Monday, October 8, 2012

Lernen von den Meistern




Murray Perahia Foto: Felix Broede
Klassen, gegeben von den meist bewunderten Meistern auf ihrem Gebiet, sind oft direkteste und effektivste Weg betrachtet, sowohl Studenten als auch Fans zu inspirieren. Als Ergebnis von Yoheved Kaplinskys (Direktor der Klavierfakultät an der ‘Julliard School’) diesbezüglicher Initiative, hat in dieser Woche der ehrwürdige Pianist Murray Perahia seinen aufgezeichneten Mini-Gastaufenthalt angetreten. Ara Guzelimian (Hochschulkanzler und Dekan) hat die Reihe so gestaltet, dass sie aus Vorlesung/Vortrag und drei Meisterklassen besteht, eine von ihnen mit Zutritt für die Öffentlichkeit. Weitere solche Gastaufenthalte in dieser Spielsaison beinhalten Richard Goode (öffentliche Meisterklasse am 24. Oktober) und Leon Fleischer (öffentliche Meisterklasse am 24. Februar 2013) in Juilliards ‘Paul Hall’.
Als ich mich der neu errichteten Brücke näherte, die Julliard mit dem größerem ‘Lincoln Center’ Komplex verbindet, dachte ich über die vielen Bemühungen von Julliard nach, sich über den ausgewählten Kreis hinaus an die Öffentlichkeit mit solch unterschiedlichen Programmen zu wenden, wie ihre an die Öffentlichkeit gerichteten sozialen ‘outreach’- Auftritte, die zusätzlich angeboten zu den Publikationen, den eigenen Klassen für Abendschüler und für die, die sich auf ein Hochschulstudium vorbereiten wollen.
Diese Meisterklassen sind eine wunderbare Bereicherung ihrer Programme. Neben der Gelegenheit weltbekannten Auftrittskünstlern aus der Nähe und persönlich zuzuhören, ist es natürlich der Traum eines jeden aufstrebenden Pianisten, die Geheimnisse (sofern es sie gibt?) eines jeden großartigen Auftrittskünstlers zu entlocken. In diesen Meisterklassen kann der Künstler zeigen, was seine Auftritte so einzigartig und erfolgreich macht, indem er Erfahrungen und aufschlussgebende Erläuterungen weitergibt, warum er diese und nicht eine andere Ausführung bevorzugt.
Die Frage für jeden Künstler besteht nicht so sehr darin, welcher Ansatz wohl als bester zu bewerten sei – es gibt viele, die Gültigkeit haben, die auf einer einfach unendlichen Anzahl von Variabeln beruhen, die in der Veranlagung, Technik und Persönlichkeit des Künstlers zu finden sind. So viele Diskrepanzen wie es sie im methodischen Streben nach dem letzendlichen musikalischen Ergebnis es auch gibt, was allein zählt, ist, dass der Auftritt in übereinstimmender Art und Weise überzeugend ist.
Also, wie vermittelt ein meisterhafter Musiker und freigiebiger Mensch, wie es Perahia zweifelsohne ist, seine Weisheit? Was für Ratschläge kann er speziell den gutvorbereiteten Studenten geben, die für ihn spielen?
Interessanterweise, der Rat, der als der aufrichtigste und als Ergebnis tiefstempfundener Zuneigung und härtester Arbeit zu bestehen schien, waren die Bemerkungen, die sich auf die Bedeutung von Musik selbst bezogen und direkt aus seinem Herzen kamen. Es stellte sich heraus, dass diese viel mehr Relevanz hatten, als ein jegliches Detail: “Musik ist eine Geschichte. Wenn man keine Geschichte erzählt, ist sie trocken. Die Geschichte muss dabei nicht unbedingt wörtlich genommen werden – sie erzählt manchmal weniger als die Noten selbst – obwohl es in einigen Fällen nichts an der thematischen Idee verkehrt ist. Einige Leute gehen sehr ins Detail konkreter Assoziation; was soll die Musik wiedergeben?... Ich denke nicht, dass das sehr hilfreich ist, obwohl es natürlich Stimmungen hervorrufen kann. Ich glaube nicht, dass es bei Musik um Handlungen geht – vielmehr geht es bei ihr um Gefühle – um den den Ausdruck von Gefühlen!”

Murray Perahia mit Karl Schechter
Zusammen mit seinem ehemaligen, bewunderten Lehrer Karl Schechter an der ‘Mannes School of Music’ diskutierte Perahia den Ansatz Schenkerianischer Theoretischer Analyse, einem Dauerbrenner in Julliards Curriculum, als einen Ansatz, der nicht seine Gültigkeit hat, Musik nicht nur aus dem Bauch aus zu erkunden, sondern mit Ideen und konzeptionellen Werkzeugen in der Hand:” Wir legen nicht nur einfach unsere eigene Persönlichkeit in das Spielen, der Auftrittskünstler hat die Verpflichtung auf den Grund der Partitur zu gehen. ‘Schenker’ ist eine Art sich dem organischen Ganzen der Komposition zu nähern.”
Indem er sich auf das größere Ganze bezieht, “erleichtert” dieser Ansatz die Harmoniestrukturen zu analysieren, auf denen die Musik beruht:” das Erkennen der Antrieb gebenden Elemente in der Musik.”Dennoch wie Perahia selber zugibt, ist er [der Schenker Ansatz] als recht komplex bekannt und, obwohl er über Schecker schon früh in seinen Studententagen lernte, versetzte er sich erst dann tief darin hinein, als er durch eine Handverletzung gezwungen war, ab und zu mehr Zeit fern vom Klavier zu verbringen.
Als er während der Meisterklassen am Klavier großzügig etwas veranschaulichte, was der Himmel für die Fans war, bestand er darauf:”Macht nicht, was ich mache – seid frei!” Ebenso gab er guten, soliden Rat, wie: “Denkt immer musikalisch, wenn ihr technisch übt, ansonsten wird es beim Auftritt technisch – wie bei einer Etüde. Der musikalische Ausdruck findet immer seinen Weg in die Geste, man muss es am Klavier zum Ausdruck bringen.” Er befürwortet, aufgeschlossen zu sein: “…und hier magst du durch die Pausen in die Pedalen treten”, sagt er einem seiner Meister-Studenten. ”Trotz meines Lehrers, der immer gesagt hat:”Man kann nie durch die Pausen treten” – trete hier durch!”
Die Juilliard Studenten und Alumni hatten einige enthusiatische Reaktionen. Eine von ihnen, Alexandra Joan, beindruckte mich besonders in ihrer vorbehaltslosen Reaktion auf das Programm. Als Seelenverwandte, vertraute die junge Pianistin mir an, dass Veranstaltungen wie diese ihren Aufenthalt in New York lohnend machen würden. Sie meinte, “sein Unterrichten ist unglaublich inspirierend. Ich mag sehr die Tatsache, dass er immer zuerst eine Frage über das Stück an die Studenten richtete, um unabhängiges Denken fast auf eine väterliche Art anzuregen… es ist kein Zufall, das er ein solch großartiger Interpret ist, wie er wirklich mit seinen Gedanken vieles tief durchdringt, um bedeutungsvolle Verbindungen in der Musik zu finden.”

Murray Perahia mit dem inspirierten Fan Alexandra Joan
Als Auftrittskünstlerin, die am Pariser Konservatorium studierte, bevor sie nach New York kam, um an der ‘Julliard School’ ihr Studium fortzusetzen, ist sie von einem solchen wissbegierigen Ansatz fasziniert, aber interessanterweise findet sie:”Schenker ist nicht trocken wie ein Bibliothekar; sein Schreiben ist sehr romantisch und idealistisch. Tatsächlich veröffentlichte er zuerst sein Buch anonym unter dem Titel: “Neue Musikalische Theorien und Fantasien von einem Künstler.” Wenn ich ein Stück beginne, halte ich nach seiner DNA Ausschau und Schenker hilft mir dabei, die versteckte Struktur in den Noten zu erkennen. Selbst dann, wenn man es intuitiv macht, ist es sehr anders und zugänglich – jedoch als eine einzigartige harmonische Struktur - weiß man über das Warum Bescheid, Es bringt es – sicher, ich weiß, dass ich ein Idealist bin – auf eine höhere, ja göttliche Ebene.”

