Saturday, May 19, 2012

Van Cliburn bei Christie's New York


Van Cliburn Collection Christie's New York

Es war zu den Hochzeiten des Kalten Krieges und Anti-Amerikanismus grassierte in Russland, als sich amerikanische Kultur sich im Gemüt der meisten Russen auf Kommerz und Coca-Cola beschränkte. Man schrieb das Jahr 1958 als ein junger Amerikaner namens Harvey Lavan “Van”Cliburn, Jr. den sowjetischen Block eroberte und im Alter von nur 23 Jahren er den ersten Internationalen Tchaikovsky Piano Wettbewerb in Moskau gewann. Dank seines “goldenen Sounds” mussten die Russen ihre Einstellung anpassen.

Als er aus Moskau zurückkehrte, gab es für Herrn Cliburn eine Konfetti-Parade in New York City, das einzige Mal, dass jemals einem klassischen Musiker zu Ehren diese höchstmögliche Auszeichnung der Stadt New York entgegengebracht wurde. Auf Einladung von Herrn Cliburn kam Kiril Kondrashin, der russische Dirigent, mit dem der Pianist seinen preisgekrönten Auftritt bestritten hatte, aus Moskau, um das gefeierte Konzertprogramm mit Van Cliburn in der Carnegie Hall in New York und anderen Städten aufzuführen. Ihre Aufnahme von Tschaikowskis Erstem Piano Konzert, die während des Kondrashin Besuches aufgezeichnet wurde, war die erste klassische Aufnahme,die jemals Platin einbrachte und mehr als drei Millionen Schallplatten verkaufte, folgt man Allan Bedford Sampson, dem Direktor und CEO der Van Cliburn Foundation, wie im letzten Katalog von Christies ausgewiesen.

Van Cliburn began im Alter von drei Jahren mit dem Klavier mit seiner Mutter, die eine Schülerin von Arthur Friedheim war, selber ein Schüler von Anton Rubinstein und Franz Liszt. Im Alter von 12 Jahren gab Van Cliburn mit dem ‘Houston Symphony Orchestra’ sein Orchesterdebüt und seine Mutter wollte, dass er mit der legendären Madame Rosina Lhevinne an der New Yorker ‘Julliard School’ studierte.

Jetzt, mehr als fünfzig Jahre später und einer Karriere mit all den Ehren, die einem großem Meister zuteil werden können, ist Herr Van Cliburn wieder zurück in der Stadt– nicht um ein Konzert zu geben, sondern um seine Kollektion und die seiner Mutter an englischen Möbeln, russischen Kunstwerken, Silber, Schmuck zur Auktion zu geben und - für Klavierliebhaber - das Klavier seiner Mutter. Der Steinway Modell D Konzertflügel wird auf $40-60,000 geschätzt. Die Auktion wird am 17. Mai bei Christies New York stattfinden. Zum Gedenken seiner Mutter werden die Einnahmen an die ‘Julliard School’ gehen und das Moskauer Konservatorium, wo Van Cliburn studierte.

Van Cliburns hohe Wertschätzung seiner Mutter wird beispielhaft durch das erläutert, was er mir bei der Auktionsvorschau erzählte, wo ich ihn das erste Mal am Muttertag traf - nichts weniger als folgendes: “Ich habe immer gedacht, dass meine Mutter viel schöner als ich spielen würde.” Man konnte den großen Einfluss, den seine Mutter als Ratgeber, Manager und als Inspiration auf ihn hatte, spüren und im Gespräch mit dem legendären Pianisten beindruckte mich, dass er trotz seiner 77 Jahre ein jugendliches Auftreten und persönlichen Charme bewahrt hatte.

Sein Interesse und seine Bemühungen, junge Künstler in ihrer Laufbahn zu unterstützen, ist nirgendwo deutlicher als beim legendären Van Cliburn Internationalen Klavierwettbewerb, der im Jahre 1962, früh in seiner eigenen Laufbahn begann und einer der bis heute angesehensten internationalen Klavierwettbewerbe ist.

Was für ein perfekter zeitlicher Ablauf es war Van Cliburn hier zu sehen, wo er einen Stuhl unter dem Flügel seiner Mutter für den jungen talentierten Pianisten Vladislav Kern hervorzieht, der in Moskau in einer Familie von Musikern geboren wurde und zur Zeit bei‘Julliard’ unter der Leiterin der Klavier-Fakultät Yoheved Kaplinsky studiert.

Vladislav Kern

An die Van Cliburn Fans gerichtet, wird Van Cliburn an der New York Public Library sein und über seine Karriere und seine ausgiebige Kollektion mit Paul Holdengraeber sprechen. Diese Veranstaltung findet am Dienstag, dem 15 Mai um 19Uhr im Stephen Schwarzman Building statt.

Saturday, April 28, 2012

Mischa Maisky und Yuri Bashmet – USA-Tournee des Kammerorchesters “Moskauer Solisten”


Der berühmte, in
Lettland geborene, israelische Cellist Mischa Maisky wird sich dem Kammerorchester
‘Moskauer Solisten’ mit dem Bratschisten und Dirigenten Yuri Bashmet auf der Tournee
in den USA hinzugesellen, die auch einen Stopp
in Toronto Kanada beinhalten wird.
New Yorker werden
die Gelegenheiten haben, die Virtuosen bei ihrem Auftritt in der Avery Fisher
Hall, heute, am 28. April 2012 um 15 Uhr zu hören.

Foto: Mischa
Maisky und Yuri Bashmet

Ich hatte die große Freude, im letzten Sommer die Proben und Auftritte von
sowohl Bashmet als auch Maischky mitzurerleben, die – zusammen mit Evgeny
Kissin und Vadim Repinalle Stammgäste beim angesehenen Verbier Festival waren, einem
meiner sehr wertgeschätzten musikalischen Erlebnisse.
Foto mit Maestro Maisky in Verbier
Maestro Mischa Maisky und GetClassical's Ilona Oltuski
Aufgrund dieses wunderbaren Erlebnises freue ich mich sehr auf den Besuch
des Auftritts am 28. April. In einem Interview mit dem BBC im Juni 2011 teilte Maisky seine Gedanken
über die “gesamte Ausbildung” mit, die er
erfuhr, als er in der ehemaligen Sowjetunion aufwuchs. Auf der einen Seite
erhielt er am Moskauer Konservatorium eine großartige musikalische Ausbildung
unter Mstislav Rostropovich, der ihn folglich einen der herausstechendsten
Talente der jüngeren Generation von Cellisten nannte. In diesem Kontext erlebte
er aber persönlich ebenfalls den ganzen Terror politischer Unterdrückung und Verfolgung. Im Jahre
1970 war er für das ‘Vergehen’ verurteilt worden, versucht zu haben, auf dem schwarzen Markt einen Kasettenrekorder zu erstehen, und wurde für 18 Monate in ein Arbeitslager
eingesperrt, was einer zweimonatigen Einweisung in ein Krankenhaus für
psychisch Kranke folgte. Er wurde als Störenfried gebrandmarkt, als seine
Schwester Riga verließ, um nach Israel zu gehen. Nach seiner Freilassung folgte
er ihr und kehrte bis in die frühen Neunziger Jahre nicht zurück. Im Jahre 2011
gaben Maisky und andere hervorragende Musiker (Martha Argerich, Gidon Kremer,
Evgeny Kissin) in Straßburg ein Konzert, um
gegen die Menschenrechtsverletzungen in Russland und für die Unterstützung und Freilassung
des eingesperrten russischen Oligarchen Mikail
Khordokovsy zu protestieren. In diesem Sommer in Verbier beschrieb Maisky mir die
Macht der Musik und die Dynamik, die gewonnen
wird, wenn sich Stimmen zusammentun, die – wie er –
gewillt sind, sich der Unterstützung von Menschenrechten zu widmen.

Mit mehr als 30 Aufnahmen
als Künstler, der in den letzten 25 Jahren einen
Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophone hatte, wurde Maisky zu einem
allgemein bekannten Namen durch langzeitige Partnerschaften mit Künstlern wie Martha
Argerich, Radu Lupu, Gidon Kramer und Janine Jansen, wie auch mit Dirigenten
wie Zubin Mehta, Vladimir Ashkenazy und Daniel Barenboim und Orchestern, wie zum Beispiel den Berliner
Philharmonikern, dem ‘London Symphony’, dem ‘Israel Philharmonic’, dem ‘Orchestre
de Paris’ und anderen.

