Wednesday, October 1, 2014

Pianist Lily Maisky und Cellist Mischa Maisky – Musik in den Genen

Veröffentlicht im neuen Heft von Ensemble Magazine 
Lily Maisky, Tochter des weltberühmten Cellisten Mischa Maisky, hatte schon immer eine ganz besondere Verbindung zu ihrem Vater. Er war es, der die Musikleidenschaft der jungen Pianistin durch sein musikalisches Vorbild und seine mitreissende Persönlickeit förderte.
Nicht viel anders verhält es sich mit Lilys jüngerem Bruder, dem Violinisten Sasha Maisky. Mit beiden Kindern abwechselnd oder zusammen aufzutreten, hat den Traum des Vaters vom eigenen Familientrio mit Cello, Geige und Klavier in Erfüllung gehen lassen. “Mein Vater hatte immer diese Vision, dass wir alle zusammen Musik machen würden, aber erzwungen hat er es nicht”, erzählt Lily. “Er bestärkte uns eher sanft, indem er uns musikalisch beriet, aber so, dass es Spass machte - nicht durch Spieltechnik, sondern dadurch, dass er die Fantasie beflügelte.”
(Foto - Benjamin Brolet)
Lily räumt ein, ein etwas ungelenkes Kind gewesen zu sein, das nicht so richtig in das soziale Ambiente ihrer Klassenkameraden passte: “Ich wurde nie akzeptiert; ich war exzentrisch und ständig auf dem Weg zu einer Stunde oder zum Üben. Musik war einfach immer Bestandteil unseres Lebens”, sagt sie.
Wenn Lilys Vater auf Tournee war - und das kam sehr häufig vor -  überwachte Mutter Kay die tägliche Routine am Klavier. Sie war es, die Lily um 6 Uhr morgens aus dem Bett holte, damit Lily noch vor Schulbeginn ans Klavier konnte, und sie sorgte dafür, dass ihre Tochter nach der Schule zusätzlich mindestens eine Stunde spielte.
Ab ihrem vierten Lebensjahr nahm die in Paris geborene und in Brüssel aufgewachsene Lily Klavierunterricht bei Lyl Tiempo, Hagit Kyrbel, Ilana Davis und Alan Weiss. “Als Kind war ich nicht die eifrigste Klavierschülerin; ich fand immer Mittel und Wege, die täglichen Stunden beim Klavierspiel abzukürzen. Oft habe ich ein Buch gelesen und nur so getan, als ob ich aufpasste; dabei habe ich mit nur einer Hand gespielt”, gesteht sie.
Ihre Kindheit und Jugend in Musikerkreisen übten jedoch eine Faszination auf sie aus, der sie sich letztlich nicht entziehen konnte.
“Ich habe mich immer besser mit Erwachsenen als mit Gleichaltrigen verstanden”, sagt sie. “Ich betrachtete die Erwachsenen, die um meine Eltern herum waren, auch als meine Freunde. Und im Sommer reisten wir dann als Familie zu den Musikfestivals, bei denen mein Vater auftrat.”
(Foto: Ilona Oltuski - bei der Probe mit Vater Mischa und Bruder Sasha , beim Progretto Martha Argerich in Lugano)
Ihr erstes Festival - in Verbier - erlebte Lily mit sechs Jahren, und dann begleitete sie ihren Vater auf seinen Reisen nach Siena und Israel, wo er Meisterklassen gab. Als Vierzehnjährige schrieb sie sich schliesslich als Studentin an der englischen Purcell School of Music ein und studierte neben klassischer Musik auch Jazz.
Bald schon besuchte sie Meisterklassen weltberühmter Musiker wie Dimitri Bashkirov, Joseph Kalichstein, Pavel Giliov, Vitali Margulis und Oleg Maisenberg, und mit 15 schliesslich trat sie zum ersten Mal mit ihrem Vater auf. Sie nennt dieses Ereignis eine Offenbarung:
“Ich arbeitete gerade an der sehr intensiven Brahms E-minor Sonate, und fragte ihn, ob er sie mit mir durchgehen würde. Wir planten an diesem Tag eine Party für meine Mutter und beschlossen, sie mit unserem gemeinsamen Spielen zu überraschen. Meine Mutter war ein bisschen nervös, aber als wir dann zusammen spielten, schien es das Natürlichste der Welt zu sein; es fühlte sich an, als ob wir schon immer zusammen gespielt hätten.”
Vater Mischa bestätigt das: “Wir hatten nicht geübt, sondern setzten uns einfach hin und spielten; es war fantastisch. Lily war einfach bereit für diesen Moment – so wie man je bereit sein kann – und wir spielten mit soviel Instinkt, Emotion und Sensitivität. In diesem Augenblick begriff ich, dass mein Traum Wirklichkeit geworden war, und dass wir wirklich zutiefst miteinander verwandt waren.”  (Foto - Vater und Tochter Maisky, vom Künstler bereit gestellt)
Mischa Maisky erzählt auf seine warme und humorvolle Art weiter: “Ich bin mit vielen verschiedenen grossen Musikern aufgetreten, und mit einer ganzen Reihe von ihnen verbinden mich sehr spezielle Freundschaften. Aber mit unseren Kindern zu spielen ist etwas ganz anderes. Musik beginnt dort, wo Worte nicht genügen und wird Teil unserer persönlichen Beziehung. Ich liebe alle meine Kinder, unabhängig davon, ob sie Musik machen oder nicht, aber diese gemeinsame Erfahrung schafft eine emotionale Bindung, die sehr stark und einmalig ist.”
(Foto:Ilona Oltuski - nochmals proben in Lugano)
2005 gab Lily in Emola und Ravenna ihre ersten professionellen Konzerte mit ihrem Vater. Lily erinnert sich: “Ich war noch nicht ganz mit der Schule fertig, und im Begriff, mir ein Repertoire aufzubauen, und dies war meine erste ernsthafte Kollaboration als Kammermusikerin. Damals begriff ich, dass Kammermusik meine Stärke werden würde, und dass dies der Weg für mich war. Ich war für eine Karriere als Virtuosin einfach nicht geschaffen, und eigentlich auch gar nicht interessiert daran”, sagt die zierliche Pianistin, die zu jener Zeit unter Ermüdungserscheinungen und einer schweren Sehnenscheidenentzündung litt.  Der im Vergleich zur Orchestermusik weniger anstrengende Probenplan einer Kammermusikerin entsprach der Pianistin, die sich selbst als ‘unbelehrbar’ bezeichnet, sehr viel eher.
“Meine Lehrer sagten mir, dass ich zu dickköpfig sei, um unterrichtet zu werden; ich lernte, indem ich spielte, und am ehesten auf der Bühne. Ich habe das Gefühl, dass es dieser erste, spezielle Auftritt mit meinem Vater war, der mein Interesse an Kammermusik weckte.”
