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Tuesday, September 17, 2013

Elena Bashkirova – und ihr ‘Jerusalem International Chamber Music Festival’

Der Antrieb neue Verbindungn durch Musik zu bewirken mag in der Familie liegen, aber Elena Bashkirova, die mit Daniel Barenboim verheiratet ist, hat es als Gründerin und künstlerische Leiterin des Jerusalem International Chamber Music Festivals selbst geschafft, in der internationalen Kultur-Musikszene Akzente zu setzen.

“Ich hatte nie vor, Direktorin zu werden, es passierte rein zufällig“ sagt die dynamische Pianistin über ihr inspirierendes Vorhaben, das – für zwei Wochen jeden September – internationale und lokale Musiker durch eine intensive Zusammenarbeit vereint, die seit seiner Gründung im Jahre 1998 im Zentrum des YMCA Kultur Zentrums in Jerusalem steht.

Nach ihrer Rückkehr nach Hause in Berlin im Anschluss an das diesjährige Festival in Jerusalem, tauscht Bashkirova einige Gedanken über die Motivation ihrer Bemühungen aus:  “Wie Sie wissen, ist Jerusalem eine Art Wiege aller Kulturen – aber es blutet aus! Wir hatten diese recht intensive Unterhaltung mit einigen Journalisten und Freunden, als Daniel und ich ein IPO-Konzert [Israel Philharmonic Orchestra] in Jerusalem besuchten, wo viele wunderbare Solisten – Itzhak Perlman, Misha Maisky und Yefim Bronfman – auftraten. Während der Pause debattierten wir darüber, wie durch die wachsende Kluft und Isolierung die Kulturlandschaft der Stadt großen Schaden nimmt und dass – was nichts Neues ist – mehr und mehr Leute Jerusalem verlassen und dass etwas für diese besondere Öffentlichkeit getan werden sollte.”

“Und dann,” fährt sie fort, “fragte ich spontan, ob ich auf die richtige Unterstützung zählen könnte – und dafür sind viele Freunde im Musikgeschäft nötig, wenn sich eine Gelegenheit auftun würde.”  Sie erkennt: “Für diese international bekannten Künstler geht es nicht um Auftritte, die die Karriere ausbauen und sicherlich nicht um die Einnahmen, sondern um ein Zurückgeben  – und alle wollten, dass ich etwas dafür tun sollte. Bevor ich Daniel kennenlernte, hatte ich nie in Jerusalem gewohnt oder auch nur davon geträumt, hier mehr Zeit zu verbringen, aber Daniels Liebe für Jerusalem war eine Inspiration, er machte auch mir dieses schöne Land wichtig und bewusst.” Die enthusiastische Resonanz auf ihre Anfragen war überwältigend und ihre Stimme strahlt ein bisschen: “Innerhalb einer Woche hatte ich eine lange Liste von Musikern beisammen.” Zuerst fanden die Auftritte im kleineren Khan Theater statt und dann im vollständig ausgereiftem Stadium, nahme das Festival die größere Konzerthalle des YMCA Gebäudes in Anspruch.

Bis zum heutigen Tag hat das Festival die beitragenden Auftretenden nie bezahlt – keinem geht es ums Geld. Neben der Begleichung der Reisekosten der Künstler sorgt das Festival als Gastgeber für die Musiker im benachbarten Mishkenot Sha’ananim, dem Jerusalem Music Center und bietet gemeinsame Abendessen an einer sehr langen Gemeinschaftstafel. Diese spezielle künstlerische Kooperation, die familiäre Atmosphäre und die Freude am Auftreten vor einem leidenschaftlich ergebenem und wissbegierigem Publikum wie auch das Beitragen zur Jerusalemer Künstlerszene ist es, was die Künstler an diesem Festival anzieht und es von anderen unterscheidet. “Und dann gibt es natürlich den Schneeballeffekt,” sagt Bashkirova, “die gleichen Leute sorgen dafür, dass noch mehr kommen.”

Die Anziehungskraft verläuft in zwei Richtungen. Für die jüngeren Künstler, ist es eine Chance, zusammen mit hervorragenden, weltbekannten Auftrittskünstlern zu spielen, aber es gibt auch den bekannteren Künstlern die Gelegenheit junge Talente kennenzulernen, die sie durchaus bei internationalen Auftritten in Berlin, Wien oder Verbier wiedersehen können.  Schließlich handelt es sich um eine kleine Welt, wie der weltbekannte Auftrittskünstler András Schiff, der auch bei dem diesjährigen Festival auftrat, in einem Interview mit der deutschen FAZ nach dem Auftritt im letzten Jahr mitteilte. Der Meisterpianist beschreibt seine Freude mit vielen seiner alten Freunde aufzutreten, während er die talentierte, junge Generation erlebt und gemeinsam ein breitgefächertes Repertoire erkunden.

