Roman Rabinovich
Eine Aufnahme dieser auf das Ballet bezogenen Klavier Interpretationen wird im Frühjahr 2013 auf dem Orchid Classic Label herauskommen. Die Faszination, die Rabinovich diesen Stücken und deren Aufnahme entgegenbrachte, erwuchs aus seiner Bewunderung dieser Epoche und ihrer unverwechselbaren künstlerischen Ausrichtung: Paris im frühen 20. Jhrd., angefüllt mit vitaler Schöpfungskraft und gegenseitiger Befruchtung der Künste und Künstler, mit einem charismatisch aufgeladen Duft von Kreativität. “Je mehr ich über dieses Zeitalter gelernt habe, desto mehr wollte ich ihm persönlich Ehre erweisen” meint Rabinovich. Alle drei Komponisten haben eng mit den Ballet Russes zusammengearbeitet, wenngleich zu etwas unterschiedlichen Zeiten: ‘Daphnis und Chloé’ wurde im Jahre 1910 geschrieben, ‘Petruschka’ im Jahre 1911 und ‘Romeo and Julia’ erst 1935. Trotz all ihrer ästhetischen Unterschiede sieht Rabinovich den roten Faden, der sich durch sie hindurchzieht: “Sie wurden von der Energie und dem Charme eines einzigen Mannes, einer Naturkraft inspiriert– Sergei Djagilew! Sie gehören zum Zeitalter der Ballets Russes, die auch noch auf die künstlerischen Tendenzen der nächsten Generationen einen tiefgreifenden Einfluß hatten, indem sie Avantgarde Musik, Tanz und Ausdrucksform auf eine neue und innovative Weise verschmolzen.” Es war vorallem Rabinovichs besonderes Interesse an dem russischen Künstler Leon Bakst, der berühmt für seine Bühnenbilder vieler Djagilew Produktionen ist, das ihn auch zu anderen Djagilew Stars führte, einschliesslich zu Nijinsky, Pavlova, und Picasso, wie auch Strawinski, Ravel und Prokowjew. Obwohl er keine Ausbildung in bildender Kunst genossen hat, besitzt er offensichtlich künstlerisches Talent, wie aus seinen vielen Zeichnungen, sowohl in gedruckter wie auch in digitaler Form auf seinem iPad skizziert, zu ersehen ist. Er begann mit dem Zeichnen, als er zehn Jahre alt war und gesteht ein: Ich muss sehr viele Informationen während der Klassen versäumt haben, als ich beim Zuhören kritzelte; es handelt sich um einen Zwang, den ich ernst nehme, es ist nicht nur ein bloßes Hobby von mir.” Auf die Frage, ob die eine Kunstgattung die andere beeinflusst, sagt er: “Es gibt viele Parallelen zur Musik, die offensichtlichen Verbindungen wie Farben, Ausgewogenheit und Struktur, ihre Symetrie, Höhen und Tiefen, die Transparenzen der Texturen …. korrespondieren sicherlich mit musikalischem Verständnis. Es hilft mir irgendwie, das andere Medium zu begreifen, indem man einen anderen Bezugpunkt hat; Musik ist eine flüchtige Materie - sie ist vergänglich. während bildende Kunst permanent ist. Man kann auf das Papier /die Leinwand zurückkommen, man kann an bildender Kunst festhalten. Ich habe nie ganz verstanden, wie bei Musik ich ein Stück, das ich spiele, vorbereite und dann, am nächsten Tag, wieder neu beginne, Musik ist nie in der gleichen Weise für immer da.” “Allerdings” wie er erklärt “ist die Natur des Klaviers so beschaffen, dass es eine so weite dynamische Bandbreite an Farben und Effekten erzeugen kann, die es einem ermöglichen, selbst solche Musik zu spielen, die dazu bestimmt ist, die fantastischen und bunten Klangfarben einer vollen Orchestrierung zu zeigen, wie in den Ballett Arrangements und sie in einer selbstgenügsamen Klavierversion zum Leben zu bringen.” Was Ravels ‘Daphnis’ betrifft, fand Rabinovich etwas über die ursprüngliche Reduzierung des Balletts zu Probezwecken heraus, was zum Ansatzpunkt seines Arrangements wurde, dass auf Ravel beruht.
“Daphnis” Zeichnung von Roman Rabinovich Der junge Prokowjew hatte in den Zwanziger Jahren drei Balette für die Ballets Russes geschrieben, deren Aufführungen von ‘Petruschka’ und ‘Daphnis’ er auf seinen ersten Reisen nach Paris und London gesehen hatte. Sein ‘Romeo und Julia,’ das nach seiner endgültigen Rückkehr nach Russland im Jahre 1935 komponiert und vom Kirov Theatre im Jahre 1940 produziert wurde, stellt eine neue, abstraktere Richtung dar. “Romeo und Julia” Zeichnung von Roman Rabinovich
Um einen Bogen zum Programm herzustellen, erwähnt Rabinovich folgende interessante Tasachen: erstens, dass Prokowjew und Strawinski zusammen eine vierhändige Version von ‘Petruschka’ in Rom spielten und zweitens, dass Strawinski persönlich die drei Sätze von ‘Petruschka’ für Arthur Rubinsteins eigenen Auftritt arrangierte. Querverweise zwischen Kunstgattungen wie auch die direkte Interaktion unter den Künstlern schaffen immer neue interessante Symbiosen in Zeiten kultureller Höhepunkte. Im Geiste solcher miteinander verschränkter Schaffensimpulse, möchte Rabinovich uns drei Zeichnungen zeigen, die er für dieses besondere Programm von Ballett Arrangement entwarf. “Der Wunsch etwas auszudrücken und mitzuteilen, ist Teil allen künstlerischen Schaffens und dieses Wesen einzufangen, ist das Ziel eines bildenen Künstlers wie auch eines Auftrittskünstlers.” Wie Rabinovich meint, der jüngst auch noch von einer anderen Richtung in der Musik fasziniert war, als er den Taktstock des Dirigenten ausprobierte unter Anleitung von Jospeh Swensen, Geiger und Dirigent des neu gegründeten Festivals U-Hac in Vermont )www.u-hac.com) : “Dirigieren öffnete viele Türen, was mein Denken bezüglich von Musik und mein Spielen betrifft. Es ist sicherlich etwas, was ich weiter erkunden möchte: das Ganze zu sehen und Verbindungen durch verschiedene Inputs herzustellen, ist faszinierend. Als Pianisten sind wir es gewohnt, Klang zu produzieren, plötzlich muss ich in der Lage sein, mein Verständnis von Klang zu übermitteln, diese Energie auf andere Leute nur durch Gesten und Körpersprache zu übertragen – ist immer noch eine surreale Erfahrung.” Um mehr Informationen über Roman Rabinovich und seine künstlerischen Arbeiten zu bekommen, besuchen Sie bitte folgende Website unter: www.romanrabinovich.net. Ilona Oltuski