Yuri BashmetIm Jahre 1992 von
Bashmet gegründet, hatte das Kammerorchester ‘Die Mokauer Solisten’ sein Debüt im
Großen Konzertsaal des Moskauer Konservatoriums. Als leitender Direktor des ‘Novaya Rossiya’
Staats-Symphonieorchesters und künstlerischer Leiter des ‘White Nights’- Festivals
im Dezember (Moskau), tritt Bashmet in seiner doppelten Rolle als Dirigent und
Solist überall in der Welt auf. Kürzlich war er unter großem Beifall als Bratschist
mit Anne Sophie Mutter und Lynn Harrell auf USA Tournee und trat ebenfalls für einen
Probeauftritt mit Evgeny Kissin auf.

Mit der enormen Menge
an Beifall, die ihm gilt, (die Londoner ‘Times’ schrieb über Bashmet, “ohne
Zeifel, einer der größten lebenden Musiker der Welt”), hat er der Viola zu
neuer Bedeutung verholfen. Es gibt mehr als 25 Viola-Konzerte, die Komponisten,
einschließlich Schnittke und Gubaidulina, Bashmet gewidmet haben.

Der lebhafte
Charakter der ’Moskauer Solisten’ und die große Mannigfaltigkeit des Auftrittsprogramms stechen wegen ihrer
interessanten Premieren neuer Musik und exzellenter Solisten hervor. Ihre
Konzerte wurden vom BBC, vom Bayrischen Rudfunk, von Radio France und vom
japanischen Radio des NHK übertragen und aufgenommen und ihre Aufnahmen haben
mehrere Nominierungen und einen Grammy Preis für ihre Stravinsky-Prokofjew
Aufnahme aus dem Jahre 2007 erhalten.

Außerdem ist das
Orchester mit einer langen Liste international bekannter Solisten, die Namen
wie Gidon Kremer, Mytislav Rostropovich, Vadim Repin, Sarah Chang, James Galway
und Thomas Quasthoff beinhaltet, weltweit
aufgetreten und hat weltweit Aufnahmen gemacht. Die ‘Moskauer Solisten’ haben vor, ihr zwanzigjähriges Jubiläum mit
Werken von Schubert, Haydn, Tchaikovsky und Brahms zu feiern.
Als Werbung von Maestro
Artist Management, das sich darauf konzentriert, internationale Künstler in den
USA zu präsentieren, gibt es für dieses Konzert ein zeitlich begrenztes Angebot:
mit dem Code MAESTRO kostet jede Eintrittskarte bei www.lincolncenter.org $10 weniger. $20-Eintrittskarten für Studenten sind mit einem gültigen
Studentenausweis ebenfalls an der Abendkasse zu haben.

Die 2012 US-Tournee
wird auch einen Auftritt in Toronto Kanada beinhalten:

26. April Chicago, IL
– Orchestra Hall
27. April Bethesda,
MD- Strathmore Hall
28. April New York,
NY – Avery Fisher Hall
29. April Boston, MA
– Symphony Hall
3. Mai Toronto,
Canada – Roy Thompson Hall
4. Mai San Francisco,
CA – Herbst Theatre
5. Mai Los Angeles, CA – Wilshire Ebell Theatre (ohne
Mischa Maisky)
6. Mai Seattle,
WA - Benaroya Hall

Friday, April 20, 2012

Get Classical started in der Rose Bar, in New Yorks Gramercy Park Hotel

New York, New York – Der 6. Mai ist der Auftakt zur ersten Veranstaltungsreihe, wenn Get Glassical um 18 Uhr in der Rose Bar im Gramercy Park Hotel an der Lexington Avenue, Nummer 2 sein erstes Programm durchführt.

Als alternative Erfahrung und willkommene Ergänzung seiner traditionellen Präsentation lädt Get Classical am 6. Mai viele neue Fans des klassischen Genres zu seiner ersten Veranstaltung in der geschmackvoll und in einem eklektischen Stil eingerichteten ‘Rose Bar’ ein.

Get Classical’s Idee einer vertrauten Präsentation klassischer Konzerte und Kommentars inmitten der stilvollen ‘Rose Bar’ des Gramercy Park Hotels bringt die Pracht des Salons des 19. Jahrhunderts in Verbindung mit dem Foyer des 21. Jahrhunderts.

Indem eine neue Alternative zum Zuhören klassischer Musik in einer konventionellen Konzerthalle geboten wird, stellt Get Classical das Klassische in die Mitte des anspruchsvollen, musikalischen Nachtlebens.

Getragen von der Hoffnung sowohl Neulinge als auch Kenner für die vitale, immerzu expandierende klassische Musikszene zu gewinnen, zielt Get Classical darauf ab, einem Genre zu nützen, das immer darauf bedacht ist sich neu zu erfinden, aber nur selten über den Rand der eigenen Behaglichkeitszone hinausblickt.

Diese Salon-Konzerte, bei denen Leute die Gelegenheit haben, sich bei einem Aperitif zurückzulehnen, sind als eine monatliche Sonntagsreihe geplant und werden Autogrammstunden und Veranstaltungen anlässlich von CD Veröffentlichungen beinhalten und dem New Yorker Publikum gestandene wie auch aufstrebende junge Künstler vorstellen.

Inspiriert von Interviews, der Interaktion und den Freundschaften mit großen Musikern, gründete Ilona Oltuski im Jahre 2009 den Musik-Blog Get Classical und ihre Website http://getclassical.org. Indem es intime Porträts klassischer Auftrittskünstler und ihre Geschichten vorstellt, die von einer Bloggerin geschrieben werden, die selber als Amateurmusikerin weiß, wovon sie spricht, ist Get Classical darauf stolz, die Gefühlswelt des Künstlers wie auch einige sich entwickelnde Trends im Musikgeschäft in Augenschein zu nehmen.

Get Classical in der ‘Rose Bar’ erhofft sich die eigene Sensibilität gegenüber kulturellen Veränderungen auf den Bereich tatsächlicher Auftritte zu beziehen und damit die Idee neuer Bemühungen aufzugreifen, die klassische Szene in neuen Umgebungen zu fördern. Eine Erweiterung sowohl des Stilbedürfnisses der coolen Generation und der angesagten Night Life-Szene in der Rose Bar kann potentiell einer hoch attraktiven Version des idealen traditionellen klassischen Forums nacheifern.

Das Programm am 6. Mai stellt begeisterte Auftrittskünstler, die klassischen Pianisten Marika Bournaki, Vassily Primakov, Natalia Lavrova und David Aladashvili heraus, die auch ein Gespräch mit der Musikjournalistin Ilona Oltuski, der Gründerin von Get Classical und der Gastgeberin der Auftaktveranstaltung zur Reihe in der ‘Rose Bar’ führen werden. Das intime und “Salon-ähnliche” Programm von Get Classical wird hoffentlich diesen sehr wichtigen Bestandteil der Kultur unserer Stadt wiederbeleben. ”Der Eintritt ist frei, bei einem Mindestverzehr eines Getränkes. Besucher müssen eine Reservierung machen um auf die Gästeliste zu kommen. Sensationell ist es, dass Terrance McKnight von WQXR - der Public Radio Station sich bereit erklärte den event zu emceen, und ihm somit einen extra Hauch von "Buzz" und Interesse verleiht. Mein Dank geht an die Künstler, Yamaha für den Konzert Flügel und das Gramercy Park Hotel und die ‘Rose Bar’, für ihre persönliche Unterstützung und ihre Bereitschaft, am Auftakt von Get Classical teilzuhaben.

Falls Sie daran interessiert sind, Get Classical’s ständig wachsende Veranstaltungsreihe durch eine finanzielle Zuwendung, Berichterstattung in den Medien, einen Auftritt oder Planungexpertise zu unterstützen, kontaktieren Sie bitte Ilona Oltuski bei Ilona@getclassical.org
WQRX's Terrance McKnight will emcee the event.
Über die Künstler:

Marika Bournaki

Das Klaviertalent und die persönliche Entwicklung der Franko-Kanadierin Marika Bournaki werden in Relation zu ihrer blühenden Karriere als Konzertpianistin mit großer Einsicht im Dokumentarfilm “Making Marika” anschaulich dargestellt. Ihre Fähigkeit, sich auf das Publikum einzulassen und auf der Bühne und vor der Kamera zu präsentieren, hat sie zu einer Vielzahl von nationalen und internationalen Rundfunk-und Fernsehübertragungen geführt, wie der Sendung ‘From the Top’ des amerikanischen öffentlichen Radios und anderen gefilmten Aufnahmen. Ihre DVD “Happy Birthday Mr. Schumann”, herausgegeben im Jahre 2010, stellt sie als Solistin vor, die für ein Schumann Piano Konzert mit der St.Peterburg Symphony auftritt. Marika geht die DVD nicht mehr aus dem Kopf und beeinflusst ihre Gefühle, was ihre Tourneen als Auftrittskünstlerin anbelangt.