Wie wundervoll solche Leidenschaft zu wecken! Das ist es letztendlich, worum es beim Lernen vom Meister geht: Die Einsichten weiterzugeben, die durch ihre eigene Arbeit und Errungenschaften gewonnen wurden und um dadurch, wie Perahia sagt, unsere Perspektive zu verändern: ”Schenker hat meine eigene Arbeit beinflusst, er regte mich an und ich wollte Ihnen das mitteilen – es verändert einen sehr, indem man bewusster ist. Analysiert man mit diesem Ansatz eine Partitur, erfährt man etwas über den Auftritt – ihr vorgegebenes Tempo (abgesehen von Markierungen) und die vorausgesetzte Richtung, die die Partitur nimmt; ein Verständnis, das man nicht notwendigerweise ohne ihn bekäme. Und da es [dann] weniger beliebig ist, was man am Klavier machen soll, gewinnt man größeres Selbstvertrauen.”

Vivian Fung - Dreamscapes

Das Publikum, das im traditionellen Saal der ‘American Society’ im Stadthaus in der New Yorker ‘Upper East Side’ Platz genommen hat, wartet mit großer Erwartung auf Vivian Fungs Dreamscapes Veröffentlichung. Andrew Cyr, der einfallsreiche, für einen Grammy nominierte Direktor und künstlerische Leiter des Metropolis Ensemble, gibt dem Pianisten zu verstehen, mit dem Abendprogramm anzufangen, indem er die Saiten des Konzertflügels zupft.
Foto: Andrew Cyr im Gespräch mit Tim Martyn
Zwei Schlitztrommler aus seinem Orchester entsenden von hinten mystische und seltsam fern klingende rhytmische Trommelschläge in den Saal; vogelähnliches Zwitschern überlagert die Klänge der Trommeln, als die Musiker, die sich unter das Publikum gemischt haben, damit beginnen, verschiedene vietnamesische Vogelpfeifen zu spielen.
Als Cyr die Percussionisten auffordert, sich stetig dem Bühnenraum zu nähern, beginnen sich die unterschiedlichen Stimmen zu vereinen.
Der Pianist Conor Hanick bereitet das Klavier entsprechend von Fungs Hinweisen mit Eisstielen, Haarklemmen und Büroklammern vor und erfindet so eine berühmte Praxis, für die sich zunächst der Pianist und Komponist John Cage eingesetzt hatte, aufs Neue.
Selbst das Publikum bekommt die Möglichkeit mitzumachen, indem es mit Weingläsern Musik macht und mit einem einbezogenen Fundstück Spass haben kann.” Die aus Kanada stammende Komponistin Vivian Fung wartet und beobachtet aufmerksam, wie das Publikum auf ihre auditiv und räumlich fesselnde Musik reagiert und bemerkt wie das Publikum, obwohl es sehr einfühlsam ist, auch manchmal verblüfft dreinschaut.Und so beginnt die Einführung des Abends in die kreative Welt der Komponistin.
Vivian Fung und Kristin Lee
Dem Auftritt folgen einige Überlegungen aller Solisten, des Dirigenten, einiger Orchestermitglieder sowie des zweifach mit einem ‘Grammy’ ausgezeichneten Produzenten und Toningenieurs Tim Martyn zum Aufnahmeprozess dieser CD.
Conor Hanick erläutert, dass Fungs Klangwelt Teil eines einzigartigen Genres ist, dass eine Vielfalt von originären Klangassoziationen in Verbindung mit Klängen bringt, die von javanesischer und balinesischer Gamelan inspiriert wurden und mit verschiedenen Mitteln instrumenteller Anpassung, und im Falle des Klaviers, einer Veränderung des Timbres durch das Anbringen von Objekten an den Saiten produziert wurde. Fungs enthusiastische Erkundung des indonesischen Gamelan war ein durchgehendes stilistisches Element im Werk der jungen, an der Julliard School ausgebildeten Komponistin, die von der New York Times als heraufbeschörend bezeichnet wurde.
Fungs letzte CD wurde kürzlich von dem neu gegründeten Naxos: Canadian Classics Label veröffentlicht, welches die Idee von Naxos’ Raymond Bisha ist. Die CD beinhaltet drei Werke, die sich von Glimpses (2006) bis zum Klavierkonzert Dreamscapes (2009) erstrecken. Bestehend aus verschiedenen übergangslosen Klangbildern vertieft das Dreamscape Konzert, das Hanick, einer der anderen beeindruckenden Julliard Absolventen vorstellt, Themen, die in Fungs vorausgehenden Werken erkundet wurden; zum Beispiel basiert das zweite Klangbild auf “Kotekan” – dem Ersten Satz von Glimpses. Es ist recht interessant, der Tiefe und dem Detail in Fungs Werk - angefangen von ihrer frühsten vorgestellten Komposition Glimpses bis zu ihren fantasievollen und organisch verdichteten, neueren Werken - nachzuspüren.
Das neueste Stück auf der CD, vorgestellt von der virtuosen Violinistin Kristin Lee, ist das Violin Concerto (2010/11). Wie Fung und Lee zeigen, war das Finden der perfekten Kadenz Teil eines faszinierenden Prosesses als Team zusammen zu arbeiten. “Ich wollte wirklich dabei mit Kristin zusammenarbeiten,” meint Fung, “und ich habe mehrere Entwürfe gemacht, um mit etwas aufzuwarten, dass vollkommen ihrer Hand entsprach –nicht als ob sie nicht alles spielen könnte.” Verschiedene Versionen der Kadenz wurden verworfen, da ihnen die Flüssigkeit fehlte oder sie zuviele extreme Tonabstände aufzeigten, die neben anderen Makeln nicht gewünschte Dissonanzen hervorbrachten. Die endgültige Version in Gis beinhaltet viele Arpeggio-Sätze, die einen Fluss hervorbringen, der für Lees weitläufige Technik wesentlich ist. Die melodischen Stimmführungsmöglichkeiten der Kadenz fusionieren mit vielen Glissandi, um die Sätze menschlichen Gesangs zu imitieren. Fung meint, dass sie das Konzert auf javanesischem Gamelan aufgebaut hat, das viel sinnlicher und romantischer als das balinesische Gamelan ist. Neben der Tatsache von Gamelan Musik selbst inspiriert zu sein, bemerkt Fung, dass sie und Lee im Jahre 2010 zusammen nach Bali gereist sind; die Reise war eine prägende Erfahrung in ihrer musikalischen Freundschaft und noch eine weitere Inspirationsquelle für die Kadenz.
Fung empfindet eine enge Verbindung zu all denen, die an der Produktion von Dreamscapes teilhatten, mit denen sie berufliche Beziehungen wie auch Freundschaften aufrecht erhielt. Fung hat ihr Team mit viel Feingefuehl ausgesucht. Die Solisten auf der Dreamscapes Aufnahme besitzen eine virtuose Technik, und sogar fast noch wichtiger, besitzen sie ein tiefes Verständnis für Fungs Vorstellungen. Andrew Cyr und das erklärte Leitbild des Metropolis Ensemble betonen ihren Wunsch, “innovative Konzert Erlebnisse aus der Verpflichtung heraus zu schaffen, klassische Musik in ihrer gegenwärtigsten Form zu machen.“ Dem Metroplis Ensemble war es, indem es diesem Ziel treu geblieben ist, möglich, eine große Anhängerschaft zu finden und Werke eines sehr interessanten Aufgebots zeitgenössischer Komponisten in Auftrag zu geben und uraufzuführen. Erhebliche Unterstützung für Vivian Fung’s Dreamscapes wurde von Paul und Elisabeth DeRosa zur Verfügung gestellt.
Foto: von links- Tim Martyn, Vivian Fung, Kristin Lee, Conor Hanick, Raymond Bisha.