2008 dann trat Lily auch als Solistin mit Werken von Scriabin, Chopin und Janacek beim alljährlichen Progetto Martha Argerich - Festival in Lugano auf und baute ihre Erfahrungen mit anderen Kammermusikern weiter aus.
“Es ist wichtig, dass man seine Stärken und Schwächen kennt. Ich glaube, dass es mir gegeben ist, auf andere zu hören und dann flexibel genug zu sein, mich auf verschiedene Stilrichtungen und Auftritte einzustellen; ich finde den Dialog, der auf der Bühne stattfindet, sehr aufregend. Jeder Kammermusiker kann auf seine Art und Weise inspirieren und das Repertoire erkunden und präsentieren”, sagt sie.
Die junge Pianistin weiss um die Probleme und Tücken einer Tochter, deren Vater weltberühmt ist: “Natürlich ist da immer der Kampf um die eigene Stimme, aber die Tatsache, dass ich kein Saiteninstrument spiele hilft”, kommentiert Lily. (Foto: Bernhard Rosenberg)
Und über die Zusammenarbeit mit ihrem Vater sagt sie: “Vielleicht fühlte ich mich etwas mehr unter Druck auf der Bühne; das bringt die Verantwortung des Namens mit sich. Letztendlich aber musst du deine eigene Stimme finden und dem, was andere Leute denken oder sagen, nicht zuviel Bedeutung beimessen. Er würde nicht mit mir auftreten, wenn er das Gefühl hätte, mein Spielen sei nicht gut genug. Dafür ist er zu sehr Musiker. Die Tatsache, dass sich unsere musikalische Zusammenarbeit so natürlich entwickelte und wir derart gut harmonieren, hat mir das nötige Selbstvertrauen gegeben, um das Gefühl, mich ständig beweisen zu müssen, zu überwinden. Natürlich ist es ein andauernder Lernprozess, der mit jeder neuen Kollaboration wächst. Mein Vater bleibt mein wichtigster musikalischer Einfluss, aber ich schaffe es, Vater und Cellist auseinanderzuhalten. Ich habe viele wichtige musikalische Prinzipien von ihm gelernt, mehr als von irgend einem anderen Musiker, und ich bin immer noch sehr wählerisch, was die Zusammenarbeit mit anderen Cellisten angeht; der Klang seines Spiels ist sehr tief in mir verwurzelt.”
Bei Proben sprechen Vater und Tochter nur wenig miteinander. Was immer kommuniziert werden muss, wie z.B. Timing und Phrasing, vermittelt sich über genaues Zuhören und Körpersprache. “Natürlich versuche ich Erfahrung und Wissen und meine Liebe zur Musik zu teilen, aber es ist keine Einbahnstrasse, und ich bin sehr offen”, sagt Vater Mischa über seine Zusammenarbeit mit Lily. “Sie beinflusst mich genauso oft, wie ich sie beeinflusse; das ist ja gerade das Schöne am gemeinsamen Musizieren und Kommunizieren – das hält mich jung”, fügt der für seinen sehr individuellen Klang und seine lockere und jugendliche Erscheinung und Garderobe bekannte Cellist hinzu.
“Ich bin der glücklichste Cellist der Welt“, sagt Mischa Maisky. “Ich habe Pablo Casals getroffen, mit Mstislav Rostropovich und Gregor Piatigorsky studiert, über zwanzig Aufnahmen mit Leonard Bernstein gemacht und in vielen Konzerten, die er dirigierte, gespielt.”
Und sein geliebtes Cello, das er mit Musikern wie Zubin Mehta, Gidon Kremer, Martha Argerich, Radu Lupo, Evgeny Kissin, Vladimir Ashkenazy und Daniel Barenboim gute 40 Jahre lang während vieler preisgekrönter Auftritte teilte? Zuerst nur Leihgabe, ging es schliesslich endlich in seinen Besitz über.
Die Liebe ihres Vaters zu seinem Instrument hat Lily immer beeindruckt. Sie meint: “Es ist nicht gerade unüblich, dass Kinder aus Musikerfamilien vom Elternhaus die nötige Obhut und Disziplin, an der es den meisten Kindern fehlt mitbringen und so dazu beitragen, eine neue Generation von Musikern zu schaffen.“
Dies dürfte vor allem dann der Fall sein, wenn sich Musikereltern und Kinder sehr nahe stehen, wie es bei Maiskys der Fall ist.
(Foto:Ilona Oltuski -Lily mit Bruder Sasha und Mutter Kay, beim Besuch des Progretto Martha Argerich in Lugano)
Doch es gab auch Krisen. Lily war gerade mal 14, als sich ihre Mutter sehr öffentlich von ihrem Vater  trennte - ein Einschnitt in Lilys Leben, der sie schnell erwachsen werden liess. “Oft war ich der Mediator”, erinnert sich Lily. “ich war empört und es dauerte Jahre, bis ich mich wieder gefangen hatte, aber ich wurde dadurch auch äußerst unabhängig und war sehr daran interessiert, mich selbst zu behaupten und auch zu finanzieren.”
Inzwischen steht Lily beiden Elternteilen sehr nahe, und liebt ihre jungen Geschwister aus der zweiten Ehe ihres Vaters. Die Kammermusik vermittelt ihr ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit zu der Musikerszene, in der sie aufwuchs und die sie liebt. “Es fühlt sich bedeutend besser an als das einsame Leben einer Solistin – auf der Bühne und auf Reisen.“
In den letzten neun Jahren sind Vater und Tochter oft als Duo oder auch als Trio mit Lilys Bruder Sasha aufgetreten, und die Deutsche Grammophon erweiterte Misha Maiskys 25-jährigen Katalog um zwei Alben, die Vater und Tochter zusammen vorstellen. Die Doppel-CD Song of the Cello enthält Werke von Rachmaninoff und Brahms, die bei Festivals in Verbier und Utrecht aufgenommen wurden. Das zweite Album unter dem Titel España! Songs and Dances from Spain ist eine Studioproduktion.
Zusammen mit Violinistin Alissa Margulis und dem Pianisten Nicholas Angelich ist Lily mit Werken von Shostakovich auf einem EMI-Album zu hören; wie auch die Musikerfamilie Maisky nehmen Margulis und Angelich regelmässig am Progetto Martha Argerich-Festival teil.
Opera Breve, ihr letztes Album mit Transkriptionen, die auf Themen bekannter Opern-Arien basieren, und das auch in der New York Times Beachtung fand, hat Lily im November 2013 mit Violinist Philippe Quint auf dem Avanti Label herausgebracht. Mit dem Violinisten Hrachya Avanesyan, der ihr musikalisch und persönlich sehr nahe steht, bereitet sie zur Zeit eine Auftrittsserie vor, und für das Jahr 2016 planen Vater und Tochter eine Tour mit dem charismatischen Violinisten Julian Rachlin. Vater und Tochter beim Auftritt