Für mehr Information über Marika siehe ihre Website http://www.marikabournaki.com/ Get Classical’s Portrait über Marika: http://english.getclassical.org/2011/02/06/pianist-marika-bournaki-on-a-schumanesque-quest-finding-herself-in-the-process/

Vassily Primakov und Natalia Lavrova

Im Jahre 2007 mit dem Preis der Classical Recording Foundation als junger Künstler des Jahres ausgezeichnet, erfreut sich Vassily Primakov einer starken Gefolgschaft, nicht nur bei den vielen Fans aus seiner Zuhörerschaft, sondern rundum auch bei Kritikern. Die New York Times schrieb, “Primakov gab ein feuriges Konzert …mit kräftiger, expressiver Phrasierung und dramatischem Engagement, dass das Publikum einfach aus den Stühlen riss;” Van Cliburn bewunderte seine “erstaunliche Technik.”

Ein Halbfinalist und Finalist bei verschiedenen Wettbewerben, einschließlich der renommierten Cleveland International Piano-, Van Cliburn- und Gina Bauchauer- Wettbewerbe haben Primakov dazu geführt, einen interessante und unabhängige Musikkarriere zu verfolgen. Seine CD von 21 Mazurkas von Chopin wurde im Jahre 2009 vom amerikanischen öffentlichen Radio zur "Besten des Jahres" benannt.

Seine starke Verbindung – als Freund und Projektmitarbeiter – zu Natalia Lavrova, selbst eine Mitstudentin bei Juilliard und, für sich allein gesehen, eine begabte Pianistin, führte ihn dazu, an der Gründung ihrer neuen Plattenfirma mitzumachen: http://lpclassics.net/ in 2011. Ihre erste Veröffentlichung war Arenskys Suiten für zwei Pianos http://lpclassics.net/anton-arensky-suites-for-two-pianos-2/ von ihren Duo-Partnerauftritten, ein Weg, die manchmal gänzliche Einsamkeit auf der Klavierbank zu teilen, was beide der jungen Russen ungemein genießen.

Das Interesse des Labels an historischen Aufnahmen von wichtigen Auftrittslehrern muss einen Einfluss auf Natalia Lavrovas Ausbildungsneigungen haben. Als Gründerin der Music School of New York City, integriert sie ihre Expertise und Erfahrungen sowohl der russischen Klavierschule als auch ihrer Ausbildung, die sie am renommierten Studio von Herbert Stessin und Jerome Lowenthal an der Julliard School erworben hat. http://musicschoolofnewyorkcity.com/faculty/40-faculty-piano/48-natalia
David Aladashvili

Nach dem Abschluss seines BA Programms im letzten Jahr unter der Anleitung von sowohl Juilliards Matti Raekallio als auch Jerome Lowenthal, hat die außergewöhnlich kontaktfreudige Persönlichkeit von David Aladashvili ihm bereits bei vielen Gelegenheiten einen Platz im Scheinwerferlicht gesichert. Zusätzlich zur Fülle seines natürlichen, musikalischen Talents haben sein aufrichtiger Charme und seine belebenden Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen ihn dazu gebracht sich auf verschiedene organisatorische Anstrengungen einzulassen, die von studentischen Liederabenden und der fantastischen 80.Geburtstags Komposition, einschließlich von Parodien, die von der gesamten Fakultät für Prof. Jerome Lowenthal aufgeführt wurden, bis hin zur Gründung von Benefiz Konzerten in seinem heimatlichen Georgien. Seine einnehmende Persönlichkeit erstreckt sich mühelos auf die Fakultätsmitglieder, wie zum Beispiel Joel Sachs, der beim georgischen Abendkonzert mitauftrat, präsentiert und koordiniert von Aladashvili, sowie Persönlichkeiten aus dem Bereich der Politik, wie zum Beispiel Temuri Yakobashvili, Botschafter aus der Republik Georgien. Ein Dankeschön von Get Classical’s Ilona Oltuski an David, für seinen persönlichen Enthusiasmus und Einsatz bei der Rose Bar für Get Classical, der dabei half, dieses Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen.

Für ein persönliches Porträt von Aladashvili siehe ebenfalls: http://english.getclassical.org/2010/03/18/oncert-review-david-aladashvili-a-georgian-evening-at-carnegie-weill-recital-hall/
Ebenfalls sind die beiden jungen, ausgezeichneteen Geigerinnen, Jennifer Choi (Photo unterhalb rechts) Mitglied der Gruppe ETHEL) und Angelia Cho (Photo links-Mitglied der Gruppe Salome) mit von der Partie.






Falls Sie Musiker und daran interessiert sind, an der nächsten Get Classical Veranstaltung teilzunehmen - einer CD Veröffentlichung, einer Vorschau ihres Programms, wenn sie aus dem Ausland für einen wichtigen Auftritt anreisen - oder wenn Sie einfach nur an einem Gespräch mit anderen Musikern oder einer neuen Zuhörerschaft teilnehmen wollen oder daran interessiert sind, Get Classical’s ständig wachsende Veranstaltungsreihe durch eine finanzielle Unterstützung, Berichterstattung in den Medien oder mit Planungs- und Veranstaltungsmanagementexpertise beizutragen, wenden Sie sich bitte an Ilona@getclassical.org