Saturday, September 29, 2012

Beethoven Reise mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes


“Man weiß nie, was einen gleich als nächstes erwartet,” meint der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes über Beethoven, als er seine persönlichen Ansichten auf seiner sogenannten ‘Beethoven Reise’ im Rahmen einer intimen Zusammenkunft des Publikums im ’Green Space’ Studio des Radiosenders WQRX zu beschreiben versucht.
Beethoven errichtet eine größere Struktur, die auf sehr einfachen Motiven beruht, die zwar sehr organisch ist, aber viele melodische Überraschungen bereithält. Andsnes hat in den Werken Beethovens für sich eine Art Fixierung auf Resonanz entdeckt, was sich in seiner Verwendung extrem langer Triller und der langen Pedalisierung zeigt und welche auf einem neuen Klavier sogar noch länger klingt als es das jemals auf den Instrumenten aus Beethovens Zeit tat. Andsnes fragt sich, ob diese Vorliebe vielleicht in Beethovens letzendlichem Gehörverlust ihren Ursprung hatte.
In dem Interview mit Jeff Spurgeon erwähnte Andsnes im Anschluss an seinen Auftritt im ’Green Space’ am letzten Samstag Nachmittag die handgeschriebene Partitur von Beethovens berühmter Sonate Nr 21, Opus 53 (Waldstein) – ein Stück, das Andsnes zusammen mit der Sonate Nr 22, Opus 54 darbieten wird. In dieser Partitur einer der längsten Sonaten Beethovens erkennt Andsnes zuerst die energiegeladene Handschrift, die sich in der Geschwindigkeit der Komposition wie auch im extensiven, vehementen, Kontrastaufbau in diesem Oeuvre ausdrückt. Als eines der längsten Werke des Meisters, erläutert Andsnes, dass es auch lange Passagen enthält, die Transformationen wiederholter Fragmente aufweisen, die den ganzen Text hindurch vorkommen, es handelt sich dabei um einen Teil der Reise, der voll von tief bewegenden Motiven ist und die Erwartungen weiter steigert - Erwartungen, die am Ende in dem damit untrennbar verbundenen Finale von der Waldstein [Sonate] erfüllt werden.
Nur drei Tage vor seinem Auftritt im ‘Greene Space’, der als Webcast im Internet übertragen wurde, eröffnete Andsnes, dessen Klavierfertigkeiten jüngst von Blogcritics’ Jon Sobel gelobt wurden, die Spielzeit des ‘New York Philharmonic’ Orchesters mit György Kurtag, Opus 27, Nr. 1 (quasi una fantasia genannt / für Klavier und Gruppen von Instrumenten) und Beethovens
Klavierkonzert Nr. 3.
Als er Jeff Spurgeons etwas rhetorisch klingende Fragen recht lebhaft beantwortet, erinnert sich Andsnes daran, wie dieses Interesse an Beethoven in Wirklichkeit tatsächlich begonnen hatte: ”Ich war in Sao Paulo, trat dort auf, übernachtete in einem Hotel und betrat den Fahrstuhl, woraufhin das erste und zweite Beethoven Konzert wiederholt stundenlang gespielt wurde. Zuerst dachte ich, oh nein – aber es erweckte eine neue Perspektive von Beethoven, die nicht im eigentlichen Zentrum meines Repertoires stand. Ich dachte mir: ‘es ist an der Zeit erwachsen zu werden… und ein bisschen Beethoven zu spielen!’”
Natürlich hat Andsnes in der Vergangenheit etwas Beethoven studiert. Im Alter von sieben Jahren spielte er die Mondscheinsonate, die er pianistisch gesehen als fremd empfand; aber darin erkannte er dennoch ein wichtiges, tiefgreifendes Element innerhalb des Stückes. Er meint, “Beethovens Musik besitzt nicht die offenkundigen sinnlichen Elemente wie Chopin oder Grieg … aber es gibt eine solch unglaubliche
Aufrichtigkeit.”
Andsnes mag es manchmal, Beethovens übermässiges Vertrauen auf die Resonanz-Eigenschaften des Klaviers auszugleichen und spielt einige der Pedalierungen nicht so lange, wie die Partitur es verlangt, was, wie er glaubt, die Musik besser dem heutigen Klavier anpasst. Er findet, dass “die Musik umfangreich genug für verschiedene Ansätze ist.” Ich persönlich mochte seinen aufgeschlossenen Ansatz sehr und empfand diesen als sehr wirkungsvoll.

Andsnes plant Beethovens Oeuvre als Teil seines bevorstehenden Projektes vorzustellen, an dem er für Sony arbeitet und das all die Beethoven Aufnahmen Seite an Seite mit dem Gustav Mahler Orchester enthalten wird. Andsnes wird ebenfalls eine gewaltige Reihe von internationalen Auftritten, die sich über die Spielzeit 2014/15 erstrecken werden, in Zusammenarbeit mit der norwegischen Stiftelsen Kristian Gerhard Jebsen leiten.

Sunday, September 16, 2012

Die Geschichte von Naxos

“Naxos sieht unseren Feierlichkeiten in New York zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen mit der Signierstunde von ‘Die Geschichte von Naxos’ im Julliard Buchladen entgegen, einer Party in der Steinway Hall und verschiedenen Zusammenkünften mit Medien- und Geschäftspartnern,” sagt Klaus Heymann, Gründer von Naxos und, mit stolzen 75 Jahrne, das Herz des Plattenlabel Imperiums, das er aufgebaut hat. Heymann ist während der öffentlichen Buchsignierung im Julliard Buchladen am 14. September selbst anwesend. Voll von aufschlussreichen Hintergrundsgeschichten über die Aufnahmeindustrie, erzählt The Story of Naxos, geschrieben von dem ehemaligen klassischen Musikjournalisten und Hörbuchspezialisten Nicolas Soames, die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte von Naxos. Das Buch geht hinsichtlich von Heymann ins Detail, dem ‘Self-Made Man’ und Musikliebhaber, wie auch der Achterbahnfahrt von Siegen und Niederlagen, die Naxos erfahren hat, als es wuchs und am Ende die Welt der Aufnahme klassischer Musik, mit neu erfand. Was 1987 als ein Budget Label mit Sitz in Hongkong begann, ist zu einer globalen Institution in der Plattenindustrie klassischer Musik und zum weltweit führenden Vertriebsnetzwerk klassischer Musik erwachsen. In seinem Vorwort reflektiert Klaus Heymann darüber, wie Naxos “die Kultur und die Industrie klassischer Musik verändert hat“ und lobt die Fähigkeiten derer, die dies vollbrachten, indem sie neue und innovative Wege fanden, sich an ihre Aufgaben zu machen, oft angesichts starken Widerstands. Heymanns Worte kann ich persönlich gut nachempfinden, besonders als er erörtert, wie es ihm nur mit Hilfe derer möglich war, seine erfolgreichsten Leistungen zu erreichen, die an seine Ziele glaubten. Wirkliche, unternehmerische Vison muss mit Innovation beginnen, aber es bedarf auch der Unterstützung einer engagierten Community und persönlichen Beziehungen, wie Heymann bescheiden feststellt: “Sie glaubten einfach an das, was ich zu erreichen versuchte.”(Foto: Sean Hickey, Komponist und Naxos Manager für Verkauf und Geschäftsentwicklung in den USA seit 2002 - Steinway Hall Empfang) Heymanns erfolgreiches Zielstreben ist sicherlich auf seine eigene Überzeugung zurückzuführen, dennoch hält er seine Triumphe vornehmlich seinem gemeinsamen Lebens in der Musikwelt mit seiner Ehefrau, der Violistin Takako Nishizaki zugute, deren Aufnahmekarriere bei Naxos vielleicht seine wirkliche Inspirationsquelle ist. Ich nehme an, es ist wahr, was sie sagen; hinter jedem großen Mann steht eine großartige Frau! Und Heymann bestärkte mich darin, indem er beim Naxos Empfang in der Steinway Hall sagt:

„In der Tat und dennoch eine viel bessere Frau”!” Foto: Mr. und Mrs. Klaus Heymann (Violinistin Takako Nishizaki) beim Steinway Hall Empfang für Naxos.