Maestro Barenboim selbst erwies sich angesichts seines grossartigen Netzwerkes internationaler Musiker bei Bemühungen als unbezahlbar; die Partnerschaft war eine Art Anstoß für Bashkirova: ”Dank ihm habe ich dies angefangen.” Bis jetzt ist Barenboim selbst nur zweimal auf dem Festival seiner Frau aufgetreten. “Er stellte sich zur Verfügung, wann immer er Zeit hatte,” sagt Bashkirova, deren Sohn Michael Barenboim, selbst ein vielversprechender Violinist, ist häufiger als Teilnehmer bei ihrem Festival anzutreffen. “Aber ich verlasse mich nicht auf Daniel, er ist die Kirsche auf der Torte.” Bashkirova gesteht einige kontroverse öffentliche Reaktionen vom rechten Flügel zu seinen Auftritten ein, die sie nicht zu beeindrucken scheinen. “Wir sind auf der gleichen Seite in dem, was richtig und was falsch ist! Er kritisiert israelische Politik oft heftig, aber nur aus Liebe zu diesem Land!”

Ihre eigenen, das Festival betreffenden Ambitionen beziehen sich (ziemlich auf gleicher Linie mit Barenboims eigenen Anstrengungen) darauf, Jerusalems internationalen kulturellen Status durch Musik einzufordern ohne sich jedoch auf die Tücken politischer Agendas einzulassen und auf die Ressentiments, die diese hervorrufen. Musik sollte ohne Grenzen sein. Gleichermaßen wichtig in der Mission der anerkannten russischen Pianistin, die sich bei vielen der Konzerten des Festivals selbst auch herausragend engagiert, ist die Integration des zeitgenössischen Repertoires in die etablierten Meisterstücke. “Seit wenigsten zehn Jahren geben wir unsere eigenen Werke von zeitgenössischen israelischen und internationalen Komponisten in Auftrag,” führt sie an.  Die Programmgestaltung des Festivals folgt ihrem Rezept, ein breites Spektrum alter Meisterstücke und respektive neue Werke vom besonderen thematischen Fokus der Veranstaltung jeden Jahres durchdringen zu lassen. Das diesjährige Festival galt der Erkundung des ‘Quintetts‘. Die wesentlichen Meisterwerke von Mozart, Beethoven, Schubert, Dvořák, Schumann, Brahms, Franck und Shostakowitsch wie auch weniger bekannte aber gleichermaßen großartiger Quintett Kompositionen, wie solcher von Bartók, Elgar und Ligeti wurden von unterschiedlichen Formationen der beim Festival Auftretenden gespielt. Colors of Dust, ein neu geschriebenes Werk des israelischen Komponisten Ayal Adler erfuhr beim Festival seine israelische Premiere. Es war diesen April in Deutschland beim jüngeren Bruder des Festivals uraufgeführt worden, dem zweiten JCMF Berlin Festival und war von beiden Stiftungen zusammen in Auftrag gegeben worden.

“Musik muss im Programm zusammen in einen Rahmen gestellt werden, die Stücke stehen nicht für sich allein. Nur in der Paarung von jung und alt kann man das volle Ausmaß der einzelnen Werke begreifen. Es ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Programms eine Intensität zu schaffen, das von der benachbarten traditionellen und zeitgenössischen Kunst herkommt und oftmals ist das ein Test dafür, ob ein Stück in seiner eigenen Substanz, selbst besteht,” führt sie aus.

Bashkirova versucht, das Festival auszuweiten, indem sie zu verschiedenen Zeiten übers  Jahr hindurch das Festival ins Ausland bringt und kleinere Ausschnitte des Programms international präsentiert.  Zum zweiten Mal, war das Jüdische Museum in Berlin und sein großartiger Saal, vom vielgepriesenen Architekten Daniel Libeskind  entworfen, Gastgeber einer Mini-Version des Jerusalemer Festivals. “Wir waren auch einige Male in New York, einschließlich zweier Wochenenden vor sechs Jahren in der Zankel Hall. Die letzten zwei Jahre gingen wir nach Paris in die Cité de la Musiqe oder zu den großen Festivals im Mozarteum in Salzburg und vielen anderen wunderbaren Orten.” Ein erster Versuch das Festival nach London zu bringen schlug wegen des Vorschlages des Konzertproduzenten fehl, “Jerusalem“ aus dem Namen des Festival herauszunehmen, um so antisemitische Reaktionen zu vermeiden, wie die notorischen Störungen, die während des Auftritts des IPO vor relativ kurzer Zeit stattfanden.  Bashkirova lehnte, entsetzt über den Mangel an Courage seitens des Produzenten das Angebot ab. “Musiker zu boykottieren, die für einen Auftritt kommen, um aufzutreten, ist schlimme Sache; ich kann dem einfach nicht zustimmen, aber die Produzenten sollten nicht den Konflikt meiden, indem sie die angegriffenen Künstler verleugnen - das ist einfach feige,” platzt es aus ihr mit echter Bestürzung.