Monday, February 20, 2012

Erno Kallai - Geiegenspielen in der alten Tradition


Erno Kallai und Itzhak Perlman
Der ungarische Violinist Erno Kallai hat als Schüler des legendären Violinisten Itzhak Perlman bei ‘Julliard’ sicherlich eine schwere Aufgabe in dessen Fußstapfen zu treten. Bei dem Meister zu studieren rückt Kallai in den Mittelpunkt einer andauernden Tradition, die Generationen emminenter Violinisten inspirierte – Meister die große Persönlichkeiten waren. Als ich vor dem Eingang zu seinem Studio im fünften Stock der ‘Julliard School’ darauf warte, Perlman zu treffen, ertappe ich mich dabei darüber nachzudenken, dass dies einschüchternd für jeden jungen Violinisten sein könnte, selbst dann, wenn es, wie im Falle von Kallai, einen Traum offenbart, der wahrgeworden ist.
Das Unterrichtsstudio mit Blick über seinen eigenen kosmischen, klassischen Musikbezirk rund um das Lincoln Center, gehörte einst Dorothy DeLay, die Generationen begabter Violinisten unterrichtet hatte, die aus aller Welt zu ihr kamen, einschließlich von Perlman selbst seit seinem 13. Lebensjahr. Die große Dame und Pädagogin, die als Assistentin bei Ivan Galamian begonnen hatte, eine anscheinend immens verehrte, wenn nicht sogar gefürchtete Autorität der Violine, brachte fortwährend eine Liste von Studenten hervor, die sich wie das ‘Who’s Who’ der oberen Ränge der Violinen Prominenz las. (Ihr Vermächtnis wird sehr gut in Barbara Lourie Sands “Teaching Genius” beschrieben.)
Bezeichnenderweise gelang es ihr, jeden einzigartigen Stil, jede Individualität und spezifisches musikalisches Ich eines Studenten intakt zu lassen. Es gab keine Fließbandproduktion von seelenlosen Getreuen einer bestimmten Methode. Viele liebe- und humorvolle Ehrerweisungen, die sich von “ihren Wunderkindern” auf ihre Eigenheiten bezogen, halten dieser großartigen, treibenden Kraft zugute, ihre Erfolge angeregt zu haben und zollen Anerkennung für ihre Gabe sie zu unterstützen und vor allem darin zu bestärken, unabhängig funktionierende Musiker und Menschen zu werden.
Herr Perlman, der ihr Assistent wurde, bevor er später selbst ihr Studio weiterleitete, eignete sich ihren erfolgreichen pädagogischen Ansatz an. Laut Schilderungen und meinen eigenen Eindrücken von Herrn Perlmans innerer Einstellung dem Unterrichten gegenüber und seiner eingehenden und persönlichen Beschäftigung mit den Studenten, scheint es für die ehrgeizigen Violinisten kein besseres Zuhause fern von zuhause zu geben. Diese zugetanen Musiker sind, und das ist genau so wichtig, wahre Menschen und die Herangehensweise muss flexibel und persönlich bleiben. Perlman meint: “Studenten wie Lehrer gibt es in verschiedenen Kategorien. Ich selbst war ein anderer Student bei Galamian; ich war so eingeschüchtert, dass ich kritiklos jede Anweisung befolgte. Ich rebellierte nicht oder ignorierte seine Ratschläge; ich akzeptierte einfach nur alles, ohne es zu analysieren. Bei DeLay gab es hilfreiche Anregungen und individualistisches Denken. Das ist die Art von Unterricht, an die ich mich zu halten suche – obwohl ich auch viel von Galamians autoritativem Ansatz gelernt habe – und Erno ist die Art von Student, die ich bei DeLay war,” erläutert Perlman. “Wir haben viele gute Diskussionen; es gibt immer Anregungen und Möglichkeiten, musikalisch gesehen. Erno weiß, was er macht. Man schaue nur auf seine Hände und man weiß, dass er sein Instrument versteht.”
Perlman war immer Kallais Idol. Er begann im Alter von zwei Jahren auf der Spielzeuggeige zu spielen und wuchs sein ganzes Leben von Musik umgeben, auf. Nie stellte sich die Frage, etwas anderes als ein Violinist zu werden.
In Budapest geboren und aufgewachsen, als Sohn eines Violinisten der sich auf Zigeunermusik spezialisiert hatte, sah Kallai eine Werbeanzeige für das ‘Perlman Music Program’ auf Long Island. Dieses Programm gab es seit 1993 und war dank der Intiative von Toby Perlman (selber eine ehemalige Studentin von Delay) gegründet worden, um ein Ferienlager für vielversprechende 8- bis 18-jährige Violinisten zu schaffen, das ein unterstützendes, musikalisches Umfeld bieten sollte.
Kallai hat für Perlman als einen Lehrer äußersten Respekt. Perlman vermittelt durch seine Expertise wertvolle musikalische Botschaften und besorgt für Studenten freigiebig die notwendigen Kontakte. Bei vielen Gelegenheiten bietet er ihnen die Möglichkeit, mit ihm auf der Bühne das Rampenlicht zu teilen. Aber es gibt noch ein weiteres Element, die seine berühmte Popularität zu kongenialer Zuneigung und Respekt von seinen Studenten wie Kallai erhebt und das ist sein Enthusiasmus. Perlman suchte Kallai nach dem Hören nur weniger Noten auf einem technisch nicht einwandfreien Vorspielband aus, das im Jahre 2003 dem ‘Perlman Music Program’ zugeschickt worden war. ”Ich hörte mit Toby, meiner Frau dem Band zu. Das ‘Perlman Music Program’ ist ihre Idee! Wir sagten uns beide sofort: ‘Wir werden ihn aufnehmen!’ Es gab etwas an seinem Spielen, was wir sehr gern mochten; er war ein Virtuose mit einem guten technischen Fundament und einem guten Klang und sein Stil und seine Haltung gegenüber dem Instrument waren besonders, in einer Art großen Tradition, genau wie ich Geigenspielen hören mag.”
Locker in seinem elektrisch betriebenen Rollstuhl sitzend – so als wäre es gerade mal die nächst verfügbare Sitzposition, erlaubt es Perlmans starker, freier Geist, nicht auf seine physischen Einschränkungen, die eine Folge seiner Ansteckung mit Kinderlähmung im Alter von vier Jahren sind, begrenzt zu sein oder von diesen definiert zu werden. Mit einem enormen Fundus an Stärke und Würde hat Perlman jede anfänglich antizipierte Beschränkung überwunden. Er hat nicht nur den größten Erfolg als Auftritts- und Aufnahmekünstler erreicht, sondern ist ein geselliger Lehrer, der an erster und vorderster Stelle beispielhaft die Bedeutung aufzeigt, ein echter “Mensch” zu sein.

Foto von Itzhak Perlmans Website
Sein Aktivismus für die Belange Behinderter ist weltbekannt und es ist teilweise dank seiner großen, künstlerischen Statur, dass ‘Carnegie Hall’ – wie auch andere öffentliche Institutionen – die Notwendigkeit erkannt haben, Sessellifte zu installieren, als Ergebnis seiner Bemühungen, in gleicher Weise Zutritt zu haben.
“Ich hatte genug davon, mein Leben hinter der Kulisse in den Frachtfahrstühlen der Konzerthallen Amerikas zu verbringen.” (zitiert von Sand – ‘Teaching Genius’ S.190)
Bei Juilliard ist sein Studio mit einer Tür, die mit Fernsteuerung zu bedienen ist, ausgestattet, was ihm leichten Zutritt garantiert.
Itzhak Perlmans Mitwirkung am Unterrichten und dabei, das Orchester seines eigenen Programms zu leiten, führte zu einem umfassenderen Denken. Aus seinen Bemühungen auf Long Island entwickelte sich das Perlman Musik Programm des aus Israel Gebürtigen auch in Jerusalem und eine kürzere Winterversion in Sarasota.
“Mein erster Sommer auf Long Island fand im Jahre 2003 statt,” erinnert sich Kallai. “Ich war so begeistert, in das Programm aufgenommen worden zu sein und genoss jede Minute seiner sechs Wochen von intensiven Meisterklassen, Kammermusikgruppen und Orchesterproben und es gab auch die Teilnahme am Chor. Der ganze Tag war mit musikalischen Aktivitäten und etwa vier Stunden Privatunterricht an jedem Morgen angefüllt. Ich schloss viele Freundschaften; einige dieser Freunde studierten ebenfalls bei ‘Juilliard’. Danach wurde ich im folgenden Sommer wiedereingeladen und dann ebenso zum Winterprogramm in Florida. Als mich Herr Perlman im zweiten Jahr ansprach, ob ich mich nicht bei ‘Julliard’ als sein Student berwerben wollte, fühlte ich mich sehr geschmeichelt. Die Tatsache, dass er einen Student empfiehlt, ist natürlich eine großartige Chance, aber die anderen der sechs Jurymitglieder müssen ebensfalls zustimmen,” erklärt Kallai. Im Jahre 2006 machte sich Kallai auf den Weg nach New York zu Julliard, wo er in diesem Jahr 2012 im Mai sein ‘Master’ Programm abschließen wird.

Foto: Tamas Revesz
Kallai beschreibt Itzhak Perlmans Spielen als: ”Verschieden von dem eines jeden anderen. Aber er möchte nicht, dass ihn seine Studenten nachahmen oder irgendjemand anders. Er schafft es wirklich, dass man selbst nachdenkt, er sagt nicht alles, wir diskutieren viel und sehen, was inspiriert. In seiner Gegenwart zu sein, ist einfach großartig. Ich habe gelernt, mir selbst und der Musik im allgemeinen auf eine andere Weise zuzuhören. Nachdem ich ihn getroffen habe, kann ich nun klarer hören, wie die Struktur in der Musik verlangt, aufgebaut zu werden, wie man verschiedene Nuancen, mehr Farben und Klang hervorbringt. Selbst wenn diese Dinge in einem selbst sind, braucht man doch das richtige Feedback, damit diese sicher herauskommen, um dir Selbstvertrauen zu geben.”
“Als Erno den Juilliard Wettbewerb mit dem Prokofjew Konzert gewann,” sagt Perlman, und bezieht sich auf Kallais ‘Carnegie Hall’ Auftritte im Jahre 2008 von Prokofjews zweitem Konzert, ”war es recht offenkundig, dass er das Zeug zum großen Auftrittskünstler hat. Er ist in der Lage, während eines Auftritts seine Spontanität durch seine musikalische Inspiration aufrechtzuerhalten. Während des Auftritts passieren diese extra Sachen. Das Adrenalin, das auf der Bühne im Spiel ist, verhilft einem dazu, Dinge etwas anders zu machen. Es kann bis zu einem bestimmten Grade eingeübt werden, aber man fühlt das im Moment. Es ist dieser gewisse Gemütszustand, wo man tatsächlich – musikalisch gesprochen – improvisiert. Ich erzähle immer meinen Schülern – obwohl für sich allein genommen er nervenaufreibender ist, ist der erste Auftritt sehr leicht, weil, na klar, es das erste Mal ist. Aber was macht man beim zweiten, dritten Mal … um involviert zu bleiben. Genau dann ist es, wenn die eigene musikalische Inspiration gefordert ist…genau das und das aufmerksame Zuhören.” erläutert Perlman.
Foto: Nick Granito
Perlman steht hundertprozentig zu seinen Worten des Lobes. Im November nahm Kallai an Perlmans Arsht-Center Kammerkonzertauftritt in Miami teil. Während des 2012 Semesters wird Kallai auf einer Kammermusik-Tournee Perlman begleiten, die sie nach Mexiko, Toronto und Virginia führen wird. Seite an Seite mit seinem Mentor zu spielen, ist ein Erlebnis, das Kallai wertschätzen kann: ”Er nimmt wirklich seine Studenten als Musiker und Menschen ernst. Er fördert den individuellen Ausdruck in der Musik – genau wie er es am Abendtisch in seinem Hause tut. Wir – seine Studenten – fühlen uns schließlich wie zu seiner Großfamilie gehörig und lieben es vorbeizukommen, um zu spielen und mit ihnen zu sprechen, und oft kocht Toby – seine Frau – für uns, was immer etwas besonderes ist.”
Für Kallais kommende Auftritte, wie zum Beispiel sein Konzert im September im Louvre siehe seine Website: www.ernokallai.com

Monday, February 13, 2012

Oh so Goode! Und noch besser mit Musik!