Monday, September 3, 2012

Noam Zur begleitet Daniil Trifonov mit dem CSO an der Chautauqua Institution

Daniil Trifonov, Noam Zur with CSONoam Zur: “Man kann nicht immer überzeugen“ meint der junge israelische Dirigent bei seinem nordamerikanischen Debüt, “aber jeder Auftritt muss aussagekräftigt sein.” Bekannt als ein wichtiges Bildungs- und Freizeitzentrum für die darstellenden Künste wie auch als Ort der Spiritualität, hatte Chautauqua seinen Ursprung in einer Sonntagsschule und das ‘Chautauqua Symphony Orchestra’ (CSO) wurde im Jahre 1929 zu einem professionellen Auftrittsensemble. Chautauqua lockt vor allem seine langjährigen Mitglieder für eine Zeit von neun Wochen an, indem es sie mit einem intensiven Programm von 21 Konzerten bedient. Teils des Charmes von Chautauqua beim Musizieren liegt darin begründet, dass diese Shows ein vertrauliches gemeinschaftliches Erlebnis schaffen . Chautauqua Amphitheater Foto:Eric Shea Chautauquas einzigartige und bespielhafte pädagogische Rolle unterstützt eine endlose Vielzahl von Lernerfahrungen in einer angenehmen Atmosphäre. Zeitweilig wurden Chautauquas Auftritte auch einer breiteren Öffentlichkeit durch PBS und NPR, also denÜbertragungen der öffentlichen Sender nähergebracht, indem sie das Neue, das Bemerkenswerte und das Außerordentliche zusammenbrachten und es auf all diejenigen projizierte, die gewillt waren zuzuhören.Noam Zur begleitet Daniil Trifonov mit dem CSO an der Chautauqua Institution. Daniil Trifonov, Chautauqua- Zur- Trifonov Foto: Eric Shea Noam Zurs übersprudelndes Auftreten und seine Fähigkeit, eine Beziehung sowohl zum Orchester als auch zum Publikum herzustellen, sorgte letzte Woche in Chautauqua für ein fantastisches Konzert, dass die Spielsaison beschloss. Zur eröffnete seine Show mit einem energiegeladenen, flotten Repertoire, das eine traditionelle Wiedergabe von “The Star-Spangled Banner” und der Fledermaus Overtüre von Johann Strauss Junior enthielt. Die Show war die letzte in einer langen Reihe und so war die technische Ausführung stellenweise alles andere als perfekt, aber trotzdem erreichte das Orchester in Momenten während des Ravel Arrangements von Mussorgskys ‘Bilder einer Ausstellung,’ nuancierte, perfekte Momente und so gelang es, mit Expertise die angedeuteten Klangwelten der Miniaturszenen herüberzubringen. Zurs Anforderungen an sowohl das Orchester als auch das Publikum wurden die ganze Zeit hindurch überzeugend artikuliert; sein unbeirrter Regieansatz gab vollends ein Beispiel für die Fähigkeit eines Dirigenten ab, zwischen den visuellen und den auditiven Ereignissen eine Verbindung herzustellen, die einem Live-Konzert die Energie verleihen. Indem er zum zweiten Mal Chopins zweites Klavierkonzert unter der Leitung von Zur spielte, musste der russische Pianist Daniil Trifonov gewaltige Erwartungen als Bezugspunkt dieses herausgestellen Stücks erfüllen. Trifonovs Ehren eilen ihm voraus, da er jüngst auf drei wichtigen internationalen Klavierwettbewerben mit Preisen ausgezeichnet wurde und seine Talente von den Superstars unter den Musikern gutgeheißen wurden, einschließlich von Martha Argerich, die meinte, dass sie “nie ein Berühren [der Tasten] wie bei ihm gehört hat. ” (Financial Times 2011). Was Zur und Trifonov in Chautauqua zusammenbrachte, sagt viel über die internationale Konzertkultur aus und darüber, wie sich in Wettbewerbskreisen Freundschaften bilden. Vize-Präsident und Programmdirektor Marty Merkley verwaltet den jährlichen Haushalt des Programmbüros von Chautauqua in Höhe von 8 Millionen Dollar. Diese großzügige finanzielle Ausstattung gibt dem Ensemble die Möglichkeit, angesehene und vielversprechende Gastkünstler einzuladen, einschließlich vieler junger Preisträger aus den international Wettbewerbskreisen. Merkley, der in verschiedentliche, große Projekte auf dem Musikmarkt involviert war, wie zum Beispiel Michael Tilson Thomas’ New World Symphony in Miami, ist dazu in der Lage, sich aktiv mit Wettbewerben und den Künstlern auseinanderzusetzen, die ihre Unterstützung erhalten. Als Empfänger des ersten Preises des Internationalen Arthur Rubinstein Klavier-Meisterwettbewerbs im Jahre 2011 wurden Daniil Trifonov mehrere Auftrittsmöglichkeiten von Uri Zur vom ArtPro- Management (dem Vater von Noam Zur) angeboten, der seit 2003 die Preisträger bei ihren Auftrittsmöglichkeiten betreut. Der Auftritt in Chautauqua im Jahre 2005 von Alexander (Sasha) Gavryluk, einem ehemaligen Empfänger des ersten Preises, ist immer noch in der Erinnerung seines musikliebenden Publikums. Es war ein besonderes Konzert wie dieses, das in Tel Ariv stattfand, das Trifonov im letzten September zum ersten Mal mit Noam Zur zusammen zum Kulturwald Festival in den deutschen Bayrischen Wald brachte. Noam Zur war der Hauptdirigent der Kammerphilharmonie Frankfurt geworden und war dazu auserkoren worden, die Produktion der Zauberflöte beim Kulturwald zu leiten. Für den Direktor des Festivals und Uri Zur dauerte es nicht lange zu realisieren, dass sich diese Dynamik einfach in einen Auftritt mit Trifonov, Zur und Orchester übertragen ließe. Photo: Trifonov und Zur bei der Probe.
Uri Zur, der einen langen beruflichen Weg in der Musikindustrie hinter sich hat, einschließlich der Leitung des Plattenvertriebs von Naxos in Israel und natürlich der Gründung der Künstlermanagement Agentur ArtPro, steht in Chautauqua immer in engem Kontakt zu Marty Merkley, aber hatte nicht vor, den eigenen Sohn für die Spielaison zu promoten. Trotzdem, als Trifonov sein Interesse an einem Auftritt in Chautauqua zu einer Zeit zum Ausdruck brachte, als CSO ohne einen Dirigenten war, gab es keinen Grund bei der Besetzung dieser Funktion Noam nicht in Betracht zu ziehen, angesichts seiner beträchtlichen Verdienste als Dirigent. Der extrem chaotische Ablaufplan des Festivals gestattete Zur und Trifonov nur eine Probe vor ihrem Live- Auftritt und so entschloss sich das Team, Chopins zweites Klavierkonzert zu wiederholen, um zu versuchen, den ergreifenden Auftritt, den Zur und Trifonov in Deutschland dargeboten hatten, neu erstehen zu lassen. Wenn er zu den Proben gefragt wird, kommentiert Noam Zur, dass “Dirigenten nie empfinden, die richtige Menge an Zeit zur Verfügung zu haben.” Er meint, “es ist entweder: ‘ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll und wie haben noch weitere drei Tage’ oder ‘es gibt noch so viel zu tun und wir haben nur noch drei Tage übrig!’ Besonders bei der Oper passiert es oft, dass man keine Proben bekommt.” Er sagt, dass manchmal Auftrittskünstler mit sehr wenig Proben auskommen müssen oder eben einfach ‘improvisieren: “Ich kenne das Stück, du kennst das Stück, treffen wir uns also am Abend.” Noam Zur assistierte Pierre Boulez beim Akademie-Orchester des Luzern Festivals von 2006 bis 2008. Von dem großartigen Stil des Meisters machte er sich eine ambitionierte und dennoch entspannte Einstellung zu Eigen. Er erinnert sich noch immer daran, in einer offenen Meisterklasse für Boulez in Luzern zu dirigieren. Als Zur in seinen Schuhen wackelte und der Schweiß tropfte, unterbrach ihn Boulez und sagte “das war sehr, sehr gut...nun tue es noch einmal und diesmal auf fantastische Art und Weise!” Zur erinnert sich an all die lebendigen Musikdiskussionen, die wir hatten und in denen er nicht ein einziges Mal versuchte, seine Meinungen aufzudrängen. Dennoch lernte ich anspruchsvoll und kritisch genug zu sein, um nicht Leute mit allem ungeschoren davonkommen zu lassen.” Als ehemaliger Posaunist schaut er, wie Zur meint, zuerst aus der Perspektive eines Orchestermusikers auf die Partitur. “Es ist keine Choreographie,” sagt er. “Von diesem Maßstab weiche ich nicht ab , es ist wichtig, wie es aussieht. Es sollte noch schön aussehen, aber nur deswegen, weil man einen besonderen Klang haben möchte. Die Bewegung gibt den Anstoß, der den Musikern die Bedeutung und die Ausdrucksweise angibt, die Philosophie dessen, wie es klingen sollte.” Noam Zur Foto: Ch. Gamble