Sie ist leidenschaftlich, was ihre Aufgabe betrifft und erfolgreich, diese zu entfalten. Wonach Künstler suchen, ist eine bedeutungsvolle Umgebung, um durch ihre Musik kommunizieren zu können. Sie betrachtet zu diesem Zeitpunkt die offene Atmosphäre, die in Deutschland vorherrscht, als einen fruchtbaren Nährboden. Die Einwohnerin Berlins kommt zum Schluss, “es ist nicht von ungefähr. Viele Künstler kommen nach Berlin, viele von ihnen Israelis, da dort eine so gut prosperierende Haltung gegenüber der Kunst und der Künstlergemeinde anzutreffen ist.”

Tuesday, August 9, 2011

Pianist Matan Porat findet in Berlin neue Perspektiven















Alle guten Dinge sind drei, aber diesen Sommer zum vierten Mal - bei “dem begehrtesten Rückzugssort der klassischen Welt,” wie Alex Ross es nennt, dem Marlboro Music Festival eingeladen zu werden, erfordert schon ein außergewöhnliches Talent.
Und Talent hat der junge, in Israel geborene Komponist/Pianist Matan Porat reichlich. Was für Porat vor drei Jahren bei Marlboro als ein vierhändiges Klavierkunststück mit dem Pianististen Alain Planes begann, setzte sich fort selbst als er damit beschäftigt war, sich mit Franck Krawczyk in den Piano Begleitungen für die innovative abgespeckte “Zauberflöte” Debüt Produktion am Lincoln Centers des berühmten britischen Direktors Peter Brook abzuwechseln.
Diese Produktion wurde zuerst im letzten Jahr am ‘Théâtre des Bouffes du Nord’ in Paris vorgestellt, das der der Avant-garde zugeneigten britische Regisseur Brook 1974 teilweise wegen dessen Bauschutt Anziehungskraft übernommen hatte. Planes selbst stieg in der letzten Minute aus der minimierten Pariser Produktion aus, was Porat, der eine Schwäche für ungewöhnliche Projekte hat, gerade recht passte.
Ich traf Porat das erstemal diesen Sommer, als er eine Piano Begleitung zu Buster Keatons Stummfilm “Der General” improvisierte, die bei der ‘Downtown Parkside Lounge’ arrangiert wurde. Diese Idee war in Wirklichkeit von Richard Goode inspiriert worden, als, während eines der Marlboro Sommer, Porat mit brillianten Improvisationen am Piano während der Vorführung des Films “Metropolis” unterhielt.

Porat bei Marlboro 2009
Porats Karriere als Pianist begann auf ungewöhnliche Weise, da er erst mit formalem Klavierunterricht begann, als er an der Universität Tel- Aviv eingeschrieben war. Hier begann er Komposition zu studieren. Mit seinem ersten Lehrer Emanuel Krasovsky konzentrierte er sich so sehr spaet auf das Klavier und beschreibt ihn als jemanden, der großen Einfluss auf ihn hatte. Er begann auch im Jahre 2002 an Workshops für Daniel Barenboims berühmtes ‘West-Östliches Divan Orchester’ in Spanien teilzunehmen, als er in Kammermusikgruppen spielte. Nach einem Bachelor–Abschluss traf er bei einer Meisterklasse in Paris die portugiesische Star- Pianistin Maria João Pires, die Porat einlud, als persönlicher Schüler ihr zu ihrem Bauerhof in Belgais in Portugal zu folgen. Dies war, meint er, eine intensive Zeit künstlerischen Ausstausches, als er für mehrstündigen Unterricht spielte, Auftrittskünstlern der Weltklasse, die für ihn spielten, zuhörte und bei vierhändigen Spielsessions interagierte. Die Erfahrung war eine ganz besonderer Natur.
“Es gab auch einen Kinderchor für den ich komponierte. Es war eine einzigartige Ansammlung von Persönlichkeiten und wirklich eine Erfahrung,” erinnert sich Porat und fährt fort zu erklären, wie er nach diesem Jahr für eine ganz andere Erfahrung bereit war, sprich für sein zweijähriges Studium für einen Magisterabschluss bei Julliard unter Joseph Kalichstein. Seine Sommer in New York verbrachte er bei Marlboro, woran er sich gern erinnert, wie auch bei anderen bekannten Festivals wie Verbier und Ravinia. Mit Referenzen ausgestattet, hatte er die Gelegenheit, für Murray Perahia in New York aufzutreten – es handelte sich um Schumans Davidsbündler Tänze, die Perahia, der zu der Zeit sehr an den Auswirkungen einer Handverletzung litt, überzeugten, den talentierten Porat im Jahre 2006 einzuladen bei ihm in London , sein Studium fortzusetzen. Zur selben Zeit setzte Porat sein Kompositionsstudium dort mit George Benjamin fort.