Photo: Deborah Feingold
Alles am Pianisten Richard Goode strahlt Freundlichkeit, Höflichkeit, einen guten Sinn für Humor und Geduld aus. Vorallem aber, vermitteln seine lebendigen Augen eine Neugierde, die mit einer Vitalität und Jugendlichkeit leuchten, die einen leicht über sein Alter hinwegtäuschen — im letzten Sommer wurde er 68 Jahre alt.

Ich hatte die Chance, ihn bei zahlreichen Gelegenheiten spielen zu hören, nicht nur bei einem seiner zahlreichen Konzerte in der Carnegie Hall, wo er aus einer Handvoll herausragender Auftrittskünstler bei Carnegies jährlicher ‘Keyboard Virtuoso’ Reihe vorgestellt wird, sondern auch in intimeren Settings, wie dem ‘92nd Street Y’. Er schafft es immer wieder, das Publikum mit seinen Interpretationen voller Einsicht zu überzeugen. Die Financial Times nannte seine Aufnahme aller fünf Beethoven Konzerte, die er mit dem ‘Budapest Festival Orchestra’ unter der Leitung von Ivàn Fisher (herausgegeben von ‘Nonesuch Records’ im Jahre 2009) spielte, eine “richtungsweisende Aufnahme der Beethoven Konzerte”. Er ist ein Auftrittskünstler, der es schafft, sogar dem bekanntesten Repertoire einen persönlichen Stil und besondere Nuancen abzugewinnen.

Als ich seine Wohnung in der ‘Upper East Side’ betrete, wurde ich gebeten, bitte meine Schuhe auszuziehen und von seiner Frau, der Violinistin Marcia Weinfeld und dem ehrwürdigen Pianisten selbst begrüßt, der entscheidend dabei mitgeholfen hat, das hohe Niveau der internationalen Piano- Szene zu prägen. “Meine Frau unterrichtet ihre Schüler im anderen Wohnungsflügel,” sagt er und schließt die großen, schweren Türen zu seinem Studio, das mit gut gefüllten Bücherregalen ausgestattet ist, die Teile der berühmten Goode Buchsammlung, Aufnahmen und viele Musikpartituren, eine gemütliche Couch und natürlich seinen Klavierflügel beheimatet.

Wie viele zu dieser Zeit aus der Bronx Stammenden, kommt Goode aus einer jüdischen osteuropäischen Familie — beide seine Großmütter wanderten mit ihren Kindern direkt vor dem Krieg aus der Ukraine nach Amerika aus und es dauerte einige Jahre bis ihre Ehemänner ihren Familien nach New York folgen konnten. Goodes Großmutter mütterlicherseits war jüdisch-orthodox und strenggläubig, was seine Mutter rebellieren und einen recht sekulären, amerikanischen Lebenstil annehmen ließ. Goode beschreibt seinen Vater als sehr musikalisch, obwohl er nie eine Musikausbildung erhielt. Seit dem sich der talentierte Sohn ernsthaft dem Klavierstudium widmete, begann der Vater Klaviere zu stimmen, “was wirklich schwer ist — ich versuchte es, aber konnte es nicht machen” fügt Goode lächelnd hinzu.

Goodes erste Lehrerin, an dessen Hausbesuche er sich noch erinnert, entsprach nicht den Vorstellungen seinens Vaters. Einen passenderen Einfluss übte Elvira Szigety, eine Tante des gefeierten Violinisten Josef Szigety, aus und leitete den sechseinhalbjährigen Jungen für die nächsten drei Jahre weiter an.

Die berühmte Kunstmäzenin Rosalie Leventritt hatte auf Richard Goodes frühe Laufbahn den größten Einfluss. Die Leventritt Stiftung war landesweit maßgeblich daran beteiligt, die Musikerziehung zu fördern (siehe die Geschichte der Young Audiences unter http://www.youngaudiences.org ). Durch die Vermittlung von Leventritt wurde Goode dem Pianisten Rudolf Serkin vorgestellt, der zusammen mit Leventritt dem Vorstand der Young Audiences angehörte und willens war, dem jungen talentierten Jungen zuzuhören, wie er für ihn im Haus von Leventritt spielte.

“Serkin brachte mich zu Claude Frank,” sagt Goode, ”der ein Schüler von Schnabel war. Ich hatte Unterrichtsstunden in Leventritts Haus. Dann begann ich das ‘Mannes College’ zu besuchen, das zu dieser Zeit auf der ‘East Side’ beheimatet war. Ich hatte in meinem Leben das Glück, durch meine verschiedenen Lehrer vielen Einflüssen ausgesetzt gewesen zu sein, wie zum Beispiel meinem Theorielehrer Carl Schechter bei ‘Mannes’ und Nadja Reisenberg, die eine Assistentin von Hoffman war, und später, als ich zu Curtis ging, Mieczyslaw Horszowski und natürlich Serkin selbst. Lehrer prägen einen unweigerlich und dann möchte man ihnen entkommen,” gibt Goode zu Bedenken. Rudolf Serkin bleibt eine herausragende Persönlichkeit mit “seiner intensiven und dramatischen Art des Spielens, seiner vollständigen Hingabe an die Absichten des Komponisten und dessen besonderem Stil … er war eine sehr starke Persönlichkeit, die ich bewunderte und von der ich mich gleichzeitig absetzen musste. Ich bin eine ganz andere Person.” Der andere gewaltige Einfluß auf Goode – obwohl nur durch seine Aufnahmen übertragen – er hat ihn nie persönlich kenengelernt – war Schnabel selbst. “Stellte Serkin die Hitze da, war Schnabel das Licht”, meint er. Der österreichische Artur Schnabel war legendär für seine intellektuelle Beherrschung von Beethovens und Schuberts Musik und den Verzicht auf jegliches aufdringliches Prahlen mit der persönlichen bravourösen Technik.

“Es ist für mich eine Erleuchtung, der man folgen konnte, in Hinsicht darauf, wie er Musik sah und wie er intellektuell mit größter Klarheit seine Musik auswahl interpretierte. Jahre nachdem ich aufhörte bei Curtis zu studieren, gab Schnabels Sohn Karl Ulrich Meisterklassen bei ‘Mannes’”. Goode war voller Ehrfurcht solch enge Begegnungen mit dem Sohn seines Idols zu haben. “Und was für eine witzige und angenehme Person er war – und was für ein genauer Lehrer. Sein Unterricht dauerte stundenlang und er gab alles in so einer ungemein warmherzigen und großzügigen Art und Weise. Seine Unterrichtstunden hielten eingie Stunden an und er war danach erschöpft” erinnert er sich. “Ich besitze immer noch Partituren, die von ihm mit Notizen versehen sind.”

Goode übernahm zusammen mit der Pianistin Mitsuko Uchida, (András Schiff machte ursprünglich ebenfalls für einen kurze, anfängliche Zeitspanne mit) Rudolf Serkins historische, vierzig Jahre andauernde künstlerische Leitung des Marlboro Festival nach Serkins Tod im Jahre 1991. Goode begann im Alter von 14 mit dem Besuch von Marlboro, idyllisch im ländlichem Vermont gelegen – einer der Haupt - Nachwuchförderungsstätten der nächsten Generation großartiger Musiker an der Ostküste. Während neun aufeinanderfolgenden Sommern spielte er Kammermusik und lernte von Lehrern, die dafür bekannt sind, zu den Besten zu gehören.