Obwohl Trifonov, nachdem er beim 2011 Rubinstein Gold geholt hatte, viele Konzerte vor sich hatte, was ein bemerkenswerter Pianismus-Marathon und eine extrem anstrengende Erfahrung war, entschied er sich festzustellen, ob er seine Erfolgssträhne beim Tschaikowsky Wettbewerb fortsetzen könnte, da er dafür bereits eingeschrieben war. Uri Zur bemerkte, dass Trifonov ”nicht die höchsten Erwartungen hegte, als er soeben den Rubinstein [Wettbewerb] beendet hatte, aber es dennoch irgendwie versuchen wollte.” Mit seiner ausgezeichneten Darbietung von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert in der letzten Runde des Wettbewerbs mit dem Mariinsky Orchester unter der Leitung des russischen Dirigenten Valery Gergiev erwarb Trifonov weiteres Gold. Gergiev zögerte nicht, mit der Unterstützung seines jungen Landsmanns, dem er den ‘Grand Prix’ Preis des Wettbewerbs verliehen hatte. Gergiev brachte Trifonov für mehrere Konzertereignisse mit an Bord und er entführte Trifonov zeitweilig sogar von Auftritt zu Auftritt in seinem eigenen Jet über den Kontinent durch die Hemisphäre. “Einmal setzte er mich bei einer Auftrittsprobe ab, machte dann mit dem Dirigieren seines eigenen Konzertes weiter, um dann zu meinem Auftritt zurückzukommen. [Sie waren] in unterschiedlichen Ländern.” Trifonov lächelt bei dieser Erinnerung, dankbar für die großzügige Aufmerksamkeit, die der Künstler, den er als einen “der weltweit überragenden und vielbeschäftigsten Musiker” bezeichnet, ihm schenkte. Allein in der letzten Spielzeit trat Trifonov mit Meister Gergiev bei verschiedenen Konzerten auf und nahmen sie zusammen ein Repertoire in Angriff, das Prokofjews erstes Klavierkonzert, Gusonows zweites und Liszts erstes miteinschloss. Daniil Trifonov Für die Spielzeit 2013 bereitet Trifonov sehr viel neues Repertoire für noch mehr Auftritte unter der Leitung von Gergiev vor, einschließlich von Rachmaninows drittem Klavierkonzert und Prokofjews zweiten. “Ich werde auch etwas von Scedrin lernen. Und, als Abwechselung, ist es modern. Ich interessiere mich sehr dafür, mehr modernes Repertoire zu erkunden, wozu ich bisher nicht allzu viel Gelegenheit hatte,” sagt der einundzwanzigjährige virtuose Pianist. “Die russische Schule legt den Schwerpunkt auf klassische Arbeiten, auch Bach und vorallem die Romantiker,”meint er. Zwei Tage vor seinem eigenen Auftritt in Tel-Aviv hatte Trifonov die Gelegenheit, der Darbietung von Chopins erstem Klavierkonzerts mit dem ikonischen russischen Pianisten Evgeny Kissin unter der Leitung von Zubin Mehta, dem Musikdirektor auf Lebenszeit der israelischen Philhamonie beizuwohnen. Trifonov war immer ein großer Bewunderer von Kissins künstlerischer Individualität gewesen. Beide Muskier hatten die berühmte Moskauer Gnessin Schule für begabte Kinder besucht, die er vor allem dadurch beschreibt, dass diese nicht die wunderbar ausgestatteten Übngsräume des ‘Cleveland Institute of Music’ besaß, die er hier nutzt, wo er nun mit dem vierten Jahr beginnen wird. “An der Gnessin-Schule spielte ich an einem aufrechten, alten, vergammelten Bechstein.” erinnert sich Trifonov. Zugang zu einem modernen, gut instandgehaltenen Steinway Konzertflügel zu haben, macht - folgt man Trifonov - einen fühlbaren Unterschied bezüglich des Übens und des Spielens, besonders wenn es darum geht, ein ‘großes’ Repertoire wie Rachmaninow zu erobern gilt, das er erst im letzten Jahr zu erkunden begann. Am ‘Cleveland Institute’ studiert Tifonov bei dem amerikanischen Pianisten und Dirigenten Sergej Babayan. Trifonovs Repertoire war schon immer Chopin-lastig, aber seine jüngsten Studien bei Babayan, haben für ihn ein völlig neues Verständnis des idiosynkratischen Mikrokosmos eröffnet, der das Werk von Rachmaninow ausmacht.“Er zeigte mir einen völlig anderen Ansatz, als den, den ich in Russland gelernt hatte. Obwohl sich letztendlich jeder zurück auf Neuhaus bezieht, gibt es darin sehr unterschiedliche, verschiedene Ansätze. Babayan öffnete mir meine Seele, ohne mir das wegzunehmen, was ich vorher besaß. Bei ihm geht es immer um den richtigen Touch! Er hat meinem Spielen eine enorme Dimension hinzugefügt,” sagt Trifonov. Auf die Frage hin, wie er gelernt hat, die Tasten in einem jenseitigen Piannissimo zu berühren, was klingt, als käme es aus dem Jenseits, beschreibt Trifonov, wie die Studenten in der Bemühung, während der Babayan Studio-Auftritte seine unmöglich leisen Töne zu hören, den Atem anhalten. Es scheint, dass es eine Kombination aus der russischen Schule und dem himmlischen und dennoch ausgeprägten Weise, die Tasten zu berühren, ist, dass das Pianissimo dieser Pianisten in die nächste Dimension bringt. Ich persönlich habe Babayans Auftritten zugehört und es ist wahr– man hört in einer persönlich verarbeiteten Natur das Echo des Meisters. Photo:Daniil Trifonov und Ilona Oltuski
Der junge Künstler sagt, dass er, obwohl er nur 15 Prozent seiner Zeit dem Studium widmen kann, weiterhin für ein Künstlerdiplom mit Babayan zu studieren beabsichtigt, da er findet, dass er noch viel lernen kann. Trifonov realisiert, dass er die Musik eines jeden neuen Komponisten entsprechend seines eigenen Zeitrahmens lernen muss. Er kann sich vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt sich an Beethoven zu machen. “Selbst Schubert war eine Herausforderung für mich, gibt Trifonov bescheiden zu, als er Schuberts letzte Sonate in b-Moll spielt, obwohl es die Mozart Konzerte waren, die immer ein besonderes Erlebnis für mich waren.” Die Zusammenarbeit zwischen Noam Zur und Trifinov war ein durchschlagender Erfolg. “Am Ende war es ein faszinierendes und furchterregendes Erlebnis. Das Publikum wagte es nicht, sich zu bewegen, um nicht irgendeinen Ton in der fantastischen ‘Chopin in der Scheune’- Atmosphäre zu verpassen,“ erinnert sich Zur. “Wir waren wirklich nicht nur musikalisch gesehen miteinander verbunden. Zweifellos wurden wir Freunde. Ich schätze mich glücklich, in diesem Jahr wieder mit Daniil zusammen zu sein und ich bin ihm wirklich für dieses hier zu Dank verpflichtet.” Zur Überraschung von niemanden brachte Tridonov reine, lyrische Klarheit in sein Klavierspiel und Zur unterstützte mit Expertise selbst das delikateste Pianissimo, das Tridonov seinem Klavier mit seiner delikaten, fast magischen Zärtlichkeit entlockte. Ihre Synergie war nie offensichtlicher als im auffallend poetischen und extrem ergreifenden Lhargetto Satz. Zur und Trifonov schafften es,einige der magischen Momente ihres ersten Auftrittes wieder aufleben zu lassen. Chaim Zemachs letzte Probe mit CSO- CH.Gamble Dank der Auftrittsmöglichkeiten bei Festivals wie Chautauqua können junge Talente, wie Trifonov und Noam Zur es sind, damit beginnen, dem Publikum eine sich fortwährend ausweitende Sensibilität gegenüber der Schönheit der Musik wie des Lebens beizubringen und eine anhaltende Talenttradition fortzusetzen, die die internationale Konzertszene durchdringt. Während es sich bei diesem Konzert um das nordamerikanische Debüt von Noam Zur handelte, war es ebenfalls ein rührendes ‘Vor-den-Vorhang-treten’ des führenden CSO Cellisten Chaim Zemach, der die Bühne bei Chautauqua nach 45 Konzertsaisons in einem offenbarendem Gemütszustand verließ. Wie sich Chautauqua entwickelt, bin ich mir sicher, dass man weiterhin hervorragende Leistung und Innovation auf dieser Bühne erwarten.