Monday, July 14, 2014

Mostly Martha: Das Progetto Martha Argerich in Lugano


 
Foto: Martha Argerich Plakat des Festivals–Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Carlo Piccardi (Progretto Martha Argerich)

“Man sollte nicht mir, sondern all diesen grossartigen Leuten hier danken; ich komme einfach nur dazu”, meint Martha Argerich, und rückt ein paar Strähnen ihrer berühmten grauen Mähne zurecht, während sie im Gedränge der Festivalgäste auf den Künstler des Abends wartet.

Eher dafür bekannt, ihr Programm in allerletzter Minute umzustellen, scheint dieser Ausdruck von Bescheidenheit unerwartet. Und dann nickt sie in Richtung eines schlanken, etwas angespannt wirkenden Herrn, der jede ihrer Bewegungen aus respektvoller Distanz aufs Genaueste beobachtet.

Der Blickkontakt zwischen den beiden bedarf keiner Worte, denn der Herr ist niemand anders als Carlo Piccardi, consigliere und einer der Pfeiler des Festivals; immer bereit, auf Argerichs Wünsche einzugehen und anbahnende Katastrophen abzuwenden, steht er der künstlerischen Leiterin des Luganer Festivals zur Seite.

 

   Foto: Martha Argerich - Copertina


 
Vielleicht möchte sie einige der Künstler zum Abendessen treffen, bevor sie sich auf den Weg zur Luganer Radiostation macht, um dort wie fast jede Nacht eine Probespätschicht einzulegen. Vielleicht möchte sie aber auch den Menschen aus dem Weg gehen, die von ihrer Präsenz fasziniert, auf eine Gelegenheit warten, sich mit ihr fotografieren zu lassen. Natürlich könnte es auch sein, dass sie den Wünschen ihrer Verehrer an diesem Abend gerecht werden möchte. 

        
Es ist ein Tanz, der von grosser Nähe und gegenseitigem Verständnis spricht, und der sich beim Progetto Martha Argerich-Festival in diesen Juni-Wochen ständig wiederholt.

Verliebt in die Idee, Kammermusik und Martha Argerich in seine Region und somit sein Leben zu bringen, hatte der frühere Radio della Svizzera Italiana - Direktor und Musikologist das Festival mit ins Leben gerufen. Initiator war der damailge EMI-Aufnahmeleiter und Fernsehproduzent Jurg Grand (Spitzname ’Abdul’), der sich die Frage gestellt hatte, warum seine grossartige Freundin, die Pianistin Martha Argerich, ein (heute nicht mehr bestehendes) Festival in Buenos Aires und eines im japanischen Beppu leitete, aber keines in Europa.

Für die in Argentinien geborene Argerich, die heute in Brüssel lebt und Schweizer Staatsbürgerin ist, schien der Projektvorschlag der logische nächste Schritt, nicht zuletzt auch ob ihrer Faszination mit allem Italienischen. Dazu kam noch die Tatsache, dass Piccardis enge Verbindungen zu Rete Due und der Banca Svizzeria Italiano – damals wie heute ein wichtiger Sponsor des Festivals – ideale Voraussetzungen für ein Kammermusikfestival in der italienischen Schweiz schufen. Piccardis Ausdauer und Argerichs überzeugender Persönlichkeit und überragenden muskialischen Grösse ist es zu verdanken, dass Jurg Grands Frage derart erfolgreich beantwortet wurde, und Lugano nun ein Festival von Weltklasse beherbergt.
“Martha ist wie ein Fluss”, sagt Piccardi, während er gleichzeitig vier wichtige Telefonate nacheinander führt. “Als wir sie kontaktierten, um die Möglichkeit eines Luganer Festivals zu besprechen, sagte sie: ‘Hmm, ja, es ist vielleicht möglich.’ Und dann war das erste Festival 2002 eine Katastrophe”, erinnert sich Piccardi.

“Als Direktor der Kulturabteilung eines Radiosenders hatte ich keinerlei Erfahrung mit Live-Konzerten. Am Ende war ich völlig erschöpft, und Martha and Jurg übernahmen die Zügel. Morgens fanden Konzerte in einer Kirche statt, abends im Sender, und die 32 Künstler mussten abends auch noch proben. Heute legen wir zwischen Proben und Aufnahmen einen freien Tag ein; dafür haben wir inzwischen 82 Musiker, und die Konzerte verteilen sich über drei Wochen; viele Konzerte werden live aufgenommen und gesendet, oder auch live gestreamed.” 

Im zweiten Jahr war Piccardi besser vorbereitet: “Ich war nun mit den Problemen vertraut, die eine Produktion dieser Grössenordnung mit sich bringt, aber dann kam es zu einer Katastrophe: Jurg, der Gründer des Festivals, starb plötzlich. Martha war zu der Zeit in Buenos Aires, und wir mussten schnell entscheiden, ob wir weitermachen. Wir entschieden uns, zumindest die bereits geplante Saison durchzuführen”, sagt Piccardi. Was erschwerend dazu kam, war , dass … “vom Klavier abgesehen, Martha nicht sehr systhematisch denkt. Sie ist oft ambivalent, und bleibt vage, wenn man sie etwas fragt. Es ist immer ein ‘vielleicht’.”

       
Die Offenheit eines ‘vielleicht’ kommt Argerich bei ihrer Talentsuche möglicherweise zugute. Empfehlungen von Freunden, auf deren Urteil sie vertraut, sowie ihre Teilnahme als Jurymitglied internationaler Wettbewerbe bringen sie ständig in Kontakt mit vielversprechenden neuen Künstlern.

Foto: Andrej Grilc
“Sie vertraut auch meinem Urteil, und einige der jungen Künstler, die beim Festival aufgetreten sind, waren von mir vorgeschlagen worden; aber sie ist auch sehr spontan und entdeckt manchmal Künstler auf YouTube”, erläutert Piccardi, der sich hauptsächlich um das Programm kümmert.    

Meist ist es schon sehr spät, wenn Piccardi die legendäre Pianistin nach ihrer nächtlichen Programmvorbereitung nach Hause bringt; es wird oft genug 3 Uhr morgens. “Martha ist eine Nachteule”, sagt Piccardi, “Sie übt manchmal gern gleich nach einem Konzert und bereitet das nächste vor.” Argerich legt nur kurze Verschnaufpausen ein, zum Beispiel um ab und zu eine Zigarette mit einem ihrer Musiker Kollegen zu rauchen und zu plaudern.

Bekannt dafür, dass sie sich nie ausreichend vorbereitet fühlt, hat Argerich vor Auftritten häufig Lampenfieber. Dieses Jahr war es Tchaikovskys Concerto No.1, das sie nervös machte, und das obwohl ihre Interpretation aus dem Jahr 1994 unter dem legendären Claudio Abbado als Massstab für dieses Werk gilt. Trotzdem: Vor ihrem Auftritt im Luganer Palazzo Dei Congressi, wo sie mit dem Orchestra Della Svizzera Italiana unter Alexander Vedernikov auftrat, meldete sich wieder einmal die Bühnenangst.

 

Der Gemütszustand der Pianistin mag die Teilnehmer und Besucher des Festivals bewegen, doch Piccardi nimmt an diesen Spekulationen nicht teil. Er vertraut lieber bewährten Rezepturen, wie dem alten Künstlerhaus, das die Künstlerstiftung Pro Helvetia Martha Argerich für die Dauer des Festivals zur Verfügung gestellt hat, und in dem sie sich wohlfühlt. Nur wenige Schritte von Piccardis eigenem Haus entfernt, vermittelt das Haus die zeitlose Atmosphäre eines Ortes, der sich seit vielen Jahren von der Energie seiner Künstlergäste nährt.

“Martha ist kein Mensch, der einen Monat lang in einem Hotel wohnen kann; sie braucht ein familiäres Ambiente; es sind all die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen”, erklärt Piccardi. “Wenn wir mitten in der Nacht zur Casa Pantrova zurückfahren, ist da ein Gefühl von Zugehörigkeit, von zu Hause ankommen.
Mit Programmen, die die Interaktion des Klaviers in allen möglichen Formen und mit verschiedenen Instrumenten zelebrieren – seien es Piano-Duos, Trios, Quartette oder Quintette, oder mitunter auch mehrere Pianos gleichzeitig – hat sich das bereits seit 13 Jahren bestehende Festival einen internationalen Namen gemacht. Fester Bestandteil des vielfältigen Konzertangebots sind Martha Argerichs Auftritte mit Freunden, Kollegen und jungen Musikern. 

“Sie macht soviel Mut”, sagt die venezuelanische Pianistin Gabriela Montero, deren internationale Karriere nicht zuletzt durch Argerichs Ermunterung, bei Auftritten ihr besonderes Improvisationstalent auszuleben, positiv beeinflusst wurde.