Ich fragte ihn, ob sich unter seiner Leitung das Leben in Marlboro verändert hätte. Er antwortete ein wenig zögernd: ”Der Ton mag sich ein bisschen verändert haben, aber die grundsätzliche Idee blieb bemerkenswerterweise die gleiche. Wir bekommen das Talent, bieten einen Platz zum arbeiten und natürlich eine gute Anleitung und der Geist all dessen schafft eine gute Atmosphäre, wo man auch Spaß haben kann. Wir errichten die Strukturen für Disziplin und Freiheit und dann überlassen wir alles sich selbst. Eine große Veränderung von den alten Weisen ist eine harmonischere, akzeptierendere Haltung gegenüber Musikern, die es einem erlaubt, sich nicht so zu fühlen, als wäre man auf Bewährung hier. Leute hatten früher mehr davor Angst beurteilt zu werden – nun ist alles ein bisschen legerer. Generell haben wir viele Streichinstrumentalisten, aber unglücklicherweise sind wir, was Pianisten betrifft, an der Zahl beschränkt. Wir haben ‘auditions’ und 4-5 der älteren kommen normalerweise für 3 Jahre. Das lässt den Raum für ungefähr 5-6 Newcomer zu. Alles in allem gibt es jeden Sommer 10 Pianisten vor Ort. Alle Teilnehmer proben ausgiebig zusammen und, wenn alles gut geht, hat man schließlich viele Auftritte.” Aber vielleicht ist für alle vielbeschäftigten Musiker hier in Marlboro der wichtigste Faktor das bemerkeswert Einfache und dennoch Erfrischende, das heutzutage in der schnelllebigen, geschäftigen Welt fehlt, die keine Zeit lässt: “Es ist ein Ort, an dem man Zeit hat!”

Photo:Matthew Murphy for the NYTimes
Darüberhinaus bietet Marlboro nicht nur ein sehr willkommenes Lernerlebnis, sondern auch viel Spaß mit anderen jungen Musikern; es ist ebenfalls eine großartige Gelegenheit, sich als aufstrebender Musiker einen Namen zu machen. Viele Pianisten haben dies, als Musicians from Marlboro, mit einer Vielzahl von Auftrittsmöglichkeiten über das Festival hinaus erricht, wie zum Beispiel durch eine, dem Festival angeschlossene Tournee bei der Kammermusikreihe des New York Metropolitan Museums. Unter den weithin bewunderten Teilnehmern des Festivals sind die Marlboro-Asolventen Jeremy Denk und Jonathan Biss, ein Freund von Denk, der im Februar 2010 zusammen mit Richard Goode ein außerordentliches Duo Konzert beim ‘92nd Y’ gab.

Hinsichtlich der anscheinend anwachsenden Menge unermäßlichen musikalischen Talents hat Goode Folgendes zu sagen:”Die immerwährende Fähigkeit zur Musik hat sich gewandelt; es ist bemerkenswert, was für einen Unterschied das Internet uns gebracht hat. Ich selber bin immer noch bei diesem Prozess hinterher,” gibt er lachend zu. “Ich habe bei Marlboro über die letzten 10 Jahre solche Finesse bemerkt. Leute bauen auf dem auf, dem sie ausgesetzt waren, das was sie hören und sie entwickeln eine größere Fähigkeit und Affinität. Gute technische Beherrschung war immer schon weit verbreitet. Technische Herausforderungen werden immer irgendwie überwunden werden. Ein großes Ziel vor Augen zu haben, ist aufregend und Musiker stellen sich den Herausforderungen. Aber das Niveau von musikalischem Können hat sich definitiv erhöht. Ich sehe, dass Musik im klassischen Stil zu machen, viel schwerer für die jüngere Generation zu meistern ist als vielleicht ein Werk aus dem späten 19ten oder frühen 20ten Jahrhundert. Grundsätzliche Elemente liegen viel mehr offen – jede Note zählt und Beziehungen sind vielleicht subtiler. Musiker brauchen die Öffentlichkeit, mehr Interaktion mit anderen Musikern anderer Disziplinen und mehr Kommunikation. Wir haben einige Innovationen mit bei Marlboro einbezogen, zum Beispiel ein wundervolles Programm für Vokalisten, die zuvor ein bisschen wie Bürger zweiter Wahl behandelt worden waren. Wir bieten nun einen Opern- ‘Workshop’, der von Ken Noda von der ‘Metropolitan Opera’ eingerichtet wurde, wie auch ein Programm für begabte Nachwuchs-Künstler.“

Goode unterrichtet auch am ‘Mannes College’ und gibt Meisterklassen mit Ursula Oppens am City College. “Es wurde mir zunehmend klar, dass das Unterrichten und das Spielen nur verschiedene Aspekte der selben Sache sind - ein Musiker zu sein, sich in die Musik hineinzuversetzen und, wie es Horszowski ausdrückte, das Lesen der Partitur mit einzuschließen und zu sehen, was es darin gibt!” Und er fügt hinzu, “die Sache, die ich bei Serkin gelernt habe, dass es das Resultat am Ende ist, das zu entdecken, was versteckt ist; aber um das zu tun, muss man erst die Partitur auskundschaften und darüber Bescheid wissen, was es darin gibt!”

Photo: Sasha Gusov
Und da wir über die Partitur sprechen, erzählte ich ihm von meiner Liebe für das Schumann Konzert. Er berichtet mir von einer wunderbaren Überraschung, die er eines Abends nach der Aufführung meines Lieblingskonzertes erlebte:” Nach meinem Auftritt kommt Richard Roe, der Musikexperte von Sothebys, hinter die Bühne und fragt mich, ob ich die Orginalpartitur von Schumann Konzerts sehen möchte. Ich brannte vor Freude und Neugierde und meinte, ‘natürlich, wann kann ich kommen, um sie zu sehen – vielleicht morgen?’ Und da war sie, die Orginalpartitur, direkt bei Sothebys, voll von Überarbeitungen in Schumannns sorgsamer Handschrift.” Und damit gingen wir hinüber zu seinem Bücherregal, suchten ein bisschen und kamen dann mit einer gedruckten naturgetreuen Kopie der Originalversion zurück, die so klar Schumanns Bemühungen aufzeigt, beim Übergang vom zweiten zum dritten Satz eine von vier Versionen auszuwählen. Am Anfang stand ein anderer Anbeginn, mit dem Klavier anfangend und dem Orchester den dritten Takt gebend. Goode erzählte mir von einem Auftritt, der dessen Publikum erstaunte, dem Spielen der ursprünglich ersten Version der Partitur in der ‘Carnegie Hall’ von dem Pianisten Malcom Freger, der ein Schüler von Karl Friedberg war, der seinerseits bei Clara Schumann studiert hatte. Traditionen verpflichten und die Partitur ist ein Kapitel für sich. Um dieses zu bezeugen, erzählt mir Goode, dass er sich dazu entschlossen hat, öfter mit der Partitur aufzutreten. Für ihn ist es so, dass das Auswendiglernen den Prozess des Hervorbringens von Musik beschneidet: “Besser, ich spiele entsprechend der Musik. Vieles in meinem Spielen (in der Kammermusik) liegt in der Musik selbst. Warum soll man drei Haydn Sonaten auswendig lernen, wenn man mit der Partitur vorliegend 15 spielen könnte? Ich empfinde ein großes Maß an Freiheit und weniger von der Angst, vor einem Erinnerungsfehler eingeschüchtert zu werden. Solange man die Musik verinnerlicht, macht es nichts aus, dass sie vor einem steht, es sollte so sein, wie es für einen jeden Auftrittskünstler am besten ist, das auszudrücken, wovon man denkt, das es den richtigen Klang vermittelt. ”

Es ist an der Zeit, dass sich jemand von dem emanzipiert, was zu einem ungeschriebenen Gesetz der Spielpraxis geworden ist. Zu guter Letzt geht es darum, wie gut man der Musik Gehör veschafft.



Richard Goodes nächste Auftritte in New York City:

24. April 2012 - Carnegie Hall, Isaac Stern Auditorium, New York, NY.



Während der Tournee

12. Februar 2012 - Royal Festival Hall, South Bank Centre, London

2. März, 2012 - University of Buffalo Lippes Concert Hall, Buffalo, NY.

4. März, 2012 - Chicago Symphony Center, Chicago, IL.

5. März 2012 - Lutkin Hall, Northwestern University, Evanston, IL.

9. März 2012 - Kauffman Center for the Performing Arts, Kansas City, MO.

18. März 2012 - Shriver Hall, Baltimore, MD.

20. März 2012 - SOPAC, South Orange, NJ.


Monday, January 23, 2012

Pianist Fred Hersch



Pianist Fred Hersch Photo: Matthiew Sussman


Ich habe von Fred Hersch – der nun in seinen Mitt-fünfzigern Gigs in fast jedem New Yorker Jazz - Veranstaltungsort gespielt hat, das erste Mal auf andere Weise gehört. In ‘The Insanity Hoax’ macht die Autorin Judith Schlesinger ihr überzeugendes Argument, dass das Übermaß an Kreativität, das dem Leben eines großen Musikers/Künstlers innewohnt, nicht notwendigerweise für ein verrücktes Genie sorgt und dass, wenn überhaupt, unsere großen Genies gefeiert und nicht diagnostiziert werden sollten.