Monday, August 27, 2012

Die echten Pianisten der Hamptons


Gemessen an der großen Zahl von Reality TVShows, bei denen Ereignisse in Echtzeit aufmerksam verfolgt werden, die von angsteinflößenden Restaurantküchen bis zum glamorösen TV-Tanzfilm auf und jenseits der Tanzfläche Dancing with the Stars reichen, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommen würde, einen Blick hinter die Kulissen auf das wirkliche Leben von Pianisten zu werfen.   Indem er die alltäglichen Erfahrungen der jungen Pianisten, die beim East Hamptoner Pianofest zugegen waren, mitteilt, vermittelt Konstantin Soukhovetski, Pianist/Schauspieler und Moderator der neuen Reality-Web Serie The Real Pianists of the Hamptons mit Bravour sein tiefes Empfinden für das klassische Musikgenre und die Emotionen und Ereignisse, die innerhalb dieser besonderen Institution erlebt wurden.   Die Vorschau der Show umfasst Szenen aus der Sommersaison des letzten Jahres, aufgenommen in East Hampton, am Orte des Pianofestes, das acht Klaviere und all die teilnehmenden Pianisten beherbergt. Man bekommt einen voyeuristischen Kick, wenn man einen Blick vom intensiven Proben der Studenten, die für die wöchentlichen Konzert-Auftritte üben, erhascht, wie auch von den intensiven, persönlichen Interaktionen zwischen den jungen Musikern, wie sie arbeiten und spielen.
Photo:Igor Pancevski,Makiko Hirata, Christopher McKiggan,Elisabeth Strickland Zuschauer wird eingeladen, den emotionalen Zustand dieser jungen Leute zu verfolgen, wie sie ihren täglichen Übungsroutinen nachgehen und diese diskutieren, die beinhalten, sich auf die Herausforderungen des Repertoires, der Instrumente und der Ausdruckskraft in ihrer Musik zu konzentrieren. Dennoch liegt das entscheidende Element der Show in der Erfassung der sozialen Interaktionen der Studenten, die uns einen vertraulichen Blick auf die Auftrittskünstler als ebenbürtige Kollegen erlaubt, die [zusammen] essen, trinken, sich einander lieben und Parties machen.   Indem die Musiker außerhalb des sonst üblichen Konzerthallen-Rahmens gezeigt werden, überbrückt die vertrauliche Perspektive der Show die Distanz zwischen den privaten Persönlickeiten dieser Künstler und der ihrer geschliffenen Bühnenpersönlichkeiten. Diese Offenlegung ist vielleicht das natürliche Ergebnis der vorgestellten Generation, die sozialen Medien-Netzwerken ausgesetzt ist und sich selber dieser bedient.
Junge Auftrittskünstler empfinden heutzutage die Notwendigkeit, ihre Leidenschaften, Hoffnungen und Ängste mit ihrem Publikum zu teilen, vor allem aber mit ihren Kollegen. Diese talentierten Musiker, in deren Karrieren einigen von ihnen bereits berühmte, internationale Konzertbühnen vorgestellt wurden, mussten schon oft von einem sehr jungem Alter an ihr soziales Leben zugunsten ihres Studiums zurückstellen. Diese Web Serie bietet ihnen die Gelegenheit, sich mit Gleichaltrigen wieder kurzzuschalten und sowohl ihre Kunst als auch persönlichen Erfahrungen mit der Welt zu teilen.   Diese Reality Show bietet einem globalen Publikum eine Gelegenheit, einen flüchtigen Eindruck vom derzeitigen Stand klassischer Musik zu bekommen und verschafft einen Einblick in die Motivationen der jungen und oft unternehmerischen Musiker, wie Soukhovetski selbst einer ist.   Die Entscheidung Pianofest als Setting für The Real Pianists zu nutzen, war die einvernehmliche Entscheidung von Soukhovetski und dem Pianisten und bedeutenden ‘Cleveland Institute of Music’ Pädagogen Paul Schenly. Pianofest, die East Hamptoner Sommerresidenz für junge Pianisten, ist die Idee von Schenly, der bei seiner Suche nach einer Örtlichkeit für den Sommer in der Nähe von New York das East Hamptoner Landhaus erwarb. Pianofest findet nun bereits zum 25. Mal statt und Schenlys Landhaus ist zu einem idealen Ort geworden, der für herrliches und dennoch unaufdringliches Musizieren steht. Großartige Musiker und Musikliebhaber haben seit ihrer Gründung diese Institution zu einer Drehscheibe gemacht und dabei geholfen, sie zu einem Ort lebhaften, künstlerischen Ausdruckes zu entwickeln, als ein Refugium der Behaglichkeit für vielversprechende Künstler, nicht anders als die Wirkungsstätte von Rachmaninow, wo der Meister die Schüler zum Studium und zum Leben um sich versammelte.Paul Schenly with Kerina Chang
“Paul wollte immer schon ein freundliches Ambiente schaffen, in dem seine Studenten gleichzeitig vorankamen und miteinander spielen und sich sozializieren konnten, ohne das Gefühl haben zu müssen, im Wetbewerb miteinander zu stehen. Es gibt keinen Preis zu gewinnen; dort zu sein ist der Preis,” sagt Soukhovetski, der nun beim Festival als Gastkünstler fungiert. Während seiner frühen Entwicklungsjahre wie auch in seiner Zeit an der ‘Juilliard School’ hat Soukhovetski viele Sommer beim Pianofest verbracht. “Ich verstehe das Wesen des Pianofestes, seinen Auftrag wie auch seine Dynamik. Mit den Real Pianists, erzähle ich im Wesentlichen dessen Geschichte. Paul unterstützte meine Idee und bestärkte mich darin, mitzumachen. Paul Schenly erläutert: ‘Das Pianofest konzentriert sich auf die Unterstützung der Musik und Musiker und zwar auf eine Art, die sicherstellt, dass sie ihr ganzes Potential voll auschöpfen und dann ihr Talent zur Freude und Inspiration ihres Publikums präsentieren. ’Unsere Sommer Saisons haben bewiesen, dass unser Ziel, das Publikum eine persönliche Beziehung zu den auftretenden Studenten herzustellen zu lassen, eine wichtige, motivierende Rolle dabei spielt, ein wachsendes Publikum heranzuziehen, was umgekehrt inspirierend für die Auftretenden ist. Wir hoffen, die andere Seite der Musik zu zeigen: ihre innere Funktionsweise und hoffen auch, dass es Talent für das Leben wie für das Klavierspielen gibt.”   Für Soukhovetski ist es eine große Motivation, genau das deutlich zu machen und er macht von seinen vielen Auftrittstalenten Gebrauch: “Ich habe genug Zeit am Drehort verbracht, um eine Vorstellung der Rahmengebung zu haben und auswählen zu können, welcher Schnitt sich für einen besonderen Betrachtungswinkel eignet, nach dem ich Ausschau halte, und ich weiß, wie die Geschichte visuell zu erzählen ist. Als allerwichtigste Komponente nennt er seinen Co-Produzenten Sasha Popov von Popovmedia, der ihm dabei hilft, die Vorstellung auf den Bildschirm zu übersetzen, und er sieht ihn als den “guten Polizisten”, der sicherstellt, dass alle Grundlagen abgedeckt sind, um ein gutes Produkt zu liefern. Aber kein Produkt ist ohne Inspiration zu haben:”Es war Paul, der immerzu den Traum verfolgt hatte, ein sicheres Refugium zu schaffen, in dem Musiker einfach sie selbst sein konnten und wirklich die Gesellschaft ihresgleichen und die Musik ohne die sonst übliche Konkurrenz genießen konnten.                          Paul Schenly, Konstantin Soukhovetski  wurde beim Pianofest im höchsten Maße erreicht und, dank der Bemühungen der Gemeinde und der Wertschätzung der Musik, im großen Stil.”   Soukhovetski hofft auf einen Ausbau seiner Unternehmung mittels einer Vorschau von ‘the Real Pianist’, welche im Jahre 2011 aufgenommen worden war und im Juni diesen Jahres - während seines ersten Tages auf YouTube - beachtliche 1000 Ansichten abkassierte. Jetzt hat sie nahezu 7000 Treffer auf YouTube erzielt und die erste Episode soll in den nächsten Wochen auf YouTube und der Real Pianists Facebook Seite laufen. Soukhovetski fühlt sich in vielen Welten zuhause, einschließlich von Klavierauftritten, Theater, Fernsehen, Film, und Mode, aber sein wirkliches Ziel ist es, ein liebevolles Bild eines bestimmten kulturellen Mileus zu kreieren, das seine hohe Wertschätzung erfährt. Real Pianists hat die Ambition zu beweisen, dass trotz ihrer ernsthaften Herangehensweise an die Musik klassische Musiker ebenfalls ‘cool’ sind!   Als “Rock Star Pianist” vom ‘New York City Chamber Festival’ beim Symphony Space am 7. September (um 18Uhr) präsentiert, stellt Soukhovetski in einem theatralischen Kontext in seiner Vorstellung seiner Original-Transkription der Schlußszene von Richard Strauss’ Capriccio die gegenseitige Abschottung der theatralischen und musikalischen Aspekte eines Auftritts in Frage. Das Programm wird auch Franz Liszts Vallée d’Obermann aus Années de pèlerinage und die St.Sulpice Szene von Jules Massenets Manon (von Soukhovetzki für Klavier arrangiert) beinhalten.
Ein weiterer Teil seiner persönlichen Vorstellung: seine Schuhe, von Konstantin selbst entworfen.   