Das Festival, das an verschiedenen Veranstaltungsorten in und um Lugano stattfindet, rühmt sich seines unbürokratischen Procederes: hier gibt es keine Formalien in Form von Bewerbungen, und der sonst übliche Wettbewerb um Zugang zum Festival fällt gänzlich weg. Martha Argerich ist offen für neue Talente; ihr musikalischer ‘Inkubator’ ist ein Versuchslabor, das jungen Musikern erlaubt, mit international anerkannten Künstlern aufzutreten. Mehr noch: das hohe Mass an Respekt für die Künstler des Festivals bewirkt, dass Kapazitäten wie der Geiger, Pädagoge und Schauspieler Ivry Gitlis, ebenfalls ein langjähriger Freund Argerichs, seine Beteiligung am Festival trotz fortgeschrittenen Alters zwar nicht mehr als Performer, aber durch seine Lehrtätigkeit weiterführt.

“Martha liebt es, von anderen Künstlern umgeben zu sein, und die eher belastenden Aspekte der Auftritte, als auch die Freude am gemeinsam Erlebten,  mit ihnen zu teilen“, sagt Picardi. Oft sieht man sie mit Künstlern lachen, oder sich über ihre Schwierigkeiten mit einer Partitur beschweren. Von jungen Musikern umgeben, scheint die Energie der 73-jährigen Pianistin kein Alter zu kennen.

In letzter Zeit beunruhigt sie jedoch die Entscheidung einiger Kollegen, nicht mehr öffentlich aufzutreten.” Im Gegensatz zu Alfred Brendel und Maria Joan Pires, die ihre Auftrittskarriere an den Nagel gehängt haben und es lieben, Masterklassen zu geben, ist Martha nicht am Unterrichten interessiert.  

“Martha muss geradezu auftreten; sie kann ohne Musik nicht leben”, sagt Piccardi, und fügt hinzu: ”Kammermusik ist ihr Lebenselixier.” Wer Argerich spielen sieht und hört, wie zum Beispiel im eleganten Grand Hotel Villa Castagnola, oder beobachtet, wie sie im Kreis junger Künstler auf ihren Auftritt wartet, weiss wovon Piccardi spricht. Und in all den Jahren ihrer langen Karriere hat sie nichts von ihrem meisterlichen Spiel verloren. Es ist immer noch eine wunderbare Erfahrung dabei zu sein, wenn sie ihr Piano mit Leib und Seele zum Erklingen bringt.

Künstler aller Herren Länder kommen jedes Jahr in Lugano zusammen, aber neben gemeinsamer musikalischer Aktivitaten ist es vor allem der persönliche Kontakt zu Argerich, der für viele von Bedeutung ist. Der gemeinsame Nenner der Freundschaften, die über die langen Jahre Argerichs internationaler Konzertkarriere hinweg entstanden, ist oftmals Argerichs Fähigkeit, ihren Platz im Rampenlicht mit anderen Künstlern zu teilen und diese zu unterstützen. So hat das Festival auch seine familiären Aspekte, und kann vor allem für Musiker zu Beginn ihrer Laufbahn Wunder wirken: Foto: Andrej Grilc

“Am Festival teilzunehmen kann dich wirklich vorwärts bringen”, sagt Nora Romanoff, eine junge Musikerin, die seit ihrem 16. Lebensjahr am Festival teilnimmt. Die Tochter der berühmten Geigerin Dora Schwarzberg hatte ihren sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser, als das Festival in seinen frühen Tagen eine zusätzliche Bratschistin suchte. “Kann sie es schaffen?”,  hatte Argerich Dora Schwarzberg gefragt, mit dem Ergebnis, dass Nora ohne jegliche Vorerfahrung in Sachen Kammermusik zur jüngsten Musikerin des Festivals wurde.
 

 
 

Misha Maisky und Martha Argerich

 

Martha Argerichs musikalischer Partner und langjähriger Freund, Cellist Misha Maisky, bringt seine beiden Kinder - Pianistin Lily und Geiger-Sohn Sasha - regelmässig zum Festival, um sie vom ‘learning by doing’-Prinzip des Festivals profitieren zu lassen. Und die Pianistin Lilya Zilberstein, ebenfalls eine langjährige Weggefährtin Argerichs, tritt nun mit ihrer ehemaligen Schülerin Akane Sakai sowie ihren beiden  Pianistensöhnen Anton und Daniel Gerzenberg auf.

Die Liste der alljährlichen Lugano-Pilger umfasst auch Künstler wie Gidon Kremer, Stephen Kovacevich und Charles Dutoit, die Teil von Argerichs Leben sind; sie alle würdigen die grosse Martha mit ihrer Anwesenheit, und Martha Argerich teilt die Bühne nur zu gerne mit ihnen. 

         

(Foto: Annie Dutoit mit Carlo Piccardi)
Annie Dutoit, Argerichs mittlere Tochter aus ihrer Ehe mit dem Dirigenten Charles Dutoit, gab beim diesjährigen Festival mit ihrer Adaption des Textes von C.F. Ramus zu Igor Stravinskys L’histoire du soldat ihr Schauspieldebut. Auch Bratschistin Lyda Chen, Argerichs älteste Tochter aus ihrer ersten Ehe mit Dirigent Robert Chen, nimmt regelmässig am Festival teil, oft als Partnerin bei den Auftritten ihrer Mutter. 

         

Argerichs jüngste Tochter Stephanie stellte beim Festival 2013 den von ihr produzierten Film Bloody Daughter vor; der Dokumentarfilm gewährt intime Einblicke in das Leben ihrer eher zurückgezogen lebenden Mutter. Der Titel des Films spielt auf die Spannungen im Familienleben des Piano-Superstars an, aber – wie Stephanies Vater, der Pianist Stephen Kovacevich im Film erklaert - ist Stephanie’s Spitzname “bloody daughter” eher liebevoll gedacht. Was der Film leistet ist, dass er die rein menschliche Seite der grossen Pianistin vorzustellen weiss.  (Foto: Ausschnitt des Films)

“Martha mochte den Film, und obwohl sie ihre Privatsphäre sehr schützt und es ein bisschen unheimlich sein muss, derart persönlich porträtiert zu werden, hätte der Film doch von niemand anderem als ihrer Tochter gemacht werden können”, kommentiert Piccardi.

Keiner der Gäste verlässt das Festival ohne eine Verabschiedung von Argerich. Egal in welcher Sprache – die Pianistin spricht fliessend Italienisch, Englisch, Spanisch, Französisch und auch ziemlich gut Deutsch – der Ton ist immer sehr persönlich und engagiert.

Seit 2002 bringt EMI unter dem Titel “Martha Argerich & Friends: Live from Lugano” eine Reihe von Aufnahmen heraus, die über Warner Classics vertrieben werden. Unter dem Titel “Martha Argerich: Lugano Concertos” veröffentlichte die Deutsche Grammophon ein 4-CD-Album, das die erste Dekade des Festivals mit dem Orchestra della Svizzeria Italiana vorstellt. Das Album wurde letztes Jahr mit dem Echo Klassik-Preis ausgezeichnet. 

Ohne Rücksicht auf ihr Prestige wurden alle Künstler von Anfang an gleich und pro gespieltem Konzert bezahlt. “Wenn sie mehr verdienen wollen, müssen sie mehr Konzerte spielen. Egal ob sie einen grossen Namen haben oder nicht – jeder Musiker tut hier das Seine”, sagt Piccardi.
“Zu Anfang des Festivals ging es wirklich hauptsächlich um die künstlerische Grossfamilie, aber mit der Entwicklung des Festivals wuchsen auch die Egos, Fragen wie ‘wer spielt mit wem’ kamen auf den Plan, und Wettbewerbsdenken machte sich breit“, meint Piccardi.  “Meine Rolle ist es, alles im Sinne der ursprünglichen Idee von Aufgeschlossenheit zu organisieren, Musik im Zentrum der Aufmerksamkeit zu belassen und ein anspruchsvolles Programm auf die Beine zu stellen.”