Matan Porat
Seine größte Anstrengung scheint die Frage zu sein, wie am besten seine Zeit zwischen beiden seiner Leidenschaften aufzuteilen sei: Komponieren und Auftreten. Er spielt viel Solo Piano wie auch Kammermusik und nimmt, wie er meint, wenigstens eine Handvoll von Auftragsarbeiten an, ohne zu sehr darum bemüht zu sein.
Aber eine Sache ist klar: sowohl das Auftreten als auch das Komponieren sind für Porat unabdingbar.
“Normalerweise mag ich nicht meine eigenen Werke darbieten,” meint Porat, der in einer kreativen Weise über die Probeerfahrungen nachdenkt – abseits von einem traditionalistischen Konzertrahmen.
“Das Konzert sollte eine Erfahrung sein, auf der der Auftretende sein Publikum mit auf eine wirkliche Reise nehmen kann. Es gibt keine Notwendigkeit, den Auftritt durch die Erwartungen des Programms einzuzwängen. Ich schätze die Freude und Spontanität, die möglich wird, wenn das Publikum dem Auftrittskünstler vertraut und - ähnlich einer Situation während eines Rockkonzertes - folgt.
“Das Programm sollte sich durch das Moment des Auftrittes aufbauen, nicht durch einen Programmplan. Zum Beispiel: Während meiner nächsten Saison in Montreal werde ich mit einer Scarlatti Sonata beginnen und Variationen von dieser schaffen, indem ich ähnliche Stücke von anderen Komponisten von Couperin bis Boulez spielen werde, was ein Spektrum an Möglichkeiten schafft. Dies geschieht, indem man Scarlatti und jedes der fortschreitenden Stücke auf Motive oder Kennzeichen bezieht, anstatt zu versuchen, eine stilistische Einheit zu erzeugen. “

Der immer originelle Porat







Jede paar Monate gefällt es Porat, seine Familie und Freunde in Israel zu besuchen und oft verbindet er seinen Aufenthalt mit Gelegenheiten zur Komposition oder zu einem Auftritt. Im Jahre 2007 schuf er ein Operettenprojekt für die Universität Tel-Aviv, das auf “Animal Farm” basierte und [nun] denkt über eine andere Opernproduktion nach, die er im Kopf hat, aber momentan nicht näher ausfführen möchte.
Im achten Jahr wird er am ‘Jerusalem International Chamber Music Festival’ unter der Leitung von Elena Bashkirova, der zweiten Frau von Barenboim, teilnehmen. Porat hatte viele Gelegenheiten mit Barenboim zu arbeiten und beschreibt ihn als einen der inspirierendsten musikalischen Persönlichkeiten in seinem recht weiten Spektrum von Einflüssen.
Bashkirova, eine bekannte, international auftretende Pianistin, hat soeben zwei Stücke von Porat “Night Horses” und “New Requiem” für ihr jüngst gegründetes Berlin Metropolis Ensemble in Auftrag gegeben.

Matan (skizziert von Roman Rabinovich, Freund und Pianist)
Berlin ist zu einer idealen Umgebung für Porat geworden, der, die kreative Vitalität dieser Metropole genießt. Er vergleicht Berlin mit der aufregenden, lebendigen und künstlerischen Atmosphäre von Paris während der Zwanziger Jahre oder London in den Sechziger Jahren und dennoch hat Berlin seine anheimelnden nicht überheblichen Eigenheiten - wie im Falle von New York oder London - bewahrt. Es ist ein Bonus, dass die Stadt viele Künstler mit wie auch ohne Talent anzieht und dennoch noch bezahlbar ist.