Monday, August 13, 2012

Für's Grossartige geboren

Untersuchungen haben angezeigt, dass es einen genetischen Zusammenhang von Autismus und den erstaunlich Begabten gibt.
Joanne Ruthsatz, Psychologie Professorin an der Ohio State University, leitet eine umfassende Studie, die die faszinierenden Aspekte dieses Zusammenhangs von Autismus und Begabung untersucht. Begeistert von dessen Implikationen hat das Southampton Arts Festival - die Idee der Pianistin Elena Baksht und des Violinisten Dmitri Berlinsk - diesen Aspekt des musikalischen Erbes in das klassische Musikfestival dieses Sommers integriert, das nun zum dritten Mal in Southampton stattfindet.
“Ich weiß, dass so viele Musiker, die es in ihrer musikalischen Karriere auf ein hohes, ausgereiftes Niveau gebracht haben, als Wunderkinder begannen. Als ich hörte, dass 70 Prozent der derzeitigen Fallstudien sich auf Musikbegabte beziehen, machte es absoluten Sinn, unsere volle Unterstützung dieser Sache zu geben und gleichzeitig diesen begabten Musikern Auftrittsmöglichkeiten anzubieten,” sagte Baksht. “Zusätzlich hilft unsere Unterstützung auch der weniger begünstigten Seite der Wunderkind/Autismus Gleichung.”
Das Festival bietet Konzerte - dargeboten von gefeierten und preisgekrönten Musikern - an verschiedenen Veranstaltungsorten, einschließlich dem ‘Southampton Cultural Center’ und einigen einzigartigen, privaten Anwesen. Dieses Jahr spielen die Musiker mit einigen Wunderkindern zusammen, die von Ruthsatz zum Festival gebracht wurden.
Ihre fruchtbare Zusammenarbeit hat bereits den Nobelpreisträger Jim Watson von den ‘Cold Spring Harbor Laboratories’ an Bord gebracht, der jetzt Ruthsatz’ Forschungsbemühungen unterstützt. Zusätzlich wird das Festival einen Teil seiner Einnahmen der Forschung stiften.
Aber Berlinsky und Baksht haben viele weitere Pläne für die Zukunft, einschließlich eines Lehrprogramms, dass sich an die Öffentlichkeit von Hampton wendet, um weiter auf den Bemühungen des Festivals aufzubauen, den Zugang zu klassischer Musik zu erleichtern und die Kenntnis dieser zu fördern. “Die Tatsache, dass das Festival unweit von New York stattfindet, bietet für uns unglaubliche Möglichkeiten, es für die großartigsten Musiker attraktiv zu machen, um hier aufzutreten und Dmitri und ich hoffen beide im Laufe der Zeit unser Ansehen steigern zu können.
Mitbegründer und künstlerischer Leiter des Festivals ist Bakshts Ex-Ehemann, der Violinist Dmitri Berlinsky, mit dem sie weiterhin sich die Bühne wie auch viel organisatorische Logistik teilt. ”Das Festival war ein Traum, der für uns beide zu einer Zeit in Erfüllung ging, als man es für richtig hielt, voranzuschreiten, trotz unseres persönlichen Lebens,” meint Baksht und Berlinsky fügt via E-Mail von seiner derzeitigen Konzerttournee in Italien hinzu: "Viele, viele nahestehende Freunde sind daran beteiligt und wir verdanken einigen der Unterstützer des Festivals so vieles” und er nennt im Besonderen den Vorsitzenden des Aufsichtrates Roger Samet, wie auch David und Julia Koch und Anneliese Soros. “Wir konnten nicht zulassen, dass dem irgendetwas im Wege steht.”
Dmitri Berlinsky/Elena Baksht
“Viele Sachen fügten sich in perfekter Synergie zusammen,” meint Baksht, als sie das musikalische Können einiger ihrer Wunderkinder bewunderte – und sie ist nicht allein.
Dem renommierten Juilliard Professor und Pianisten Jerome Loventhal zufolge, sei das Spielen des neun Jahre alten William Chen von erstaunlichlicher, künstlerischer Kompetenz, formvollendet gestaltet und zum Ausdruck gebracht, wie sich Loventhal anlässlich der Verleihung des ersten Preises des internationalen Crescendo Wettbewerbs an Cheng, äusserte.)William Chen wird am 19. August beim Festival auftreten (Southampton Cultural Center).
William Chen