Hersch, ein Überlebender eines kürzlichen Aids-bezogenen Bewusstseinsverlustes und einer wundersamen vollständigen Wiedergenesung, die ihn in die vorhergehende pianistische Großartigkeit zurückbrachte, hat bestätigt:”Jemanden mit Etiketten zu versehen ist gefährlich. Jeder wird heute mit irgendwas diagnostiziert …eine Störung hiervon und eine Störung davon…und mit Medikamenten behandelt. Und überhaupt, was ist normal? Innerhalb des kreativen Prozesses eines jeden gibt es so etwas wie eine Art Manie, eine Energie, mit der man versucht etwas einzufangen, bevor es entkommt. Zwangläufig folgt danach der Absturz. Man muss damit leben, was man erreicht hat und sich regenerieren. Vielleicht gibt es nur wenige Tage zwischen den jeweiligen kreativen Schüben, aber jeder wahre Künstler muss sich von einem solch kreativen Input erholen. Und am Ende sehe ich es als 10 Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration, selbst wenn man es kreativen Wahnsinn nennen will.”

In den späten 70iger Jahren zog Herssh, der eine klassische Ausbildung am ‘New England Conservatory of Music’ durchlaufen hatte, nach New York und lernte aus erster Hand Jazz zu spielen, indem er mit Größen wie Stan Getz, Joe Henderson, Lee Konitz, Art Farmer und Charlie Haden spielte. “Die Musik von Hersch lässt sich sich am besten in den Zusammenhang der Jazz-Tradition von Thelonious Monk, Charles Mingus, Ornette Coleman stellen. Es ist verschwenderischer, frei-fließender, unverschämt hinreißender Jazz – eigenwillig, unverkennbar eine ganz eigene Schöpfung, “ erläutert David Hajdu in seinem Porträt von Hersch in der New York Times (28. Januar 2010). Hersch hatte selbst Lehraufträge an verschiedenen Musikeinrichtungen wie der ‘Manhattan School of Music’, der ‘New School University’ und der ‘Western Michigan University’ inne, aber kehrte vor kurzem zu seiner Lehrtätigkeit am ‘New England Conservatory’ zurück, eines seiner Lieblingsorte aufgrund seiner speziellen Atmosphäre und Wertschätzung von Musikern. Er hat seinen Stempel einer jungen Generation talentierter Pianisten aufgedrückt, darunter Brad Mehldau und Ethan Iverson. ”Im zwanzigsten Jahrhundert wurde alles so aufgeteilt. Nun schmilzt es langsam wieder zusammen. Mir gefällt es Brahms, Beethoven and Scarlatti Sonaten zu spielen. Ich habe ein Programm mit Improvisationen, welches auch bei Gelegenheit das Mozart Konzert Nr. 27 neben unterschiedlichen Arrangements des Programms miteinschließt. Als Pianisten haben wir diese fantastische Literatur zur Hand …”meint Hersch. Einige seiner Kompositionen werden von ‘Peters Edition’herausgegeben.



Pianist Fred Hersch Photo: Steve Sherman


“Ich liebe das Klavier und was es machen kann, über das hinausgehend, was für Jazz-Pianisten der Standard ist,” meint er.“Es handelt sich um einen guten Auftritt, wenn wirklich eine gute Geschichte erzählt wird. Die Voraussetzung für einen guten Jazz Musiker ist ein unglaubliches Set an Fähigkeiten. Man muss zur Umstellung in der Lage sein, zu improvisieren, man muss Akkord Symbole, verschiedene Stile verstehen und begleiten können. Am wichtigsten ist der Rythmus. Das Timing kann bis zu einem bestimmten Punkt entwickelt werden, aber man muss es im Gefühl haben – das kann nur bis zu einem bestimmten Grad vermittelt werden. Wenn ich auftrete, gehe ich vorher an den Veranstaltungsort — vielleicht für 45 Minuten oder so — mache es mir am Klavier bequem und plane dann die erste Melodie. Während des Auftrittes schließe ich die Augen und von dort aus geht die Reise los. Ich bin dann in meiner eigenen Welt. Aber ich kann fühlen, wenn das Publikum hinter mir steht. Wenn ich etwas Neues entdecke, spürt es das Publikum und freut sich ebenso. Ich gehe immer davon aus, dass es anspruchsvoll ist sofern ich nicht vom Gegenteil überzeugt werde.”

Seine Lehrerin Sophie Rosoff am ‘New England Conservatory’ war eine Assistentin von Abby Whiteside, die den finger-zentrierten Ansatz von Klaviertechnik in Frage gestellt und stattdessen eine holistische Einstellung befürwortet, wo der ganze (Ober-) Körper in natürlicher Verbindung mit und zur Unterstützung der (sogenannten schwachen) Fingern agiert, und ein Training der Fingerkraft mit vergeblichen Übungen überflüssig macht. Whiteside glaubte auch an ein dem Menschen innewohnendes Rythmusgefühl, ein angeborenes Gefühl für Phrasierung, die sie in der natürlichen Fähigkeit eines Wunderkindes und Jazz-Pianisten beobachtet hatte. (aus: Wikipedia)

Um eine Einführung in den Jazz zu bekommen, empfiehlt Hersch: “Man wähle irgendeinen Song aus, improvisiere auf dessen Basis und sehe wohin das einen führt. Man sollte Jazz zuhören; es handelt sich um eine Sprache, die man sich nicht so einfach wie einen Hut aufsetzen kann.”

Ich persönlich empfehle sein Alone at the Vanguard, eine Palmetto Produktion aus dem Jahre 2011, welches seinen zweiten Durchlauf eines wochenlangen Engagements als Solokünstler am berühmten ‘New York Village Vanguard’ dokumentiert. Die CD istfür zwei ‘Grammy Awards’ nominiert: für das beste Jazz-Instrumental Album und für das beste Jazz-Improvisations-Solo (für seine Interpretation von Monks Werk).

Die großformatige Produktion von “My Coma Dreams,” einem Werk für 11 Instrumente, Schauspieler/Sänger und Animation/Multimedia wurde unmittelbar vom wirklichen Lebensereignis inspiriert. Das Projekt, das Hersch als sein “persönlichstes und wahrscheinlich ambitioniertestes” beschreibt, wurde im Jahre 2011 verwirklicht.

Hersch ist ein engagiertes Mitglied der Gay Community und es war ihm immer ein wichtiges Anliegen, die Beschaffung von Spendengeldern durch Benefiz-Veranstaltungen zu unterstützen, wie die AIDS Wohltätigkeitsorganisation Classical Action, die von IMG Mitbegründer Charles Hamlen gefördert wird.



Pianist Fred Hersch Photo David Bartolomi


Als wir uns dem Ende der Unterhaltung nähern, gesteht er plötzlich energisch ein:”Nun bin ich auf der Suche nach der nächsten großen Sache! Die letzte (er bezieht sich auf das Koma- Projekt) beinhaltete Theater. Ich hatte vor kurzem eine Idee für ein Musical, aber das ist bisher noch in der Mache. Ich mag Text und würde eine Gelegenheit begrüßen, Text und Musik einzubauen.”

In der Zwischenzeit wird die Pianistin Natasha Paremski, die im September 2010 von der ‘Classical Recording Foundation’ [Stiftung klassischer Musikaufnahmen] als junge Künstlerin des Jahres ausgezeichnet wurde, seine Improvisation on a theme by Tchaikovsky spielen, eine Auftragsarbeit der Gilmore Foundation, die sie als Gewinnerin des renommierten Gilmore Preise auswählen konnte. Sie wird es beim 2012 Gilmore Festival spielen.

Fred Hersch wird am 7. -12. Februar am New Yorker Village Vanguard mit seiner ‘Arbeitsband’, dem ‘Fred Hersch Trio’, dass John Hébert am Bass und Schlagzeuger Eric McPherson miteinschließt, aufreten.

Er wird auch als Solist am 18. März beim New Yorker Jazz Standard spielen.

Friday, December 16, 2011

In Toronto trifft Ost auf West – Julliard Piano Duo Lang Ning Liu und Michael Berkovsky

Lang Ning Liu and Michael Berkovsky

Die klassischen Pianisten Michael Berkovsky und Lang Ning
Liu sind beide sehr einfühlsame und sensible Pianisten. Owohl sie aus
unterschiedlichen Ecken der Welt stammen, teilen sie die Erfahrung eines
Studiums an der ‘Julliard School’. Jetzt haben sie wieder zusammengefunden.