Das sollte Martha Argerich und Carlo Piccardi auch in Zukunft gelingen.

 

Das 14. Progetto Martha Argerich-Festival findet voraussichtlich wieder  im Juni 2015 in Lugano statt.

 

 

Monday, June 30, 2014

Adrienne Haan bahnt sich mit sprengender Energie und Lust am Freidenkertum den Weg zum Kabarett und zum amerikanischen Kunstlied

“Ich mag es, den Leuten Musik und die Leidenschaft, die sich in ihr verbirgt, nahe zu bringen. Das bedeutet jemanden zu verzaubern, einen Moment die Realität in Vergessenheit geraten und die Sinne walten zu lassen …” sagt die in Deutschland geborene Adrienne Haan, die im Jahre 1999 ein Studium an der ‘American Academy of Dramatic Arts’ abschloss. Und sie zieht tatsächlich das Publikum in ihren Bann, indem sie auf lebendige Weise eine Vielzahl von Charakteren in einer sexy Routine porträtiert, die eine hochkarätige Stimme mit lebhaft, anregendem Schwung und perfekter Diktion in Deutsch, Französisch und Englisch kombiniert. Ab und zu, wenn die thematische Programmauswahl es erfordert, kann sie auch ein jiddisches Lied hinzufügen, was besonders wirksam ist, wenn sie ihre Lieblings-Epoche erkundet: die Geburtsstunde des deutschen Kabaretts und Kunstliedes und deren Helden wie Marlene Dietrich, Kurt Weill und Bert Brecht. Ihre letzte Kabarett Show ‘The Streets of Berlin’, welche dem deutschen Lebensgefühl der zwanziger und dreißiger Jahre und all den turbulenten gesellschaftspolitischen und kulturellen Einflüssen Tribut zollt, baut auf dem Repertoire ihrer CD von 2010 auf: ‘Berlin, mon amour,‘ einschließlich der Werke für Orchester und Gesang, von Komponisten wie Misha Spoliansky bis Kurt Weill, arrangiert und unter der Leitung des preisgekrönten Filmproduzenten Heinz Walter Florin. Die CD ist sowohl in Englisch als auch in Deutsch erhältlich. Die Aufnahme wurde von ‘Das Beste,’ einem deutschen Musikverlag, mit dem Haan zuvor für ihre erste CD Veröffentlichung im Jahre 2007 zusammen gearbeitet hatte, mitproduziert. Haan nahm auch an einigen Rundfunksendungen des deutschen Fernseh-und Radiosender WDR, teil. Haan, die in Bonn lebt, aber einen Großteil ihrer Zeit in New York verbringt, hat erfolgreich eine Solokarriere ins Leben gerufen, die auf den vielen Erfahrungen und der breiten Palette ihres kulturellen und musikalischen Verständnisses aufbaut.Die Programmauswahl der Schauspielerin und Sängerin erweckt die Vorstellung ihrer schier grenzenlosen, stimmlichen und theatralischen Bandbreite; ihre Ausbildung im Bereich Liedinterpretation stellte sie durch den Unterricht an der Julliard School auf eine breitere Basis, was ihr erlaubte, sich mit so unterschiedlichen Projekten wie mit Shakespeare Stücken, mit Musiktheater wie Cabaret oder Evita und mit Dramen wie unter anderem O’Neills Anna Christie zu beschäftigen. Es ist jedoch die freche Charakter-Rolle der lebhaften und dreisten Chanteuse, in der Haan, die die doppelte Staatsgehörigkeit Deutschlands als auch des französischsprachigen Luxemburg besitzt, ihre ideale Nische gefunden hat, um ihr strahlendes Selbstbewusstsein und ihre dramatische Energie als Solistin auf die Bühne zu bringen. Wenn sie singt, wird ihre frische Sopran Stimme von jazzigem Tosen aufgerührt, einschließlich des zusätzlichen französischen ‘Spatzenstimmen-’ Tonfall à la Edith Piaf. Während viele Mitglieder von Haans Zuhörerschaft mühelos ihrem für sie typischen, provokativen Charme und dem Reiz ihres blondes Fräulein-Aussehen erliegen, ist es ihr glühendes Engagagement, ein inniges Verständnis dieser Zwischen-Epoche zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wachzurufen. Haan vertritt eifrig die frische Perspektive der heutigen jungen Generation, die zwischen der Geschichte der Zerstörung und der bohrenden Suche nach einer wahrhaftig liberalen, demokratischen Gesellschaft existiert; Haans Bewusstsein für Frauenrechte, sexuelle Revolution, ethnische und religiöse Gleichberechtigung liegt beständig im Zentrum ihres künstlerischen Strebens, was zum Nachdenken anregt, wobei es aber immer unterhaltend bleibt. Als Künstlerin hat sie eine Gabe, Dinge persönlich zu machen:”Solange die Leute zuhören, erzähle ich Geschichten. Weil es genau das ist, wenn ich auf der Bühne bin: ich singe, aber ich erzähle auch immer wieder neue Geschichten. Es gibt Geschichten der Freude und des Leidens, immer auch Geschichten über ein ‘joie de vivre’, das Hoffnung, Lust, Sexualität und Verführung beinhaltet. Man wird eine Kombination all dieser Dinge in ‘From Berlin to Broadway’ finden.” Die Fragen des Kabaretts, die in ‘The Streets of Berlin’ angesprochen werden, legen auch heute wesentliche Wahrheiten offen und Haan ist fasziniert von der allgegenwärtigen Relevanz des Kabaretts und seiner genre-übergreifenden Methode, menschliche Gefühle zu beschreiben: “Innerhalb dieser Melodien und Dichtungen liegt eine Art dunkler Humor verborgen, der die Menschen befähigt, das vom Krieg, Verlust und Tod  verursachte Leid in sich aufzunehmen, aber auch den Humor, die Freude und die Trauer der Gefühle zu teilen, die in der Liebe und in menschlichen Beziehungen zum Ausdruck gebracht werden.”Die Berliner Mauer fiel, als Haan 11 Jahre alt war und ein neues Gefühl einer globalen Wiedervereinigung die Grenzen öffnete; mit dem Fall kamen Berlins Probleme finanzieller Unsicherheit und politischer Instabilität neu hervor. Haan hebt den Einfluss der Rezession der Berliner Weimarer Republik vor dem zweiten Weltkrieg und das Drohen des heraufziehenden Nationalsozialismus hervor und folgt der kreativen Denkweise, die diese, geboren in einer verzweifelten Zeit und hineinreichend bis in die heutigen globalen kulturellen Zentren, hervorbrachte. Indem Haan das Persönlichste der Geschichten herausfiltert, stellt sie über alle Grenzen hinweg die Fortsetzung des Kampfes gegen Diskriminierung, Verfolgung und die Engstirnigkeit sicher. Mit großer Liebe und Ausdauer, ob sie in den Botschaften von Deutschland oder Luxemburg auftritt, ob sie bei den kleinsten Zusammenkünften erscheint oder weithin im Rundfunk ausgestrahlt wird, Haan hat die Persönlichkeit und den Esprit ihre Stimme rüberzubringen. (Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin) In New York konnte man letztens Adrienne Haan im ‘National Arts Club’ erwischen, und sie wird mit ihrem Temperament sicher bald weitere Herzen der New Yorker erobern, wie zum Beispiel bei geplanten Auftritten in der Neuen Gallerie und bei GetClassical. Es sind auch am 2.und 3. Oktober Auftritte für Feierlichkeiten der UN  im Central Park  und am 15. Oktober zur Neueröfnung des Deutschen Konsulats in Washington D.C. angesagt.