Also wie fügt sich schließlich alles zusammen? Laut Ruthsatz hält die Forschung, die auf den Daten basiert, die von jungen musikalischen Wunderkindern gesammelt wurden, einen möglichen Schlüssel bereit, um die Ursache von Autismus zu verstehen und sie ist ebenfalls dabei hilfreich, eine brauchbare Heilmethode zu bieten.
Als sie sich weiter umsah, entdeckte sie, “dass sowohl Familien ersten Grades von Individuen mit Autismus als auch Familien ersten Grades von Wunderkindern in ihrer Stichprobe drei von fünf gemeinsamen Merkmalen von Autismus aufwiesen: verminderte soziale Fähigkeiten, eine verminderte Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten und eine gesteigerte Aufmerksamkeit bezogen auf das Detail.”
“Dies faszinierte sie und so entschloss sie sich, in ihrem gegenwärtigen Sample von Wunderkindern nach Autismus Ausschau zu halten,” schrieb Scott Barry Kaufman, Ph.D. in “The mind of the Prodigy”, veröffentlicht in der Huffington Post. In ihrer Studie, publiziert im Journal ‘Intelligence’, bezogen Ruthsatz und der Violinen-Virtuosen Jourdan Urbach - selbst ein Wunderkind - acht andere Wunderkinder mit ein, die sehr daran interessiert waren, weitere Anhaltspunkte zu prüfen.
Ruthsatz verabreichte bekannten Wunderkindern, die im nationalen und internationalen Fernsehprogrammen herausgestellt worden waren und von denen die meisten auf ihrem Gebiet im Alter von zehn Jahren professionelles Auftrittsniveau erreicht hatten, den Stanford-Binet IQ Test.
Interessanterweise ergaben die Testergebnisse, dass es nicht notwendigerweise ein hoher IQ Wert war, den sie gemein hatten, sondern stattdessen ein (langfristig angelegtes) arbeitsbezogenes Erinnerungsvermögen der Superlative und eine hohe Aufmerksamkeit, die dem Detail galt (einem vorherrschendem Merkmal des Autismus). In dem Artikel aus diesem Monat, veröffentlicht in ‘Slate’ und betitelt, “Do child prodigies owe their talents to autism? ” knüpft Katy Waldman an Ruthsatz’ Prämissen an, dass Wunderkinder ihre Leistungen dem Autismus zu verdanken hätten.
“Autismus gibt es in Familien vieler Wunderkinder,” sagt Ruthsatz. “Es ist spannend zu sehen, wie sehr sie willens sind, sich einer DNA Analyse zu unterziehen, um dabei behilflich zu sein, dass sich das Puzzle zusammenfügt. Wir glauben, dass ein genetischer Modifikator am Werke ist, der ihr Talent hervorbringt und ihre künstlerische Persönlichkeit durchscheinen lässt und nicht das Defizit. Es mag den genetischen Anhaltspunkt für Autismus geben und andere autistische Merkmale daran hindern, in Erscheinung zu treten.” Auf die gewagte Andeutung hin, dass dieses Testen ebenfalls die Unzulänglichkeiten, die mit Autismus einhergehen, betonen werden und vielleicht die Weltanschauung der Wunderkinder beeinflussen, sagen die meisten Wunderkinder einfach: “Warum würden wir nicht helfen wollen?!” “Die meisten Wunderkinder sind wirklich sozial und lieben die Interaktion auf dem Festival”, fügt Ruthsatz hinzu.

Prof.Ruthsatz
Es ist der folgende Aspekt, der die "natürliche" Verbindung zwischen Benefizveranstaltungen für die Künste und Wunderkindern zu erklären scheint: "Die Wunderkinder als Gruppe hat moralische Entwicklung vorangetrieben," meint Ruthsatz.
Zukünftige Forschung wird eruieren, was solch wohlwollendem Verhalten zugrunde liegt (Studien von Ernst Fehr in der Schweiz weisen auf eine wissenschaftlich nachgewiesene, genetische Verbindung zur Fähigkeit hin, den Bedürfnissen anderer gegenüber empfindsam zu sein).”
In diesem Jahr hat Baksht ebenfalls den internationalen Superstar Pianisten Evgeny Kissin (selbst ein sehr berühmtes Wunderkind) angesprochen, der sich dazu bereit erklärte, für das Festival als künstlerischer Berater ehrenhalber genannt zu werden. Baksht erinnert sich an Kissins Auftritt an der berühmten Moskauer Gnessin School für begabte Kinder, wo sie Kissin im Alter von acht Jahren auftreten sah: ”Ich erinnere mich an Dich seit ich fünf Jahre alt war – wie Du zwei Chopin Masurkas und einen Walzer spieltest…“ und wir lachten zusammen über die gemeinsam Erinnerung andiesen Auftritt und er räumte ermutigend ein: “Es ist wahrscheinlich sehr viel Arbeit, die auf deinen Schultern lastet, all dieses zusammenzustellen.” “…Und wie Recht er hat,” meint Baksht.
Festivals werden nicht aus dünner Luft geschaffen: Berlinsky lässt uns daran Anteil nehmen, dass er mit der Hilfe von Unterstützern seines musikalischen Künstlertums und seiner persönlichen Freundschaften, die über zwanzig Jahre hinweg geschmiedet worden waren, großes Interesse an der Etablierung des Southampton Arts Festivals herausbildete.
“Obwohl es eine Leidenschaft ist, beansprucht es ebenfalls die größte Mühe und wir hoffen wirklich, dass die Öffentlichkeit uns ihre volle Unterstützung entgegenbringt. Jeder – außer den Künstlern – arbeitet bis jetzt ehrenamtlich ohne Entgeld; aber um sich weiter zu entwickeln, besteht die Notwendigkeit eines Budgets, von dem die laufenden Ausgaben bestritten werden können,” führt Baksht weiter fort. Aufgewachsen in einem kulturellem Umfeld, in dem die Künste sich der Unterstützung von staatlicher Seite gewiss sein konnten, ist der Aspekt der Geldmittelbeschaffung, etwas, woran sich die über dreißigjährige Pianistin gewöhnen musste. Ihr achtjähriger Sohn unterstützt ihre Anstrengungen: ”Mama, du hast Mut und du gibst niemals auf.”
Eine zentrale Wechselbeziehung bei der Förderung klassischer Musik wird dadurch hinzugefügt, indem man die einzelnen Punkte mit dem Genpool, der die Geheimnisse der Talente unserer Kultur beinhaltet, in Zusammenhang stellt und der potentiell einen großen Unterschied im Leben der Menschen mit Autismus machen kann.
Hamptons Besucher werden nicht nur die Gelegenheit haben, diese wichtige Forschung zu unterstützen, sondern auch die begabten Musiker zu feiern.
von Ilona Oltuski, PH.D.
Das Wolffer Land-Weingut wird Gastgeber eines Benefizkonzertes für Southampton Arts Festival sein
- für das leibliche Wohl wird durch das preisgekrönte Koch-Wunderkind Greg Grossman gesorgt -
am 22. August um 19:30 Uhr,
139 Sagg Road, Sagaponack, NY. 11962
Weitere Termine und Veranstaltungsorte findet man auf der Website des Festivals: www.southamptonartsfestival.org
oder auf der des ‘Southampton Cultural Center‘ +1-631-287-4377 – www.southamptonculturalcenter.org
Für Interviews mit Joanne Ruthsatz bezüglich ihrer Untersuchung rufen Sie an bei Terre 917-8334911
Die Website von Elena Baksht ist: www.elenabaksht.com
Die Website von Dmitiry Berlinsky ist: www.dmitriberlinsky.com