Nach dem Master Abschluss bei Juilliard, dem Gewinn des
Julliard Konzertwettbewerbs und dem Auftritt in der Avery Fisher Hall im Jahre
2008 hat Michael sein Musikstudium bei Peabody fortgesetzt und gewann erneut
den Auftrittspreis, der ihn zu einem Solokonzert am
Baltimore Art Center und einem Auftritt mit Orchester unter der Leitung von Leon
Fleisher berechtigte. Ich erinnere mich gut an seinen Soloauftritt vor ein paar
Jahren, nicht nur wegen der Wärme und Farbe seiner Interpretation von
Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, sondern auch an die Tatsache, dass
nach der Hälfte des Auftritts die Konzerthalle auf einmal pechschwarz wurde. Unbeeindruckt
meisterte Michael kühn die Situation, genau wie es die legendäre Myra Hess es
tat, als sie ihr Konzert trotz des Klangs von Sirenen während der deutschen
Luftangriffe auf London weiterspielte. Michael schloss
sein Studium bei Peabody mit einem Ph.D. in Musikaufführung ab. Seine
außergewöhnlich warme und großherzige Persönlichkeit lässt kein extravagantes
Ego zu – eine Tatsache, die ihm viel Freunde und Unterstützer eingebracht hat,
wo immer er auch hingeht.

Als Lang Ning über Wege nachdachte, bei ihren Freunden
das Interesse an ihren Konzertaufführungen zu wecken, kam sie auf die Idee, chinesische
Volksweisen in ihre Konzertaufführungen zu integrieren. Dies erlaubt es Michael
und Lang Ning, nicht nur ein junges Publikum anzusprechen, sondern auch große neue
Hörerschaften zu erreichen, wie Torontos chinesische Einwohnerschaft. Lang
Nings Konzept spricht klar die sich ständig vergrößernden unternehmerischen
Instinkte junger Musiker an.

Torontos Chinesische Einwohnerschaft (nach Vancouver die
größte) hat eine anwachsende Zahl von Musikenthusiasten unter sich, die eine
Vielzahl von Konzertabenden und Auftritten besuchen. Ihre energische Unterstützung junger Talente ist etwas, auf das man rechnen kann und hat zu einer besonderen Wertschätzung für klassische Musik beigetragen. Seit dem phänomenalen Erfolg von Lang Lang sind Künstler mit asiatischem Hintergrund in anwachsender Zahl Teil des internationalen Musikzirkels geworden und präsentieren mehr und mehr weibliche Talente und werben so für das neugefundene Gefallen und die künstlerische Dynamik der jungen asiatischen Auftrittskünstlerin.

Bereits während der letzten Jahrzehnte ist an
amerikanischen und kanadischen Musikschulen und Konservatorien die Zahl der
Studenten mit einem asiatischen Hintergrund ständig angestiegen, mit
hochtalentierten Musikern, die nun mit dem westlichen Kanon aufwachsen und einen
interessanten Zulauf asiatischer Kultur bieten.
Besonders an den international bekannten Institutionen wie ‘Glenn Gould School’
in Toronto oder der ‘Juilliard School’ in New York war es einer jungen
Generation von Musikern, Instrumentalisten und Komponisten möglich, sich auf
der lokalen und internationalen klassischen Musikszenen zu etablieren. (Siehe
mein Artikel über den jungen Komponisten Huang Ruo http://english.getclassical.org/2010/05/16/180/)

Die Pianistin Lang Ning Liu begann ihr Studium am
Zentralen Musikkonservatorium in Peking und hatte im Alter von 10 Jahren ihr
Orchesterdebüt mit dem ‘Beijing Philharmonic Orchestra’. Im Alter von 17 Jahren
besuchte sie das ‘Glenn Gould Institute’ in Toronto und studierte dann bei
Juilliard von 2003 bis 2008 in New York bevor sie mit einem ‘Master’-Abschluss
in Klavieraufführung nach Toronto zurückkehrte. Sie ist nun dabei, eine
internationale Auftrittskarriere aufzubauen und fand in der internationalen
Presse sehr positive Resonanz. In diesem Monat war sie die vom ‘Toronto Concert
Orchestra’ herausgestellte Solistin, als sie mit Tschaikowskis Klavierkonzert
No.1 unter der Leitung Kerry Stratton am ‘Toronto Arts Centre’ auftrat.

Die junge Pianistin ist nicht nur für ihre unbeugsame
Technik und ihr musikalisches Können bekannt bekannt, sondern auch für ihr
Engagement für in klassischer Musik angelegter Programme, die sich an ein breiteres
Publikum wenden. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin der ‘Toronto
International Piano Competition’ und der ‘CCC National Canadian Piano
Competitions’ und dient als Jugendbotschafterin für das chinesische Kulturzentrum
des Großraums Toronto. Für eines ihrer jüngsten Musikprojekte stellte sie
erneut die Verbindung zu ihrem Julliard Mit-Absolventen und Pianisten Michael
Berkovsky her, der nun ebenfalls in Toronto lebt. Was als einzelner Auftritt begann,
bei dem Astor Piazzola Tangos gespielt wurden – einer Lieblingssache Berkovskys
– wurde zu einem erfolgreichen ‘Joint Venture’, benannt nach der Institution,
die beide Pianisten verbindet: The Juilliard Duo.

Bei Juilliard studierten Michael und Lang Ning Liu bei Julian
Martin. Obwohl Lang Ning etwas eher begann, wurde die musikalische Entwicklung
beider Pianisten sehr von dieser gemeinsamen Erfahrung geprägt.

Ihr neues Projekt beinhaltet die Niederschrift chinesischen Liedgutes, dem die Leidenschaft der
beiden Julliard Absolventen gilt. “100 Vögel begrüßen den Phönix" von Wang
Jian Zhong, für zwei Klaviere von dem The Juilliard Duo, transkribiert, besteht
derzeit als ein bezaubernder Clip, aufgeführt von Michael Berkovsky und Lang
Ning Liu. http://www.youtube.com/watch?v=dDN5TSfPq0E&feature=share

“Alles geht dabei darum, sich an ein anderes Publikum zu
wenden und unsere eigene schöpferische Begabung dabei einzubeziehen” meint Michael
in Toronto, als er mir von dem alten Volksmärchen über
den Phönix erzählt, auf dem “100 Vögel begrüßen
den Phönix" beruht: Der Phönix war ein einfacher Vogel, hart arbeitend und
ehrlich. Er sparte Nahrungsmittel zusammen, anders als die anderen bunteren
Vögel, die sich nicht sorgten und nicht daran dachten, sich auf härtere Zeiten
vorzubereiten. Als Zeiten der Hungersnot anbrachen und Vögel verhungerten,
teilte der Phönix die zusammengesparte Nahrung. Dafür sehr dankbar, gaben sie
jeder eine Feder und so wurde der einfache Vogel zum farbenfrohsten von allen
…die ‘einer für alle und alle für einen’ Ideologie kommt einem dabei in den
Sinn.”

Michael ließ sich gerne in Toronto nieder und zum ersten

Mal, seitdem seine Familie aus ihrer Russland nach Israel zog und [er] dann weiter in die USA für seinen Masterabschluss
bei Julliard und sein Doktortitel bei Peabody in Baltimore, empfindet Michael, dass er für sich ein Zuhause schafft. Obwohl
er international als Solist aufgetreten ist, mag er auch sehr die Idee, mit
einem anderen Pianisten zu spielen: “Die Energie ist eine andere, als spiele
man Kammermusik und es gibt eine großartige
Kommunikation zwischen zwei Pianisten …ein großartiger Energiefluss und
gegenseitiges Verständnis und es ist auch nicht so einsam, als spiele man ein
Solorepertoire.”

Momentan sind Lang Ning Liu und Michael dabei, den
“gelben Fluss” zu arrangieren, eine Komposition, die auf der Kantate des
chinesischen Komponisten Xian Xiang aus dem Jahre 1939 beruht. Seit ihrer
politisierten Premiere während der Kulturrevolution im Jahre 1969 erfreut sich
das Concerto in China und bei chinesischen Nationalisten in Übersee großer Beliebtheit.
Es ist als ein schwieriges Solostück bekannt. Berkovsky und Liu werden eine
zweite Klavierversion neu erschaffen. Dieser Tage
arbeiten Michael und Lang Ning daran, eine Konzerttournee vorzubereiten, die
sie in fünf chinesische Städte bringen wird, um im kommenden Sommer diese Werke
vorzustellen.