Monday, June 9, 2014

Der freudige Klang der Musik – Cellistin Ani Aznavoorian

 
Ich kenne den Preis der Stille
Wenn an der Schwelle des Klangs
Es sich in der Kontour der Leere verbirgt

Mit dem schlagenden Herzen verschmilzt

(Teil des Gedichtes “Schlaflosigkeit” – von Lera Auerbach)

 

Die Cellistin Ani Aznavoorian und die Pianistin/Komponistin und rundum künstlerisch schaffende Kraft Lera Auerbach waren während ihrer gemeinsamen Jahre bei Julliard Mitbewohner. Vielleicht ist es diese persönliche Vertrautheit, die zwei außergewöhnliche Musikerinnen miteinander verbindet, oder vielleicht ist es ihre ungemein harmonische musikalische Seelenverwandtschaft, die eine besondere Verbindung schmiedet; wie auch immer, es bleibt eine Tatsache, dass wenn sich beide junge Frauen zu einem Konzert zusammenfinden oder als Komponist und Solist zusammenarbeiten, Funken sprühen.

Wir hatten immer eine starke Verbindung und genossen die Gegenwart des jeweils anderen, meint Aznavoorian, die vor kurzem von Santa Barbara aus zu einem Konzert in New York anreiste. Sie hatte bei Aldo Parisot studiert und war die jüngste Cellistin, die den Julliard Konzertwettbewerb während ihres ersten Jahres dort gewann. Seitdem ist Aznavoorian international mit vielen renommierten Orchestern und Musikern aufgetreten. Und doch, Aznavoorians und Auerbachs Live Performance von Auerbachs 24 Preludes für Cello und Piano, die sie 1999 im Alter von 26 Jahren komponierte und, vor 11 Jahren als Ballet aufgeführt, von John Neumaier an der Deutschen Staatsoper in Hamburg choreographiert wurden, waren gemäß Aznavoorian bisher “ihre größte Sache zusammen.”

Dies stimmte zumindestens bis Auerbachs neues Konzert namens Dreammusik, das für Camerata Pacifica und Ani Aznavoorian geschrieben wurde und am 7. März dieses Jahres am ‘Colburn School Zipper Auditorium’ in Los Angeles von Aznavoorian und Mitgliedern des renommierten Westküsten Kammermusik Ensembles uraufgeführt wurde.

Es war das Konzert der 24 Preludes im Jahre 2010 gewesen, das Sandra Svoboda, ein langjähriger Fan von Aznavoorians dynamischem Performance Stil und der neuartigen Programmgestaltung von Camerata Pacifica, dazu anregte, eine neue Komposition von Auerbach in Auftrag zu geben, welche von der sehr geschätzten Cellistin gespielt werden wird, die seit fünf Jahren die Stelle als erste Cellistin beim Camerata Pacifica innehat. Die Absicht, die sich hinter diesem Auftrag verbarg, war es, für das Ensemble und Aznavoorian den belebenden Geist der 24 Preludes wiedererstehen zu lassen, was als vor muskulärem Elan und Heftigkeit strotzend” beschrieben und “als eine richtungsweisende Performance einer bemerkenswerten Ergänzung des Kammermusik Repertoires” bezeichnet wurde.” 

Die Veröffentlichung im März 2013 von Celloquy, einer
gemeinsamen Aufnahme von Aznavoorian und Auerbach auf dem Cedille Label, stellte 24 Preludes zusammen mit Sonata, die 2002 komponiert worden war, und mit Postlude vor, einem Werk aus dem Jahre 2006, und hielt  – gepaart mit weiteren Live Konzerten der 24 Preludes  – den Schwung des Werkes in Gang, was dessen charakteristische Stimmung frisch in den Köpfen der Zuhörer hinterließ. Die zyklische Komposition von 24 Miniaturwerken - je eine in jeder Tonart und – beruhend auf der Tradition der Präludien Niederschriften von Bach bis Schostakowitsch – erstreckt sich auf die ganze emotionale Bandbreite von Auerbachs dramatischer und dennoch intensiv lyrischen Komposition. Das tonale Zentrum ihrer Vorgänger wird buchstäblich anhand von chromatischen Tonfolgen und einem Wirrwarr musikalischer Strukturen zerfranzt, was seine dramatische Energie lebendig hält.

Das neue Konzert für die Cellistin und ein kleines Kammer Ensemble, auf das Aznavoorian und Camerata Pacifica lange gewartet hatten, war für Aznavoorian, als es endlich ankam, eine unerwartete Überraschung: “Das Stück unterschied sich sehr von dem, was ich erwartet hatte. Leras Werke, die ich zuvor gespielt habe, waren sehr virtuos und voller Gestik, bei Dreammusik hingegegen geht es vielmehr um Struktur und Klangfarbe und diese lullt den Zuhörer in einen dem Title entsprechend angemessenen, traumartigen Zustand ein. Anders als bei traditionellen Konzertkompositionen mit voneinander getrennten Sätzen, handelt es sich um ein ungefähr 35-minütiges Werk ohne Pause und so sind dessen Umfang und Struktur zwei sehr vielschichtige Aspekte. Es ist düster und grüblerisch und unglaublich schön,” meint Aznavoorian. Als es für Aznavoorian Zeit wurde, Dreammusik mit den neun Mitgliedern des Camerata Pacifica uraufzuführen, war sehr zur Erleichterung der Cellistin, Auerbach zugegen und während des Verlaufs der Proben sehr hilfreich. Schließlich war es das erste Mal, dass die Cellstin die Gelegenheit hatte, das Stück als Ganzes zu hören; sicherlich ein komplexer Moment, selbst für eine intuitive und einfühlsame Musikerin wie Aznavoorian, deren allgegenwärtigste Leidensschaft die Kammermusik ist. “Ich mag alles daran, an erster Stelle die Musik, aber auch den ganzen Prozess gemeinsam zu proben und dann gemeinsam mit Freunden auf der Bühne zu sein. Manchmal lache ich hysterisch und sage mir – ich kann nicht glauben, dass dies mein Beruf ist!” In der Tat, beobachtet man Aznavoorians Art und Weise mit ihrem Cello umzugehen, erkennt man sogleich die große Freude, die sie in ihrer Verbundenheit für ihr Instrument empfindet. Ihr Cello wurde für sie von einem ihr sehr am Herzen liegenden Fachmann hergestellt – ihrem Vater Peter Aznavoorian. Armenischer Herkunft und wohnhaft in Chicago, folgte er spät in seinem Leben einem inneren Ruf und wurde Violinenbauer in Chicago: “Er weiß mehr über Instrumente als jeder, den ich kenne und er ist auf seine Weise sehr genau. Mein Cello hat den Buchstaben A in die Schnecke eingeschnitzt, mein Vater sagt, dass dieses für Aznavoorian steht, aber für mich steht es für Ani – es ist meins, ganz allein,” lacht sie und schüttelt ihr lockiges Haar. Während ihrer Konzerte, kann

füehlen, dass sie sich das Instrument vollständig zueigen gemacht hat und beherrscht, um fein nuancierte Klangfarben, einen subtilen, warmen Ton und eine brillante, natürliche Technik auszudrücken.

Aznavoorians Karriere hat viele unterschiedliche Wege eingeschlagen und schließt das Unterrichten mit ein, das sie mit ganzem Herzen genießt. Aber wie so viele junge Mütter hat sie ein bisschen damit zu kämpfen, das richtige Gleichgewicht zwischen ihrem Familienleben und ihrer Karriere zu finden. “Es ist schwierig sichtbar zu bleiben,” sagt sie. Mit einem kleinen Sohn Alexander, der zweieinhalb Jahre alt ist, und mit einem weiteren Kind auf dem Weg, hat die Künstlerin ihre Reiseauftritte zurückgefahren. Während sie, bevor sie Kinder hatte, zweimal monatlich nach New York kam, kommt sie nun nur noch viermal im Jahr, oft um mit den ‘Jupiter Symphony Chamber Players’ aufzutreten, deren einzigartiges Programm sie sehr schätzt. Vom Alter von drei Jahren an mit Musik aufgewachsen, blieb diese ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens und machte sie zu einem einfallsreichen und verlässlichen musikalischen Partner, was viele derer, mit denen sie zusammenarbeitete, unter ihnen Auerbach, in ihr auch sahen.

Auerbach, die im Ural geboren wurde, hatte sich aus der Sowjetunion abgesetzt, um zu den weiteren Ufern ihrer scheinbar endlosen kreativen Energie aufzubrechen. Sukzessiv fügte sie ihrem ungeheuren Pianismus, weitere verschiedene künstlerische Medien, hinzu. Seit nunmehr fünf Jahren hat sich diese Kreativität in ein anwachsendes Oeuvre von Gemälden und Skulpturen übertragen. In Verbindung mit ihrem neuen Konzert für Aznavoorian hat Auerbach eine an Chagall erinnernde Traumlandschaft gemalt, die sie zur Auktion anbot, und die Hälfte der daraus erwachsenden Einnahmen für den weiteren Ausbau von Camerata Pacifica Programmen gestiftet.

Entzückt von dem lebendigen Werk – ein perfektes Relikt ihrer unvergesslichen Erfahrung mit dem Konzert, das für sie in Auftrag gegeben worden war – entschlossen sich Aznavoorian und ihr Ehemann es zu kaufen. Das Werk verkündet das Konzert auf dem Camerata Pacifica Poster, das von einem tief ozean-blauen Terrain beherrscht wird und mit einem dahintreibenden Cello und anderen im Ozean driftenden Lebewesen; das Original Öl- und Sepia-auf-Leinwand-Gemälde, das ca. 100 - 75cm breit ist, wird gegenwärtig für Aznavoorian gerahmt.

Was aber die Bedeutung des Konzertes selbst anbelangt, verhüllt sich Auerbach unerbittlich ins Schweigen. In einem Interview mit Daniel Kepl im Vorfeld der Konzert-Premiere sagte sie: “Ich möchte, dass das Publikum es selbst in Erfahrung bringt. Ich denke, dass die Worte des Komponisten recht gefährlich sein können, wenn es um Musik geht. Dies stellt vielmehr eine wunderbare Einladung an das Publikum dar, seine eigene Imaginationskraft zu erkunden.”

Das scheint angemessen zu sein, wenn es um sich um Träume handelt – und Musik: eine sehr persönliche und flüchtige Dimension, die in ihrer eigenen Welt existiert.

Thursday, June 5, 2014

Pianist/Komponist Michael Brown –leistet musikalisch Schützenhilfe


 
 

(Bildnachweis: Jeanette Beckman)


 
Als der amerikanische Pianist Michael Brown als Teenager zum ersten Mal im Radio, ein bestimmtes,  zeitgenössisches, klassisches Stück hörte, verliebte er sich in das First Piano Concerto des Komponisten George Perle. Es gab etwas an dem Werk des Komponisten, was seine Neugierde und Faszination anzog und es bewegte ihn dazu, sich an das Klavier zu setzen und ein weiteres von Perles Stücken für das Klavier zu lernen: Six Celebratory Inventions. Er fühlte sich damit eng verbunden und er wusste, das er noch weiter forschen musste. Im Jahre 2003 gelang es dem jungen Pianisten, ein Treffen mit dem damals noch lebenden Pianisten zu arrangieren und für ihn zu spielen. Er hatte einfach nur Perles Verleger kontaktiert und wurde kurz daraufhin eingeladen, dessen Wohnung an der Westseite des ‘Central Parks’ zu besuchen. Für Brown stellte sich dies als der Beginn einer langanhaltenden, fruchtbaren Freundschaft mit dem Komponisten heraus, die nach dessen Tode im Jahre 2009 mit dessen Witwe Shirley eine Fortsetzung fand. Michaels Bewunderung von Perles Werk, welches auch bei Michaels eigenen Werken Spuren hinterlassen sollte, führte zu einem häufigen Spielen von Perles Repertoire, das oftmals verstreut in Michaels Aufführungsprogramm einfliesst. In jüngster Zeit hat das seinen Höhepunkt in Michaels Veröffentlichung von seiner George Perle CD auf dem ‘Bridge Records Label’ gefunden, die sich dem Erkunden der stilistischen Entwicklung der Werkes von Perle verpflichtet fühlt. Sie schließt zwei Weltpremieren mit ein: Perles Classic Suite und Chansons Cachées, das Material, das Michael bei einem Besuch Shirleys verstreut hinter einem Bücherregal vorfand.

 
Michael Brown und sein Mentor George    Perle von Roman Rabinovich
Michael wusste von Anfang an, dass seine Vorliebe für das Klavier sich mit seiner Faszination des Komponierens die Waage hielt. Daher zögerte er nicht, sich für ein herausforderndes Doppelstudium bei Julliard zu bewerben. Michael graduierte im Jahre 2011 mit einem zweifachen ‘Master’- Abschluss und dem ‘William Petschek Piano Recital Award’, einer Auszeichnung der Universität, nachdem er sowohl bei den beiden Pianisten Jerome Lowenthal und Robert McDonald als auch den Komponisten Samuel Adler und Robert Beaser studiert hatte. Heute trägt Michael weiterhin gleichzeitig zwei unterschiedliche Hüte.
Michael ist von der Kritik für viele seiner Konzerte hoch gelobt worden.  Die New York Times hat Michael als einen “jungen Klavier Visionär” beschrieben. Die Times hat bei der Verkündung des Konzertes und Veröffentlichungsveranstaltung seiner CD im Mai am ‘DiMenna Center for Classical Music’, die von der ‘Concert Artist Guild’ präsentiert wurde, ihn auch als “einen der führenden Persönlichkeiten, bei der derzeitigen Renaissance von Auftritts-Komponisten” gepriesen.
“Michael Brown, der Gewinner unseres Wettbewerbs im Jahre 2010 ist ein ungewöhnlich bedachter und einfühlsamer Musiker, der sich gleichermaßen beim traditionellen Repertoire wie auch bei der zeitgenössischen Musik zuhause fühlt. Als Komponist bringt er eine besondere Einfühlsamkeit mit in die Aufführung. Er hat ebenso eine tiefe Wertschätzung von den stilistischen Feinheiten, was ihn zu besonders interessanten, programmatischen Konzepten bringt,” unterbreitet Richard Weinert, Direktor der ‘Concert Artist Guild’.

Wenn es sich um Fragen der Programmauswahl handelt, genießt Michael eine eklektische Kombination von traditioneller klassischer Musik mit einemGeschmack fürs Zeitgenössische und verbindet bei seinen Konzerten beide Klangwelten. Michael begann erst in jüngster Zeit disem Mix ebenfalls seine eigenen Kompositionen hinzuzufügen. Michaels Identität als Komponist ist in seinem musikalischen Können verwurzelt, aber hat auch spontanen Ursprung.  Als Künstler taucht er sogleich ein:  “Als Pianist und Komponist ringe ich immerzu um Eingebung, man sollte nicht darauf warten, dass diese einfach kommt, man sollte einfach nur schreiben und scheitern und von der harten Arbeit lernen, statt auf die göttliche Eingebung zu warten, sagte er während unseren Treffens in einem lauten Restaurant beim Time Warner Center.






 


(Bildnachweis Ilona Oltuski)



Michael sucht oft in der Literatur nach Inspiration: “Vor ungefähr 5 Jahren,” sagt er, “schrieb ich ein Stück für Klavier und Cello mit dem Namen Five am. Es basiert auf dem Gedicht von Alan Ginsberg und beschreibt diesen besonderen Zeitpunkt, für die einen, den Beginn des Tages, für andere, das Ende einer langen Nacht, voller Wahnsinn und dennoch eine quälende Suche nach Inspiration, Spiritualität oder Drogen.” Das Stück landete in einer in Auftrag gegebenen, gemeinschaftlichen Filmproduktion für das ‘Morab Music Festival’ 2013. Es stellte den jungen Künstler und Pianisten Roman Rabinovich vor und Five am wurde von Michael und seinem Duett-Partner, dem Cellisten Nick Canellakis aufgeführt. Ihre Freundschaft und Zusammenarbeit begann, als die drei Musiker sich durch das ‘Ravinia Summer Chamber Music Program’ im Jahre 2008 kennenlernten: “Nick, ein leidenschaftlicher Film Aficionado, entschloss sich dazu, dass wir einen Kurzfilm, machen sollten, der mein Stück, (gespielt von uns) und Roman, und seine Gemälde vorstellen würde.”
 
“Es ist wirklich schwer, das Stück ‘live’ zu spielen, während der Film vorgestellt wird, da man sich nicht gut gegenseitig sehen kann und es verzwickt ist, die Signale zum Einsatz zu bekommen, was in jeder Kammermusik Performance notwendig ist,” meint er.  (Bildnachweis: Ilona Oltuski)








Michael wurde auch der erste Gast bei der Pilotvorstellung von den Gesprächen mit Nick Canellakis, einer Serie von satirisch angehauchten Interviews mit Musikern, die sich im allgemeinen auf besondere Eigenheiten oder letzte Neuigkeiten von den interviewten Künstlern konzentrieren. Michael wurde gleich in drei aufeinanderfolgenden Episoden zum Ehrengast und landete als Nicks rechte Hand auf eine Reihe von Unterhaltungs-Chats, deren Bekanntheitsgrad dadurch wuchs, viele bekannte Künstler anzuziehen, die bereit waren, von Nick in die Mangel genommen zu werden und gewillt, einer großen Zuschauerschaft auf YouTube ausgesetzt zu werden.

“Diese Interviews sind humoristische und persönliche Eindrücke vom Leben der Musiker, die mit ernsthaften Dingen beschäftigt sind. Der Humor liegt in der Art und Weise, wie wir unser Gespräch auf den zeitlichen Rahmen von 4-5 Minuten zuschneiden, indem wir lustige Ausschnitte und missliche Situationen zeigen und die Finger auf die offene Wunde legen und sie so in einem anderen Licht porträtieren und eine zwangslosere, menschlichere Seite von ihnen zeigen.
“Natürlich versuchen wir, das Gespräch zu unseren Gunsten zu beinflussen, aber wir sprechen auch mit jedem besonderen Künstler über relevante Themen: Leon Fleishers Repertoire für die linke Hand, David Finckel, der das ‘Emerson String Quartet’ verlässt, Osmo Vänskä und das Minnesota Orchestra….
Während Nick auf forschere Art das Gespräch führt, schätzt sich Michael glücklich, “der nette, liebenswerte Typ,” zu sein, der “unterstützende Mann an der Seite”, eine Rolle, die ihm perfekt steht. Ihr letztes Gespräch stellt das bekannte, witzige, musikalische Duo Igudesman & Joo vor, deren anfänglicher YouTube Erfolg sich bei ihren Konzerte weltweit in ein enormes Gefolge verwandelt hat.                                                                                                           (Foto mit freundlicher Genehmigung von Nick Cannelakis)
“Sie sind wirklich lustig, meint Michael, der findet, dass das Leitbild für ihre Gespräche irgendwie auf dem Humor von Zack Galifianakis’ Between Two Ferns beruht. “Aber sie sind ebenso großartige Musiker. Wenn das nicht der Fall wäre, würde keiner sie wirklich ernst nehmen. Ihre Shows kommen an, weil ihre Musik ankommt und es ihnen erlaubt, ein bisschen verrückt zu spielen.” Und das ist genau die Sache, wofür Michael bekannt sein möchte: der unterstützende Mann an der Seite zu sein, bei jeder Art der Zusammenarbeit und dabei großartige Musik zu machen, “die er liebt.
Michael und Nick, die als das Canellakis-Brown Cello-Piano Duo seit 2009 bestehen, planen ihre erste Duo CD für ‘CAG Records’ im Juni aufzunehmen. Canellakis’ musikalisches Können wird auch von  der ‘Chamber Music Society’ des Lincoln Centers vorgestellt. Die beiden Künstler sind zusammen soeben im Rahmen des ‘Musicians Emergency Fund’ Konzertes, das am 17. Mai in der ‘Alice Tully Hall’ stattfand, wie auch in verschiedenen Kammermusik-Szenarien aufgetreten, einschließlich einem Mini-Gastspiel in Brooklyns Barbès Veranstaltungsräumlichkeiten.
“Ich mag verschiedene Aspekte eines Auftritts. Mit einem Solo Repertoire hat man selbst die Kontrolle, aber wenn man zusammen mit anderen Mitwirkenden unterwegs auf Reisen ist, macht es wirklich so viel Spaß und bei Nick und mir dreht sich vieles um die Kammermusik.” Es ist eine willkommene Neuigkeit, dass Michael für die 2015-18 Saisons sich der ‘Chamber Music Society Two’ des Lincoln Center hinzugesellen wird.
Ein weiteres Projekt, das Michael am Laufen hat, ist eine CD für das ‘Naxos Label’, die eine Schubert Auswahl beinhaltet, wie auch ein, mit seinem eigenen ehemaligen Lehrer, dem Pianisten Jerome Lowenthal, vierhändig eingespieltes Album für ‘CAG Records’, das eine leichtere, französische Note haben wird, die von Michaels Transkription von George Gershwins An American in Paris für vierhändiges Piano angeregt worden ist.
“Ich finde auch wirklich Gefallen an einer interdisziplinären Herangehensweise, die sich auf alle Kunstgattungen erstreckt, und dann ist es auch eine große Belohnung, für meine Künstlerfreunde, die mich daraufhin ansprechen, zu komponieren,”sagt er. Anscheinend zeigen viele seiner Künstlerfreunde ihre Unterstützung, nicht nur indem sie in großer Zahl bei seinen Aufritten erscheinen, sondern es kommen auch zunehmend von jungen Künstlern wie Orion Weiss und Adam Golka Aufträge herein und andere werden sicherlich folgen, so dass Michaels Output für viele zu hören sein wird.